„Schüler sollten nicht darüber entscheiden, was sie lernen!“

Bildungswissenschaftler Alfred Schirlbauer hält nicht viel von modernen Bildungsansätzen: Alltagswissen, Praxisorientierung, Gesamtschule seien alles Humbug

Alfred Schirlbauer ist 1948 geboren und war selbst 8 Jahre lang Lehrer an Pflichtschulen, danach war er Professor für Pädagogik an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Im Presse-Interview erläutert er seine Meinung zu Gesamtschule, Methoden und Allgemeinwissen, die konträr zu aktuellen Bildungstrends verläuft.


„Gesamtschule ist eine Reichensteuer“


Schirlbauer bezeichnet die Gesamtschule als Besteuerung einer höheren Bildungsschicht. „Es ist nun einmal so, dass Kinder in einem Elternhaus, in dem gelesen wird, in dem es eine gepflegte Sprache gibt, einen schulisch relevanten Vorsprung haben. Diese Vorteile kann man ihnen aber schwer wegnehmen.“ Soziale Durchlässigkeit und Kindern aus bildungsfernen Haushalten eine bessere Zukunft zu ermöglichen, scheint ihn wenig zu jucken. Übrigens gibt es auch Studien, laut denen das Lehrniveau in Gesamtschulklassen kaum sinkt: Je besser ein Schüler ist, umso weniger wird er durch seine Mitschüler beeinflusst.


Kinder brauchen weniger Freiheit


Lehrinhalte selbst wählen? Davon hält Schirlbauer nichts, im Grunde müsste also die Zentralmatura sein größter Freund sein, da hier bundesweit Lehrinhalte für eine ganze Generation vorgegeben werden. Hubschrauber-Eltern sollen den Kids nicht so auf die Pelle rücken, Lehrer dafür sehr genau vorgegeben, was gelernt wird. Gruppenarbeiten? Inhalte selbst erarbeiten? Projektarbeit? „Wenn die Schüler das alles selbst erarbeiten könnten, dann könnten sie ja nach Hause gehen. Der Lehrer ist Wissensvermittler.“ Frontalunterricht olé!


„Die Diskrepanz zwischen Schule und Leben ist unvermeidbar“


Berufsbildende Elemente, praxisorientierten Unterricht oder Spezialisierungen hält Schirlbauer für schlecht: Nur in der Vermittlung von Denkfähigkeit kann die Schule auf das Leben vorbereiten. Fächer, wie das in Deutschland angedachte Alltagswissen seien eine Dummheit.


Was denken Sie über Alfred Schirlbauers Ansichten? Von gestern oder erfrischend traditionell?

 

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