Schmerzen: Warum Frauen weniger ernst genommen werden

Studien deuten darauf hin, dass Frauen eher bezichtigt werden, dramatisch und überemotional zu sein, und dass die Behandlung dadurch verzögert wird.

Letzte Woche erntete ein Artikel im amerikanischen Magazin "The Atlantic" viel Aufmerksamkeit. In "How Doctors Take Women's Pain Less Seriously", zu Deutsch "Wie Ärtze Schmerzen von Frauen weniger ernst nehmen" erzählt der Autor Joe Fassler, wie seine Frau Rachel mit einem Notfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde, und erst 14,5 Stunden später tatsächlich operiert wurde. Sie leidete an einer Eierstockstieldrehung, was mit quälenden Schmerzen einhergehen und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. In ihrem Fall haben sich die Ärzte in der Notaufaufnahme keine Zeit für eine Diagnose genommen und die Patientin fälschlicherweise mit Nierensteinen diagnostiziert.

"Beißen Sie doch die Zähne zusammen"

Der Artikel wirft Fragen über die Behandlung von Frauen auf, denn während der Wartezeit wurde der Frau kontinuierlich gesagt, sie spüre gerade "nur ein wenig Schmerz" und sie soll "die Zähne zusammenbeißen".

Wird Schmerz von Frauen öfter als hysterisch, dramatisch und übertrieben emotional wahrgenommen und deswegen weniger ernst genommen?

Der Autor von "How Doctors Take Women's Pain Less Seriously" geht davon aus, und zitiert eine Studie der University of Maryland. Die Studie kommt – nach der Analyse von unterschiedlichen anderen Studien – zu dem Schluss, dass Frauen Schmerz qualvoller erleben und schneller davon berichten, aber schlechter und langsamer dafür behandelt werden. Es scheint eine geschlechtersensible Voreingenommenheit bei Ärzten und Ärztinnen zu geben, die dazu führt, dass Frauen nicht behandelt werden, bis es einen objektiven Beweis für die Ursache von Schmerz bei Frauen gibt.

Verzögerung der Behandlung

Seit dem Erscheinen des Artikels haben sich Frauen in Diskussionsforen über das Thema ausgetauscht, und gerade im Zusammenhang mit der Krankheit Endometriose scheint eine solche Erfahrung zu dominieren. Endometriose ist eine krankhafte Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, die zu schlimmen Schmerzen während der Menstruation führen kann und nur durch einen operativen Eingriff oder durch eine hormonelle Therapie mit Verhütungsmitteln behandelt werden kann. Mehrere Frauen berichten, dass ihre Ärzte die starken Schmerzen lange nicht ernst nehmen und abtun. "Jeder hat diese Schmerzen, das ist normal, nehmen Sie ein Schmerzmittel." Oft wurde die Krankheit erst richtig diagnostiziert, als die Kranken zufällig, zum Beispiel durch einen Umzug, den Arzt gewechselt haben.

Das ist Hysterie, kein Schmerz

Frauen der Hysterie zu beschuldigen hat lange Tradition, und obwohl es heute nicht mehr in der selben Drastik wie zum Beispiel noch bei Freud statt findet, scheint sie im Nicht-Ernst-Nehmen von Schmerz auch heute noch ihren Ausdruck zu finden. Die Studie an der University of Maryland fand auch heraus, dass Frauen bei Schmerzen öfter Ruhigmacher, während Männer eher Schmerzmittel verschrieben bekommen.

 

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