Schlucken Sie 12 cm?

Die Keksdosen füllen sich, die Gans ist vorbestellt und die Körperfettwaage zur Sicherheit hinter den Sommerklamotten versteckt. Weihnachten heißt Zulangen ohne Essbremse. Was da hilft? Bewusst genießen!

„Das Wichtigste zuerst", meint Hanni Rützler, „Feiertage sind nicht der geeignete Zeitpunkt, um über gesunde Ernährung zu reflektieren! Bei Feiertagen geht es um Genuss!" Stimmt ja auch: Wenn wir zunehmen, so tun wir das meist nicht zu Weihnachten oder zu Ostern. Sondern in der Zeit dazwischen! Wer im Alltag ein Auge auf sein Essverhalten hat, darf bei Festen ruhig mal über die Stränge schlagen. Wer das nicht hat, braucht wohl auch nicht gerade zu Weihnachten damit anfangen...

Rützler: „Wir gönnen uns Genuss, weil Weihnachten in die kalten, rauhen Nächte fällt. In eine Zeit, die historisch immer sehr karg war, die Vorräte gingen zu Ende, es gab lange Wintermonate - da war es wichtig, den Zusammenhalt der Gemeinschaft bewusst mit Genuss zu zelebrieren." Es wurde geschlachtet oder gefischt. Kurz: Ordentlich aufgetischt. „Heute leben wir in einer Zeit des Überflusses, in der wir das gar nicht mehr wertschätzen können."

Die Zunge reicht weiter als die Hand.
von Hanni Rützler

Bei den von ihr veranstalteten Genuss-Workshops im Futurefoodstudio setzt die Ernährungswissenschaftlerin deshalb auf „bewusst genießen". Jedes Gericht hat seine Geschichte, seine kulturelle Prägung, die es sich lohnt, wahrzunehmen. Auch die Unverfälschtheit des Geschmacks ist Rützler wichtig: Das Nachschmecken und nachriechen, was wir da eigentlich auf unseren Tellern haben...

„Wir haben verlernt, zu genießen. Genuss braucht Zeit. Die haben wir kaum noch." Das beginnt bereits im Mundraum: Schlucken Sie rasch? Oder nützen Sie die vollen 10-12 cm des Weges aus, den das Essen bis zur Speiseröhre zurücklegt? Immerhin führt dieser Weg an 10.000 Geschmacksknospen vorbei... „Aber in unserer Gesellschaft werden wir leider immer mehr zu schnellen Schluckern!"

Die Störche hingegen, die hätten es gut, meint Rützler, „Die haben nicht bloß 12cm, sondern gut 30cm Mundraum. Deshalb wäre so mancher Sommelier gerne mal ein Storch!"


Was bei ihr zu Weihnachten auf den Tisch kommt? Fisch! „Für mich ist Fisch wie eine Einstiegsdroge zu mehr Gemüse und zu zarten feinen Geschmäckern. Er hilft den Gaumen zu schulen, weil es sich einfach lohnt, diesen herrlichen Geschmack zu entdecken. Wir lernen auch wieder, die Qualität der heimischen Flüsse und Seen zu schätzen, um die uns - gerade mit Fokus auf Welternährung - viele Länder beneiden können."

Auch ernährungsphysiologisch hat der Fisch viel zu bieten: Bekanntlich ist er besonders reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die der Körper gut verstoffwechseln kann. Schmeckt also gut - und tut gut! Rützler: „Ich finde, Genuss sollte weitergehen als bis zum letzten Bissen. Man sollte auch die Stunden und Tage danach noch wohlfühlen. Das ist eine wichtige Orientierungshilfe durch die opulenten kulinarischen Feste, die auf uns zukommen..."

Worauf Sie beim Einkauf des Weihnachtsfisches achten müssen, lesen Sie hier!

Mag. Hanni Rützler, Ernährungswissenschafterin, Foodtrendexpertin und Gesundheitspsychologin, hat sich als Pionierin der Ernährungswissenschaft, als Entwicklerin und Forscherin mit ihrem multidisziplinären Zugang zu Fragen des Ess- und Trinkverhaltens über die österreichischen Grenzen hinaus einen Namen gemacht.

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