Schlechter Schlaf? "Als Frau schläfst du besser allein"

Hilft warme Milch mit Honig wirklich beim Einschlafen und warum haben Frauen einen besseren Schlaf, wenn sie alleine sind? Wir haben einen Experten gefragt.

Frauen schlafen besser allein

Schlechter Schlaf kann viele Ursachen haben. Wir haben darüber mit dem Schlafmediziner Stefan Seidel gesprochen.


Ist an der Mär vom Schönheitsschlaf etwas dran?
Absolut. Es gibt gewisse Zeichen -rund um die Augenwinkel, die Nasolabialfalten und die Mundpartie -, durch die wir intuitiv beurteilen, ob jemand müde aussieht oder nicht. Dieser Eindruck spielt auch bei der Auswahl potenzieller Partner einer Rolle. Wenn man jemanden kennenlernen will, sollte man also ausgeschlafen sein.

Kann man die Zellregeneration im Schlaf boosten?
Ja, indem man ausreichend schläft. Oft erzählen mir Patienten, sie bleiben abends lange wach, weil sie auf diese Art mehr von ihrem Leben haben. Sie sagen:"Wenn mein Job getan und die Kinder im Bett sind, habe ich endlich Zeit für mich!" Auf Dauer führt das aber zu chronischer Übermüdung.

Wer schläft eigentlich besser - Männer oder Frauen?
Studien belegen: Frauen schlafen besser, wenn sie alleine im Bett liegen, Männer besser zu zweit. Man nimmt an, dass Frauen evolutionsbedingt einen leichteren Schlaf haben, damit sie in der Nacht ihre Kinder nicht überhören.

Kann man schlafen lernen?
Klar, das beginnt schon damit, dass man tagsüber für ausreichend Licht und Bewegung sorgt. Bei Einschlafproblemen sollte man die Zubettgehzeit nach hinten schieben, um den Schlafdruck zu erhöhen; bei Durchschlafproblemen spätestens nach einer Viertelstunde aufstehen und aufschreiben, was einen beschäftigt, statt sich stundenlang hin und her zu wälzen. Gut sind Entspannungstechniken wie Biofeedback. Und machen Sie sich nicht verrückt: Man kann nicht jede Nacht gut schlafen.

Spielen bei Frauen auch die Hormone eine Rolle?
Wir haben beobachtet, das Frauen in der Menopause oft schlechter schlafen. Außerdem steigt durch das Absinken des Progesteronspiegels das Risiko einer Schlafapnoe -das sind nächtliche Atemaussetzer, die durch eine Erschlaffung der Rachenmuskulatur bedingt sind.

Erhole ich mich im Schlaf auch, wenn ich wild träume?
Ja, denn Sie träumen jede Nacht wild. Sie erinnern sich nur nicht immer daran.

Hilft Milch mit Honig beim Einschlafen?
Der Geschmack ist sicher süß und beruhigend. Aber jedes warme Getränk ist gut, weil sich nach dessen Genuss die Gefäße erweitern und die Wärme aus der Körpermitte abgeleitet wird. Das fördert das Einschlafen. Physikalische Reize wie warme Socken haben übrigens denselben Effekt.

Was halten Sie von rezeptfreien Schlaftees und -getränken auf Pflanzenbasis?
Es gibt einige Pflanzen, etwa Baldrian, Passionsblume oder Melisse, die schlaffördernd sind. Bei leichten Schlafstörungen kann man damit durchaus Erfolg haben. Positiv finde ich aber auch das Einschlafritual, das man damit schafft. Man trinkt einen Kräutertee, legt sich dann hin -solche Rituale führen zu einer guten Schlafhygiene.

Wer leidet eher unter medizinisch relevanten Schlafstörungen -Männer oder Frauen?
Tendenziell mehr Frauen. Oft ist eine körperliche Ursache wie das Restless-Legs-Syndrom die Ursache, von dem Frauen stärker betroffen sind. Dauerschnarchende Männer werden eher von ihren Frauen zum Schlafmediziner gebracht.

 

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