"Schlampe, Luder, Bitch": Sexistische Sprache und warum Männer sich dafür nicht entschuldigen (müssen)

Der Republikaner Ted Yoho nennt Alexandria Ocasio-Cortez eine "fucking bitch". Er ist nur ein weiterer Mann in einer Machtposition, der sich verbal an Frauen abarbeiten darf.

AOC kontert halbherzige Entschuldigung wegen sexistischer Beleidigung

Auf den Stufen des Kapitols, wo der US-Senat und US-Kongress Politik für ein ganzes Land machen, diskutieren zwei Abgeordnete im Vorbeigehen miteinander. Ein bisserl hitzig, ziemlich persönlich und ohne zu einer Einigkeit zu gelangen. Als sich die Wege trennen und die eine, die New Yorker Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die Stufen weiter erklimmt, beendet der andere, Ted Yoho, Kongressabgeordneter des Bundesstaates Florida, die Auseinandersetzung für sich noch mit zwei letzten Worten: Fucking Bitch. G'schissene Schlampe.

Zu seinem Leidwesen in Hörweite eines Reporters. Der widerwärtige Sexismus wird öffentlich, Kritik daran sehr laut. In einer Rede im Repräsentantenhaus leugnete Yoho, diese "anstößigen Beleidigungen" so gesagt zu haben. Sie wären ihm von der Presse in den Mund gelegt worden. Er entschuldigt sich für das Missverstehen der Medien, betont seinen brüsken Charakter und besteht darauf: Für seine Leidenschaft könne er sich nicht entschuldigen.

Männer, die Entschuldigungen heucheln

Yoho entschuldigt sich also so, wie sich Männer in Machtpositionen für sexistischen Scheiß entschuldigen: gar nicht. Oder zumindest nicht so, wie man sich aufrichtig und ehrlich entschuldigt, nachdem man einen Fehler eingesehen hat. Es erinnert mehr an ein Kindergartenkind, das von einer erziehungsbemächtigten Person dazu gezwungen wird. Und jetzt tu schon brav Handi geben und dich entschuldigen!

"Diese Sache ist kein Einzelfall. Es ist kulturell. Eine Kultur der Straflosigkeit, der Akzeptanz von Gewalt und gewalttätiger Sprache gegen Frauen und einer Machtstruktur, die genau das unterstützt", sagte die demokratische Abgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez in einer Ansprache am Donnerstag im Repräsentantenhaus. Die Machstruktur gilt weltweit und sie heißt: Patriarchat.

Im Patriarchat sind Männer noch Männer, und das bedeutet: Sie können nichts falsch machen. Unterläuft ihnen ein Fehler, dann liegt es an ihrer Leidenschaft, an ihrem Ehrgeiz und ihrem grenzenlosen Genie. Wir entschuldigen, ja erwarten Aggressivität und Rücksichtslosigkeit von männlichen Männern. Dieses Verhalten ist der Status Quo, warum sollten wir es ihnen jemals ankreiden? Stattdessen werden all jene, die nicht männliche Männer sind, zur Nachsicht und Verständnis erzogen. Er meint es ja nicht so! Schau, er hat sich eh entschuldigt, sei nicht so nachtragend!

Eine weltweite Machstruktur namens Patriarchat

Beispiele für als Entschuldigung verkleidete Lächerlichkeiten finden sich auch in Österreich, da muss man gar nicht lange suchen. Als sich Georg Dornauer, SPÖ Tirol-Chef, vergangenes Jahr eine abwesende Kollegin "nicht in der Horizontalen vorstellen wollte", hat er sich nach laut werdender Kritik bei jenen entschuldigt, die das falsch verstanden haben. "Sexismus entsteht beim Empfänger", so die Argumentation damals. Und erst vor ein paar Wochen bezeichnete Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP) eine Aktivistin, die sich von ihm nicht ins Wort fallen ließ, als "widerwärtiges Luder". Die telefonische Entschuldigung dürfte die beschimpfte Aktivistin Marianne Götsch nicht vollends überzeugt haben, sie twitterte nach dem Gespräch, es gäbe "weiteren Erklärungsbedarf". Es folgte eine schriftliche Entschuldigung, und das war's dann auch wieder. Geisler ist immer noch 1. Landeshauptmann-Stellverteter, Dornauer immer noch Landesparteiobmann der Tiroler SPÖ. Und Ted Yoho wird weiterhin Kongressabgeordneter sein. Sexismus und Frauenverachtung, auch wenn sie noch so öffentlich ausgelebt werden, haben für Männer in Machtpositionen selten bis nie Konsequenzen. Wenn Misogynie der Konsens ist, reicht auch die halbherzigste Entschuldigung.

Eine Entschuldigung ist nicht genug

Nur sind diese Zeiten wohl langsam vorbei. Kritik und Widerstand gegen die Schamlosigkeit der Boy's Clubs und ihre sexistischen Ausdünstungen häufen sich - in der politischen Landschaft, in sozialen Medien und bei den betroffenen Frauen selbst. "Ich brauche keine Entschuldigung des Abgeordneten Yoho. Es ist klar, dass er sich nicht entschuldigen will. Er hatte die Gelegenheit dazu und darauf verzichtet", so Ocasio-Cortez in ihrer Rede im Repräsentantenhaus. "Und ich werde nicht bis spät nachts auf die Entschuldigung eines Mannes warten, der keine Reue dabei empfindet, wenn er Frauen beschimpft."

Zum Schluss bedankt sich Ocasio-Cortez bei Ted Yoho. Dafür, dass er der Welt gezeigt habe: "Du kannst ein mächtiger Mann sein und Frauen belästigen. Du kannst verheiratet sein und Frauen belästigen. Du kannst für Fotos posieren und so tun, als wärst du ein Familienmensch und gleichzeitig ohne Reue Frauen belästigen." Sexismus ist allgegenwärtig, Sexismus ist Alltag. Das ist kein Geheimnis, muss aber immer wieder aufgezeigt und kritisiert werden. Bis wir zu dem Schluss kommen, dass Sexist*innen, Rassist*innen und all jene Menschen, die nichts Schlimmes an pauschaler Diskriminierung finden, in der Politik schlicht nichts verloren haben.

 

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