Schicksalsbewältigung durch Humor

Lachen und Weinen sind zu 95% derselbe Vorgang im Körper. Die Expertin erzählt, wie Humor aus tiefen Krisen - wie dem Tod eines geliebten Menschen - helfen kann.

Humor ist eine Art Tausendsassa. Lachen stärkt etwa das Immunsystem, entspannt die Muskeln, senkt den Blutdruck... Und deshalb wird Humor für Medizin und Therapien immer wichtiger. Was es heißt, sich mit Lachen aus einer Krise zu ziehen, darüber haben wir mit Barbara Pachl-Eberhart gesprochen. Sie hatte bei einem Autounfall Mann, Tochter und Sohn verloren.

Frau Pachl-Eberhart, wie wichtig war der Humor in Ihrer Trauer?

Es war mein Ausdrucksmittel. Humor ist einer von vielen Kanälen, ich war froh, dass ich ihn in meiner Ausbildung als Clowndoctor gelernt hatte. Ich hatte geübt, den Blick auf Details zu richten, die man normalerweise übersieht - das ist das Handwerk des Clowns. Der schaut nicht auf die Glatze des krebskranken Kindes, sondern auf das Muster der Socken, der sucht sich die positiven Details und das habe ich einfach konsequent weitergemacht. Wenn man Kleinigkeiten in Relation zu dem großen Wahnsinn setzt, dann entsteht nämlich Humor im Keim und man erreicht eine Distanz, die in solchen Situationen hilfreich ist.

Woran können Sie sich da konkret erinnern?

Es war ein Wahnsinn, meine Familie war gestorben und in meiner Küche ist Brot verschimmelt zum Beispiel. Ich konnte mein Brot nicht essen. Und das war tragisch und hatte gleichzeitig was Komisches, denn über die kleinen Dinge zu verzweifeln, das ist lächerlich – und darüber musste ich dann lachen. Oder das Begräbnis: Mein Mann war auch Clown gewesen und sein letztes Program hatte „Waldemars Kiste“ geheißen, also ließ ich an seinem Sarg ein Schild anbringen mit „Waldemars Kiste“. Nur, so lustig wie ich fand das sonst niemand …

Wie waren denn allgemein die Reaktionen auf Ihre Art der Trauer?

Da gab´s viele Vorurteile. Es hieß, die trauert ja nicht ordentlich, die hat nicht ordentlich geliebt. Aber das war ein riesengroßer Irrtum! Ich denk, die Art wie man trauert, hängt zusammen mit der Art, wie man geliebt hat – wenn man lustig geliebt hat, trauert man auch lustig. Und Menschen, die in Krisen lachen, sind überhaupt nicht verrückt! Das muss wirklich mal gesagt werden!

Barbara Pachl-Eberhart, 41, lebt in Wien, ist Ehrenbotschafterin der Rote Nasen-Clowndoctors und wieder glücklich verheiratet. Sie ist Autorin der Bücher „vier minus drei“ (Heyne, € 10,90) und „Warum gerade du?“ (Integral, € 18,50).


Lachen und weinen können ja auch eng beieinander liegen, oder?

Absolut, das ist zu 95% derselbe Vorgang im Körper. Das Zwerchfell beginnt zu hüpfen, beginnt sich zu entladen, die Stimme kommt dazu, die Tränen kommen, Hormone werden ausgeschüttet und danach ist der Körper entspannt, er wird müde. Das hat was sehr Reinigendes, ich nenn das auch manchmal sozialen Orgasmus.

Sie haben gesagt, Sie hatten den Humor richtig gelernt – wie lernt man ihn aus Ihrer Sicht am besten?

Also die Kernübung beim Clown ist: Mach´s anders. Mach´s einfach anders als sonst, und zwar liebevoll. An Kindern kann man das auch gut üben. Es reicht schon, in der Garderobe mal die Jacken andersherum aufzuhängen, und immer liebevoll. Der erste, der das sieht wird bestimmt lachen oder zumindest schmunzeln.

Bräuchten wir aus Ihrer Sicht wieder mehr Mut, solche Dinge einfach mal zu tun?

Die schöne Rechnung dran ist: Die Höhe der Hürde, die wir dabei verspüren entspricht dem Lustgefühl, das war haben wenn wir es gemacht haben. Es zahlt sich also aus, hilft aus Krisen und ist wirklich gut für uns.

 

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