Saudi-Arabien: Verteidigungsministerin stellt sich gegen Verhüllungspflicht

"Es ärgert mich, wenn mitreisende Frauen in die Abaya gedrängt werden sollen." Selten äußerten sich westliche PolitikerInnen so klar gegen die Kleidervorschriften in Saudi-Arabien.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen setzte bei ihrem Staatsbesuch Anfang Dezember in Saudi-Arabien ein klares Zeichen für Frauenrechte.

Sie widersetzte sich der Pflicht eine Abaya (= bodenlange, schwarze Bekleidung) zu tragen und erschien in einem klassischen Hosenanzug zu den Gesprächen mit der saudischen Königsfamilie.

Auf die Frage, warum sie sich der Pflicht widersetzte, sagte sie: "Aus Respekt vor der Kultur bemühe ich mich, solche Regeln einzuhalten. Bei der Kleidung gibt es für mich aber Grenzen, wie ich mich dem Land anpasse. Ich setze mir kein Kopftuch auf und ich trage Hosen."

"Keine Frau soll in Abaya gedrängt werden!"

Von der Leyen sprach damit ein heikles Thema an. Denn während man für westliche Spitzenpolitikerinnen bereit ist, eine Ausnahme zu machen, gilt das für deren Mitarbeiterinnen nur selten.

Für den weibliche Part ihrer Delegation galt diese Ausnahme nicht, wie Bild.de berichtet. Die deutsche Botschaft in Riad stellte daher den Mitarbeiterinnen vorab Abayas zur Verfügung - gegen den Willen der Ministerin, die klar sagte:

"Keine Frau in meiner Delegation muss die Abaya tragen. Seine Kleidung selbst wählen zu können, ist ein Recht, das Männern wie Frauen gleichermaßen zusteht. Es ärgert mich, wenn mitreisende Frauen in die Abaya gedrängt werden sollen."

Damit äußerte sich die deutsche Politikerin ungewohnt scharf zu den Vorschriften und bezog klare Haltung.

Das Problem aber bleibt: Denn während die deutsche Delegation nach einigen Tagen wieder (ohne Abaya) abreisen durfte, ändert sich für die Frauen in Saudi-Arabien nur wenig. Sie müssen weiterhin unter den strengen Kleidervorschriften leiden, die kaum Freiheiten im öffentlichen Raum zulassen. Verstöße gegen die Vorschriften werden zudem mit strengen Strafen geahndet.

Saudische Medien ärgern sich über "Respektlosigkeit"

Saudische Medien freuten sich weniger über Von der Leyens klare Haltung. Sie würde gegen die Regeln der Bescheidenheit verstoßen. Ihre Einstellung gegenüber den Kleidervorschriften wäre "heuchlerisch" schrieben einige Medien, in den sozialen Medien musste sich die Ministerin ebenfalls Beschimpfungen von Saudi-arabischen Männern gefallen lassen.

Von der Leyen ist nicht die erste Frau, die sich gegen die Verhüllungspflicht wehrt. Erst im letzten Jahr machte es die ehemalige amerikanische First Lady Michelle Obama vor und setzte damit ein klares Zeichen gegen die Bevormundung.

 

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