Sängerin wird im Fernsehen wiederholt belästigt - und alle lachen darüber

Obwohl Emma Marrone mehrmals "Nein" sagt, wird sie vom Tänzer weiterhin sexuell belästigt. Das Ganze sollte ein "Scherz" sein.

Eine italienische TV-Show sorgt derzeit für Aufsehen. Der Grund: ein männliche Tänzer begrapschte eine Sängerin als Teil eines "Scherzes". Diese wehrt sich, wurde aber weiter von ihm belästigt.

Im Videoausschnitt sieht man, wie die ehemalige Eurovisions-Teilnehmerin Emma Marrone wiederholt gegenüber dem Tänzer betont, nicht von ihm berührt werden zu wollen. Doch dieser scheint sie nicht ernst zu nehmen - und begrapscht sie mehrmals während der Castingshow-Aufnahme.

Nachdem der Clip öffentlich wurde, wurde eine Kampagne gestartet, die neue Richtlinien gegen sexuelle Gewalt im Fernsehen fordert. Sie wurde bereits von über 10,000 Menschen unterschrieben, wie der "Independent" berichtet.

TV-Produzenten stehen hinter dem "Scherz"

"In einem Land wie Italien, wo es ein hohes Level an Frauenmorden und Gewalt gegen Frauen gibt, tragen die Massenmedien ihren Teil zu dieser gefährlichen Kultur bei", sagte die Frauenrechtsaktivistin Cristiana De Lia dem Magazin "The Local".

Die TV-Produzenten stehen hinter ihrem "Scherz", auch wenn Marrone sich offensichtlich unwohl gefühlt hat und versucht hat, sich zu wehren. "Nein, ein bisschen weniger", sagte die 32-Jährige dem Tänzer, als dieser übergriffig wurde. Später sagte sie einem technischen Assistenten: "Ich will ja nicht prüde sein, aber wenn er mich so berührt, kann ich nicht singen. Das ist kein Tanzen!"

Erst als sie den Tänzer weggestoßen hat und ihn schreiend vom Set verjagt hat, haben die Produzenten gesagt, sein Verhalten sei Teil eines "Scherzes".

"Sexuelle Gewalt ist nichts zum Lachen"

Das Studiopublikum und die Jury amüsierten sich währenddessen. Auch Emma Marrone lächelte anfangs, doch später sagte sie in einem TV-Interview, dass sie sehr "starke Emotionen" hatte in diesem Moment.

Viele Zeitungen machten sich anschließend lustig über ihre Reaktion und behaupteten, sie würde "übertreiben". Die Frauenrechtsorganisation Non Una Di Meno twitterte daraufhin: "Sexuelle Gewalt ist nie etwas zum Lachen!"

In Italien ist Gewalt gegen Frauen ein großes Problem

Die Online-Kampagne fordert jetzt einen Rücktritt der verantwortlichen TV-Produzenten. "Nicht nur dass dieser ,Scherz' die Sängerin direkt betrifft - er betrifft auch alle Opfer von Gewalt und Missbrauch, und lässt sie in dem Glauben, dass das normal ist. So normal, dass wir darüber lachen sollten", so die Aktivistin Lia gegenüber "The Local".

Fast jede vierte Frau in Italien hat bereits sexuelle Gewalt erlebt. Jedes Jahr werden in Italien etwa 100 Frauen von Partnern, Ex-Partnern oder Liebhabern getötet. Fälle von Gewalt gegen Frauen in Beziehungen sorgen immer wieder für Aufsehen und weltweites Entsetzen. Vergangenen Sommer war es landesweit zu Protesten gekommen, nachdem ein Mann seine 22 Jahre alte Ex-Freundin bei lebendigem Leibe verbrannt hatte.

 

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