Sandra Selbach nimmt mit einer Magenverkleinerung 80 Kilo ab

Sandra Selbach kompensierte Frust mit Essen und kratzte die Kurve mit einer Magenverkleinerung. Mittlerweile arbeitet sie als Plus Size Model.

Sind Sie heute glücklich?

Sandra Selbach: Ja, das bin ich.

Wie leben Sie heute?

Ich lebe bewusster, liebe das Leben mehr, es ist lebenwerter geworden. Ich habe nicht mehr so schwer zu tragen und zwar sowohl seelisch als auch körperlich.

Inwiefern seelisch?

Na ja, ich habe schon darunter gelitten, dass ich mich nicht wohl gefühlt habe. Der Gesundheitszustand war schlecht, alles ist mir schwer gefallen. Ich habe mich hässlich und von der Gesellschaft nicht angenommen gefühlt. Jetzt bekomme ich positive Rückmeldungen.

Sie schreiben, dass sie lange davon ausgegangen sind, dass jene Menschen, die sie auf der Straße angeschaut haben, sie hübsch finden würden?

Ich wusste, ich war übergewichtig. Aber ich dachte, sie würden eine lustige, dicke Frau mit einem hübschen Gesicht sehen, denn mein Gesicht war immer in Ordnung. Aber diese haben nur meinen fetten Körper gesehen.

Wenn Sie Ihr Essverhalten früher mit heute vergleichen, wie unterscheidet sich dieses?

Früher habe ich viele Milchreisprodukte, Joghurt, Eis, Fastfood gegessen – also alles, was die Seele glücklich macht. Das essen zwar alle Menschen, aber eben nur manchmal und in kleinen Mengen und bei mir gab das andauernd. Heute esse ich viel Gemüse, kein Fastfood und achte auch auf den Zuckergehalt.

Kochen Sie selbst?

Ja, ich habe früher auch selbst gekocht, aber zusätzlich war ich noch beim McDonald, in der Eisdiele, in der Pizzeria … Heute koche ich vorwiegend selbst und genieße das Essen mehr. Den Rest (Fastfood, Eis ...) gibt es nur noch selten.

Sie schreiben, dass Essen für Sie Futter für die Seele war. Wann wurde es dazu?

Das war schon früh in der Kindheit so. Ich war alleine zuhause mit meiner alkoholkranken Oma, meine Mutter musste arbeiten. Und ich habe mich mit Süßigkeiten belohnt – das war schon in der Grundschule so.

Sandra Selbach mit ihrer Mutter bei den Erstkommunionsvorbereitungen.

Sandra Selbach

Sie schreiben auch in Ihrem Buch, dass Sie nicht dünn sein wollen, sondern eine gute Mitte?

Na ja, in der Jugend wollte ich schon dünn sein. Ich wollte einfach so sein wie die anderen. Ich war aber immer schon frühreifer, weiblicher. Auch modisch war ich dann immer anders. Später wollte ich nicht mehr dünn sein, da wollte ich einfach eine normale Figur. Mittlerweile bin ich mit mir so wie ich bin zufrieden. Das was ich in der Jugend als pummelig angesehen habe, damit habe ich mich jetzt arrangiert.

Wie steht ihr langjähriger Lebenspartner Frank zu ihrem Körper?

Er mag mich so wie ich jetzt bin und er mochte mich auch als ich dick war. Er wollte aus gesundheitlichen Gründen, dass ich abnehme, weil es mir einfach nicht gut ging. Aber er hat mich immer akzeptiert.

Wann war Ihnen selbst klar, dass Sie abnehmen müssen? War das erst als Sie Ihr Höchstgewicht von 160 Kilo erreicht haben?

Nein, schon früher. Aber ich hatte alles probiert: Diäten, zwei Klinikaufenthalte, Bewegung. Nichts hat richtig gefruchtet. Mit Sport hat es nicht geklappt, weil ich so schwer war. Ich wurde immer dicker und dicker und vor allem wurde ich gar nicht mehr satt.

Sie sagen, Sie hatten schon gesundheitliche Probleme?

Bluthochdruck, Herzrasen, die Gelenke taten mir weh ... Ich wusste, so kann es nicht weitergehen, so steuerst du auf den Tod zu. Und dann habe ich begonnen im Internet zu recherchieren und bin auf ein Forum gestoßen und das war meine Rettung.

Sandra Selbach früher und heute.

Sandra Selbach

Welche drei Dinge haben Ihnen beim Abnehmen am meisten geholfen?

Die Magenverkleinerung hat bewirkt, dass ich endlich satt geworden bin. Hinzu kommt, dass ich durch die schnellen Erfolge motiviert war weiterzumachen. Und letztendlich habe ich endlich eine Sicht auf eine Zukunft bekommen. Ich habe das Gefühl bekommen, so kann es jetzt weitergehen.

Würden Sie nachträglich heute etwas in Ihrem Leben anders machen, so dass Sie gar nicht übergewichtig werden?

Das wäre gar nicht gegangen, dazu wäre ein intaktes Elternhaus notwendig gewesen und das war nicht vorhanden. Ich war alleine und hätte unbedingt eine Stütze gebraucht. Das Dickwerden war somit vorprogrammiert.

Welchen Ratschlag haben Sie an Menschen mit Fettsucht?

Wenn ein Mensch keinen Ausweg mehr sieht, dann soll er sich an ein Forum wenden. In Foren gibt es Menschen mit den gleichen Problemen. Betroffene, mit denen man sich austauschen kann. Diese machen einander Mut und verraten Tipps, wie sie es geschafft haben. Die Lösung muss jetzt keine Adipositas-OP sein, sondern man kann sich dort über viele Lösungen informieren.

Gehen Sie heute noch in das Forum?

Ich brauche es eigentlich nicht mehr, aber ab und zu gehe ich dennoch hinein. Meist dann, wenn ich mich schlecht fühle.

Kommt es heute noch vor, dass Sie zu viel essen?

Natürlich kommt es vor, manchmal sind es auch einfach die falschen Dinge. Ich versuche solche Ausrutscher dann aber mit Bewegung zu kompensieren.

Welchen Sport machen Sie?

Ich gehe viel spazieren bzw. walken. Joggen geht leider nicht, weil meine Gelenke schon in Mitleidenschaft gezogen sind. Ich fahre aber auch viel am Fahrrad oder gehe schwimmen. Und zwar mindestens dreimal pro Woche eine Stunde, wenn möglich sogar jeden Tag. Und wenn ich mich einmal schlecht fühle, dann ziehe ich auch die Jacke aus und gehe raus. Im Verlauf des Spaziergangs wird es dann ohnehin besser. Bewegung und ein bisschen auf die Ernährung zu achten ist ohnehin das A und O, wenn man auf seine Figur achtet.

Sie haben im Verlauf Ihres Genesungsprozesses auch mehrere Straffungs-OPs durchführen lassen. Immerhin haben Sie 80 Kilo verloren. Sind Sie jetzt mit dem Ergebnis zufrieden?

Die Beine sind noch so wie vorher, da könnte man noch etwas machen, aber ich bin 41 und ich weiß nicht, ob das Ergebnis dafür steht in dem Alter noch eine so große OP durchzuführen. Röcke sind für mich tabu – zumindest nicht ohne dazu eine blickdicke Strumpfhose zu kombinieren.

Wie ist Ihr Buch in der Öffentlichkeit angekommen?

Die Männer haben es positiv gesehen, aber bei den Frauen bin ich auf Kritik gestoßen. Sie meinen, ich bin selbstverliebt und rate zu einer Magen-OP, aber das ist gar nicht der Fall. Ich überrede niemanden zu einer Magen-OP. Für mich war die Operation die letzte Möglichkeit, nachdem sonst nichts funktioniert hat. Mein Problem war, dass ich einfach nicht mehr satt geworden bin und das war eine Quälerei. Mein Arzt hat mir dann auch bestätigst, dass mein Magen völlig überdehnt ist. Lange Rede kurzer Sinn: Das kann nur der letzte Schritt sein, so wie bei mir auch. Ich habe vorher auch alles andere ausprobiert.

Sandra Selbach
 

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