Sam Smith: „Ich bin kein Mann. Ich bin keine Frau. Ich bin einfach ich.“

In der ersten Folge von Jameela Jamils Interviewreihe „I weigh“ spricht der Sänger über Fat-Shaming und darüber, dass er sich weder als Frau noch als Mann sieht.

Sam Smith

„Mit 10 Jahren hatte ich mich geoutet – ich war der einzig schwule Junge in meinem kleinen Dorf“, erzählt Sam Smith im Interview (hier nachzusehen!) mit Schauspielerin Jameela Jamil. Woher der 10-jährige Sam damals die Kraft zum Outing hatte, könne sich der Sänger bis heute nicht erklären. Er sei einfach immer schon ganz offen mit seiner Sexualität umgegangen und diese Einstellung möchte er nun auch hinsichtlich seiner Geschlechteridentität leben. Bereits vor zwei Jahren hatte Sam Smith in einem Interview mit The Times erklärt, dass er sich zu gleichen Teilen als Frau wie als Mann fühlen würde. Das habe er auch auf Instagram stets nach außen getragen: Auf der Fotobloggingplattform präsentiert sich der Sänger immer wieder bei weiblich konnotierten Aktivitäten wie dem Auftragen von Make-up oder dem Tanzen in High Heels:

„Vielleicht bin ich kein Mann. Vielleicht bin ich keine Frau. Vielleicht bin ich einfach ich. Und vielleicht ist das okay“, erzählt Sam nun in der ersten Folge der Interviewreihe „I weigh“ von Jameela Jamil. Man verliebe sich schließlich in Menschen und nicht in deren Geschlechtsteile, fügt er hinzu. Das sei ihm erstmals richtig bewusst geworden, als er von genderqueeren und nicht-binären Menschen hörte und über sie gelesen hat. „Ich dachte: ‚Ach du Scheiße, das bin ja ich!‘“, erinnert er sich und stellt klar: „Man ist eine Mischung aus vielen unterschiedlichen Dingen. Ich bin weder männlich noch weiblich, sondern irgendwo dazwischen. Das alles ist in einem breiten Spektrum angesiedelt.“

Vielleicht bin ich kein Mann. Vielleicht bin ich keine Frau. Vielleicht bin ich einfach ich. Und vielleicht ist das okay

von Sam Smith

„Seit ich denken kann, habe ich ein schwieriges Verhältnis zu meinem Körper“

Dass er heute offen über seine Identität spricht, sei das Ergebnis einer langen und oftmals schmerzhaften Reise: „Ich hatte mein ganzes Leben lang ein schwieriges Verhältnis zu meinem Körper – schon seit ich denken kann“, erzählt er. Schon im Kindeshalter habe er seine Mutter gebeten, ihm Entschuldigungen zu schreiben, um nicht zum Schwimmunterricht gehen zu müssen. Ab seinem 11. Lebensjahr wurde Sam von seinen Mitschülern gemobbt. Mit 12 Jahren ließ er sich Fett absaugen, nachdem ein Arzt festgestellt hatte, dass sich überdurchschnittlich große Mengen an Östrogen in seinem Körper befunden haben. Das habe dazu geführt, dass das Gewebe im Brustbereich bei ihm größer gewachsen sei. Bis heute habe er nichtsdestotrotz einen sehr „weiblichen Körper“ wie er selbst sagt. „Wenn ich mich bewege, wenn ich Sex mit Männern habe, dann ist das sehr feminin“, so Smith.

„Ich wusste: Ich muss mich mit meinem Verhältnis zum Körper auseinandersetzen und will nicht länger ein Opfer sein!“

Mobbing und Body-Shaming bekam auch Sam nach der Schulzeit und nach seinem Durchbruch als Sänger zu spüren: Nachdem er 2015 beim Baden in Sydney von einem Paparazzi fotografiert wurde und das Foto, in dem Smith beim Sprung ins Meer zu sehen ist, um die Welt ging, wurde Smith im großen Rahmen mit Fat-Shaming konfrontiert. Das habe seine „Hemmungen, im Sommer am Pool das T-Shirt auszuziehen“ zusätzlich verstärkt – und genau gegen diese Hemmung hat er beschlossen, anzukämpfen: „Ich erinnere mich noch ganz genau. Ich war fertig mit meiner Tour, habe über Weihnachten viel gegessen und war dann auf Urlaub. Als ich dann gemerkt habe, wie unangenehm es mir ist, mich oben ohne zu zeigen, hatte ich zum ersten Mal das tiefe Bedürfnis, mich meinem schwierigen Verhältnis zum Körper anzunehmen. Ich will nicht länger ein Opfer meines schlechten Selbstbildes sein.“ Mitte Februar postete der Sänger ein Oben-ohne-Bild auf Instagram. Es habe viel Mut gekostet, aber damit wollte er offiziell mit dem Magerwahn abschließen und seinen Körper so präsentieren und vor allem annehmen wie er ist:

In the past if I have ever done a photo shoot with so much as a t-shirt on, I have starved myself for weeks in advance and then picked and prodded at every picture and then normally taken the picture down. Yesterday I decided to fight the fuck back. Reclaim my body and stop trying to change this chest and these hips and these curves that my mum and dad made and love so unconditionally. Some may take this as narcissistic and showing off but if you knew how much courage it took to do this and the body trauma I have experienced as a kid you wouldn’t think those things. Thank you for helping me celebrate my body AS IT IS @ryanpfluger I have never felt safer than I did with you. I’ll always be at war with this bloody mirror but this shoot and this day was a step in the right fucking direction 👅🤘🏼🍑

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Sein Weg zu mehr Selbstakzeptanz sei aber noch nicht abgeschlossen: Ich bin seit einem Jahr in Therapie und das ist wahrscheinlich mit ein Grund, warum ich hier heute spreche. Männer sprechen nicht so viel über Body Positivity wie Frauen, erklärt Sam. Es sei nicht männlich, darüber zu sprechen, wie man sich im eigenen Körper fühlt, aber genau dagegen will ich jetzt auch ankämpfen!

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