Salzburger Frauenhäuser in Gefahr: NEOS-Landesrätin in der Kritik

Landesrätin Klambauer (NEOS) will mittels europaweiter Ausschreibung nach Betreiber*innen der Frauenhäuser suchen. Das Problem: Die Bewerber*innen müssen künftig keine Erfahrung im Führen von Frauenhäusern mitbringen.

Frau mit Kind

Als "absurdes und absolut nicht nachvollziehbares Vorhaben“ bezeichnet die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski die EU-weite Ausschreibung der Frauenhäuser durch die zuständige Salzburger NEOS-Landesrätin Andrea Klambauer. Auch SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek übt Kritik: "Damit stößt sie jene vor den Kopf, die seit vielen Jahren für den Schutz von Frauen tätig sind und viel Expertise haben“, erklärt sie und warnt vor einem "neoliberalen Privatisierungswahn“.

Ausschreibung traf Mitarbeiterinnen unerwartet

Am Montag teilte Landesrätin Klambauer mit, in den kommenden zwei bis drei Wochen die Leistungsvertäge der Frauenhäuser in Hallein und Salzburg für 2021 neu auszuschreiben. Für die Mitarbeiterinnen der Häuser ein Schock. Leiterinnen fürchten, dass die Struktur der Frauenhäuser auf diese Weise leiden könnte. "Im Endeffekt ist das gleichbedeutend mit der Schließung der Häuser in Zeiten von steigenden Frauenmorden", sagt Doris Weißenberger gegenüber dem Standard, die seit 19 Jahren das Haus Mirijam in Hallein leitet. Motivierte, langjährige Mitarbeiterinnen würden sich nun neue Stellen suchen.

Arbeit werde nicht wertgeschätzt

Grünen-Frauensprecherin Disoki sieht ein "über Jahrzehnte gewachsenes, bestens etabliertes und dringend notwendiges Angebot im Gewaltschutz“ bedroht: "Von der für Frauen zuständigen Landesrätin erwarte ich mir, dass sie den Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser und ihrer Arbeit mit Wertschätzung und Respekt entgegentritt. Von der für Frauen zuständigen Landesrätin erwarte ich mir, dass sie für den Erhalt etablierter Einrichtungen im Gewaltschutz kämpft. Und damit von Gewalt betroffenen Frauen in einer vulnerablen Lebenssituation ein Stück an Sicherheit garantiert“, so Disoski in einer Presseaussendung.

Sicherheit von Frauen und Kindern bedroht

Der Verein AÖF (Autonome Österreichische Frauenhäuser) fordert den sofortigen Rückzug der Ausschreibung. Frauenhäuser seien "lebensrettende Einrichtungen – besonders dann, wenn wie aktuell fast wöchentlich eine Frau durch ihren (Ex-)Partner ermordet wird“, ist auf der Website des AÖF zu lesen. Die Ausschreibung seitens Landesrätin Klambauer stelle den Fortbestand der Häuser in Frage – und damit auch die Sicherheit von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern.

 

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