Safe Abortion Day: Warum die Entkriminalisierung von Abtreibungen so wichtig ist

Durch die Nominierung der konservativen Amy Coney-Barrett für den Supreme Court, droht das Abtreibungsgesetz in den USA zu kippen. Das dürfte schwerwiegende Folgen haben: Wie Studien zeigen, führen Abtreibungsverbote zu erheblichen Risiken für Schwangere.

Protestschild "Fuck your abortion ban"

Heute ist internationaler #SafeAbortionDay. Nach wie vor sind jedes Jahr Millionen Schwangere gezwungen, auf gefährliche Maßnahmen zurückzugreifen, weil das Gesetz in ihrem Land Abtreibungen bestraft. Laut Schätzungen der WHOsterben jährlich zwischen 20.000 und 50.000 Menschen an den Folgen unprofessionell durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche. Mit dem Safe Abortion Day, der seit 1990 begangen wird, soll auf diese Missstände hingewiesen und deutlich gemacht werden, wie wichtig die flächendeckende Verfügbarkeit von legalen, sicheren Abtreibungen ist.

Rückschritt für die USA

Die Abtreibungsdebatte, welche in diesem Wahlkampf bislang keine große Rolle gespielt hatte, ist aktuell wieder in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt: Amy Coney Barrett, von Anhänger*innen bereits ACB genannt (eine Anspielung auf RBG – die Abkürzung der jüngst verstorbenen Höchstrichterin Ruth Bader Ginsburg) wurde nun offiziell von US-Präsident Donald Trump für den Supreme Court nominiert. Der Senat dürfte sie dank republikanischer Mehrheit bestätigen. Ihr Antritt ist also so gut wie fix. Barretts Nominierung sorgt sowohl in den USA als auch international für Aufruhr, da die 48-Jährige als entschiedene Abtreibungsgegnerin bekannt ist. Viele sind davon überzeugt, dass sie das Grundsatzurteil, mit dem das Oberste Gericht Schwangerschaftsabbrüche landesweit legalisiert hatte, kippen wird, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt. Somit wären Schwangerschaftsabbrüche nach 47 Jahren wieder im gesamten Land illegal.

Welche Folgen hat die Kriminalisierung von Abtreibungen?

Fast die Hälfte der weltweit durchgeführten Abtreibungen ist riskant, zeigt eine Studie der WHOaus dem Jahr 2017. Vor allem im Globalen Süden sowie in Asien ist die Gefahr für Schwangere groß, da Abtreibungen dort großteils verboten oder nur zugelassen sind, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Neben den strafrechtlichen Konsequenzen sind Betroffene gezwungen, operative Methoden in Kauf zu nehmen, die oft ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Oft finden die Abtreibungen im Verborgenen statt und werden von Laien durchgeführt. Tatsächlich sind unsichere Abbrüche die dritthäufigste Todesursache bei Müttern und führen zu Millionen weitgehend vermeidbaren Behinderungen, weshalb die WHO eine weltweite Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen fordert.

Schwangerschaftsabbrüche auch hierzulande illegal

Auch in Österreich ist ein Schwangerschaftsabbruch nach wie vor als Straftat zu werten. Straffrei bleibt der Abbruch nur dann, wenn er innerhalb der ersten drei Monate nach Beratung durch eine*n Arzt*Ärztin durchgeführt wird (sog. "Fristenlösung“). Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch müssen die Schwangeren in der Regel selbst tragen – sie werden nur von der Sozialversicherung übernommen, wenn der Abbruch aus medizinischen Gründen notwendig ist (Mehr dazu hier: oesterreich.gv.at).

Abtreibungsverbote führen nicht zu weniger Abtreibungen

Prinzipiell ist ein Schwangerschaftsabbruch ein sicherer Eingriff, der mitunter auch medikamentös möglich ist (in Österreich ist die Ausgabe seit diesem Jahr auch bei niedergelassenen Gynäkolog*innen erlaubt, davor nur im Spital). Aus diesem Grund sei es verantwortungslos, Müttersterblichkeitsfälle, die auf unsichere Abbrüche zurückzuführen sind, nicht zu verhindern, findet Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin in einer Presseaussendung anlässlich des Safe Abortion Days: "Das Leben dieser Frauen wäre leicht zu retten", erklärt sie. "Wir wissen, dass restriktive Gesetze Schwangerschaftsabbrüche keinesfalls verhindern, sondern die betroffenen Frauen nur in riskantere Situationen, wie zu Hinterhofpfuschern, in die Illegalität und nur allzu oft in den Tod drängen".

 

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