"Rosa Schlipfer geht gar nicht!"

Wenn Eltern für ihr Kind einen unpassenden Namen wünschen, kommt Gabriele Rodriguez ins Spiel. Die Namensforscherin erzählt aus dem Gutachteralltag.

WIENERIN: Frau Rodriguez, was ist heute ein guter Vorname?

Gabriele Rodriguez: Der größte Teil der Eltern greift derzeit auf zeitlose Namen zurück. Und heute ist es stärker so, dass man schaut, ob der Name dem Kind Nachteile bringen kann. Wir haben jetzt oft Anfragen: "Wir wollen unseren Sohn Henry nennen. Wird mein Kind damit dann später in der Schule benachteiligt werden?"

Und was sagen Sie? Ist Henry "safe"?

Man kann natürlich schwer Prognosen stellen. Beim Namen Henry haben wir festgestellt, dass er in den letzten Jahren häufig vergeben wurde. Also ich würde ihn als Mittelschichtnamen einordnen, sodass man ihn als "wertfrei" einschätzen könnte.

Der Stern schreibt über Sie: "Das ist die Frau, die Eltern bekloppte Kindernamen ausredet". Wie schwierig ist das eigentlich?

Mittlerweile sehr schwierig. Ich habe aber Eltern schon "umgelenkt". Die Medien haben heute einen sehr großen Einfluss auf die Vornamenswahl: Wir hatten im letzten Jahr drei Anfragen zum Namen Lucifer (eine TV-Serie, Anm.). Die Standesbeamten haben gesagt, das sei ein Synonym für Teufel, das Kindeswohl sei nicht gewährleistet. Letztes Jahr ist eine Familie vor Gericht gegangen, das hat aber nicht funktioniert: Der Junge heißt jetzt Lucien.


Sind manche Eltern heute gedankenloser?

Was ich feststelle: Je jünger die Eltern, desto weniger Gedanken machen sie sich. Wir hatten mal einen Fall, ganz junge Eltern, die wollten ihre Tochter Rosa nennen, hatten aber den Familiennamen Schlipfer - also wie der Schlüpfer, die weibliche Unterhose. Da müsste dieses Mädchen wirklich immer darunter leiden. Man hat die Eltern also gefragt: "Wieso wollen Sie diese Kombination?" Und sie haben nur gesagt: "Ist doch lustig!" Also sie wurden dann auch umgestimmt (lacht).


Es gibt aber auch Eltern, die dem Kind einen dieser sehr kindlich klingenden Namen geben: Mimi, Lilly, ...

Die sind sehr beliebt. Wir hatten aber auch schon Anfragen, da sollte der Sohn als "Paulchen" eingetragen werden. Da haben wir dann gesagt: "Tragen Sie doch Paul ein, sie können ihn dann Paulchen rufen. Aber dieses Paulchen wird ja auch mal groß. Und stellen Sie sich vor, es wird Firmenchef: Herr Paulchen!?" Das würde ich natürlich auch nicht empfehlen, solche ganz typischen Koseformen -wobei die mittlerweile schon eingetragen werden.

Was würden Sie Eltern raten bei der Namensauswahl?

In meinem Buch habe ich ein paar Ratschläge gegeben. Ich sage den Eltern immer: "Stellen Sie sich vor, Sie würden so heißen. Wie würden Sie sich damit fühlen?" Es gibt Eltern, die wollen den Kindern über den Namen Träume und Wünsche, die sie vielleicht nicht realisiert haben, mitgeben. Aber können die Kinder dann damit etwas anfangen? Wir hatten mal einen Fall, da war der Vater Beatles-Fan, der hat seinem Sohn alle Vornamen der Musiker gegeben. Aber man muss hier wirklich überlegen: Wie fühlt sich das Kind später dann?

Also lieber keine ausgefallenen Namen?

Wenn man sich für einen ausgefallenen Namen entscheidet, sollte man noch einen zweiten Namen mitgeben, der normal ist. Dann kann sich das Kind später entscheiden, welchen der zwei Namen es als Rufnamen führt, damit es eine Ausweichmöglichkeit hat.

 

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