Robert Lugar: "Wir brauchen gar kein Frauenministerium"

Der "Team Stronach"-Politiker lässt mit seinen Forderungen aufhorchen. Seiner Meinung nach schadet ein Frauenministerium lediglich der Gleichberechtigung und würde Männer diskriminieren. Ein Kommentar.

Robert Lugar, Klubobmann des Team Stronach, ließ bei der letzten Parlamentssitzung mit einer sehr interessanten Forderung aufhorchen.

"Sie bestrafen Männer für etwas, das sie nicht getan haben"

In seinem Statement forderte der Politiker eine Abschaffung des Frauenministeriums (derzeit unter Leitung von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, wir haben berichtet):

"Eigentlich brauchen wir gar kein Frauenministerium.(...) Die Idee der Nicht-Diskriminierung ist ja, dass man nicht diskriminiert, also keinen Unterschied macht. Das heißt, wenn man sagt, man braucht ein eigenes Frauenministerium, dann macht man ja einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. (...) Wir wollen allen die gleiche Chance geben. Das heißt, was wir brauchen, ist eine tatsächliche Gleichberechtigung.(...) Diese permanente Diskriminierung (Anm. der Männer), hilft den Frauen nicht. Wenn sie Männer schlechter behandeln, indem sie Quoten ausgeben, (...), dann diskriminieren sie die Männer und bestrafen sie für etwas, das sie nicht getan haben. Was können die heutigen Männer, die Gleichberechtigung leben, überhaupt dafür, dass man die Frauen 1000 Jahre unterdrückt hat? Gar nichts!".

Frauenpolitik schadet Männern nicht!

Wir werden die Probleme unserer Gesellschaft - und im Speziellen die der Frauen - nicht lösen, wenn wir Männer mit derartigen Aussagen in eine Opferrolle stellen. Es gilt Rahmenbedingungen zu schaffen, um ein Bewusstsein für Ungleichberechtigung in unserer Gesellschaft zu erzeugen. Frauen sind in vielerlei Hinsicht in Österreich benachteiligt - das ist Fakt. Die Augen davor zu verschließen und die Existenz des Frauenministeriums in Frage zu stellen, wird daran nichts ändern. Die Frage sollte also nicht lauten "Was können die heutigen Männer dafür, dass man Frauen unterdrückt hat?" sondern: "Was können Männer tun, um Ungleichberechtigung zu beenden?".

Es steht letztendlich nicht zur Debatte, ob es ein Ministerium für Frauen geben soll, sondern warum dieses nicht schon längst als eigenständiges Ministerium etabliert ist.

Dass wir ein Frauenministerium brauchen, beweisen nicht zuletzt unzählige Studien und Statistiken, die die Gleichberechtigung in Österreich in ein ziemlich schlechtes Licht rücken. Weiterhin liegt Österreich in Sachen Einkommensgleicheit zwischen Männern und Frauen auf dem vorletzten Platz innerhalb der EU, Frauen - insbesondere Alleinerzieherinnen und Pensionistinnen - sind überdurchschnittlich armutsgefährdet, geflüchtete Frauen bekommen nicht ausreichend Schutz und immer noch fehlen in vielen Gemeinden Kinderbetreuungsplätze. Auch Gewaltprävention bleibt vielmals auf der Strecke und das, obwohl jede 3. Frau in Österreich mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Belästigung wurde.

"Politik für alle" geht nur, wenn alle die gleichen Chancen vorfinden

Gerade die letzten Monate haben doch gezeigt, dass in Sachen Frauenpolitik noch eine lange Liste abzuarbeiten ist. Statt sich also damit zu beschäftigen, wie sehr Männer unter der Existenz eines solchen Ministeriums "leiden" (nämlich gar nicht), sollten wir uns lieber auf die Bewältigung der bestehenden Probleme konzentrieren.

Wir dürfen die Probleme der Frauen unter dem Deckmantel "Politik für alle" nicht ignorieren. Denn "Politik für alle" geht nur, wenn wir auch alle die gleichen Chancen vorfinden. Frauenpolitik ist nichts, das Männern schadet, sondern uns allen Vorteile verschafft!

Hier geht es zum Video.

Zur Serie: Der WIENERIN-Fail-Button "zeichnet" regelmäßig besonders rückständige Ansichten in Sachen Frauen- und Familienpolitik aus.

 

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