Ring Freiheitlicher Jugend mit nackten Frauen gegen sexuelle Belästigung

Der Ring Freiheitlicher Jugend macht wieder einmal mit einem sexistischen Werbevideo von sich reden.

Mit dem Slogan "Frauen sind kein Freiwild" möchte die oberösterreichische FPÖ-Jugendorganisation Ring Freiheitlicher Jugend auf sexuelle Übergriffe aufmerksam machen. Um die Botschaft zu unterschreichen, dass es vor allem Freiheitliche sind, die ein übersexualisiertes und objektivierendes Frauenbild haben, liefern sie dazu die passenden Bilder: Frauenmünder, die lasziv ein Eis schlecken oder einen Ballon aufblasen, abgewechselt mit tanzenden Hintern und Brüsten. Gesichter haben die Frauen keine, dafür langes, blondes Haar. Frauenbilder also, wie sie dem männlichen Blick entsprechen und die genau jenes Weltbild vermitteln, das Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe fördert.

Dazu werden Überschriften von Zeitungsartikeln eingeblendet, die zeigen sollen, dass Übergriffe von vermeintlichen Ausländern keine Einzelfälle sind, sondern die Regel. Dazu die"ironische" Aufforderung an Frauen: "Werde nicht zum Einzelfall!"

Die FPÖ erregte mit ähnlichen Marketingaktionen schon öfter Aufmerksamkeit: Im Juni zeigte der Grazer FPÖ-Gemeinderat Armin Sippel anhand einer Schaufensterpuppe, wie sich die "Herrn Asylanten" gegenüber Frauen zu benehmen hätten. Letztes Jahr zeigte sich eine FPÖ-Gemeinderätin für ein Facebook-Video des RFJ Oberösterreich im Bikini und eine Kampagne des RFJ Burgenland zeigte, wie "echte Frauen" auszusehen hätten.

RFJ Burgenland

Wie WIENERIN-Redakteurin Jelena Gucanin bereits im Oktober letzten Jahres festhielt, ist das Frauenbild der FPÖ ist vor allem eines: blond, blauäugig und nackt.

Sexuelle Übergriffe sind kein "Ausländer"-Problem

Sexuelle Übergriffe gegen Frauen sind tatsächlich kein Einzelfall, und es ist wichtig, etwas dagegen zu tun und die Kultur zu verändern, die so etwas zulässt. Dabei sind Selbstverteidigungskurse sicher eine gute Möglichkeit, es gehört aber auch dazu, Frauen als aktive und starke Persönlichkeiten zu inszenieren, und nicht als Schaufensterpuppe oder passives Stück Schaufleisch. Was auch dazu gehört: Anzuerkennen, dass Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe integraler Bestandteil unserer Kultur sind und nicht Frauenrechte zu instrumentalisieren, um Fremde als Täter zu inszenieren. Wie der Tätigkeitsbericht der Strafjustiz 2015 zeigte, waren 80 Prozent aller Täter bei Verurteilungen wegen Vergehen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung im letzten Jahr Österreicher. Selbst wenn der Anteil der verurteilten Nicht-Österreicher höher ist jener in der Gesamtbevölkerung, bleibt immer noch festzuhalten, dass viele Delikte, gerade wenn sie in der eigenen Partnerschaft passieren, gar nicht erst angezeigt werden, und die Anzahl der Verurteilungen insgesamt rückläufig ist. "Die Presse" wertete Zahlen des Bundeskriminalamts zu den Tatbeständen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung aus: 77,8 Prozent dieser Taten finden innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises statt. Frauen zu ermächtigen bedeutet nicht, sie vor Fremden oder "den Ausländern" zu schützen, sondern ihnen Mut zu machen, sich von Männern, die ihnen wehtun, zu distanzieren. Und jeder Mann, der Vergewaltigungskultur beenden will, fängt am besten bei sich selbst an. Beim nächsten Zeltfest zum Beispiel.

 

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