Richtig beschweren

Unzufrieden mit dem Friseur? Dann bringen Sie bitte Ihre Kritik an. Ist nicht einfach, aber wichtig. Erstens, weil Sie sich danach besser fühlen. Zweitens, weil seriösen Studios Feedback wichtig ist. Und drittens, weil Sie sich und andere künftig vor schlechten Erfahrungen bewahren können.

Wir haben Experten gefragt, wann sich Beschweren lohnt und wie man es am besten macht.

Pudelalarm: die missglückte Frisur
Sie wollten Engelslocken, doch stattdessen sehen Sie aus wie Nachbars Pudel? Da hilft nur Schadensbegrenzung! Sagen Sie dem Geschäftsführer, dass Sie sich das Ergebnis anders vorgestellt haben und bitten Sie ihn um Lösungsvorschläge. In einem seriösen Salon wird man Ihnen anbieten, gratis „nachzubessern" - sei es beim Schnitt, der Farbe oder dem Styling. Und zwar auch dann, wenn Sie erst zu Hause oder nach dem nächsten Haarewaschen daraufkommen, dass Ihre Frisur nicht sitzt. Gute Friseure geben sogar eine 14-Tage-Garantie. Und wenn eine Nachbesserung nicht möglich ist, weil z. B. die Haare zu kurz geschnitten wurden? Dann kommt eine Preisminderung infrage. Ist der Geschäftsführer uneinsichtig, sollten Sie mit Kreditkarte zahlen und den Vermerk „mit Vorbehalt der Rechtmäßigkeit" vor Ihre Unterschrift setzen. Im Anschluss schicken Sie einen Brief oder ein Fax an das Unternehmen (E-Mails sindnicht rechtswirksam!), in dem Sie erklären, warum Sie die Bezahlung nicht gerechtfertigt finden. Sollte der Salon nicht nachgeben, gilt es abzuwägen, ob sich rechtliche Schritte wirklich lohnen. Besser: Nie wieder hingehen. Und auch Freunden und Bekannten vom Besuch abraten.

Körperverletzung de luxe:krankmachende Treatments
Die missglückte Frisur ist eine Sache. Aber wenn bei Dauerwelle, Farbe oder Kunstnägeln was daneben geht, leidet oft nicht nur die Optik, sondern auch die Gesundheit. Stichwort: Allergien. „Dann muss geprüft werden, ob Produkthaftungsansprüche vorliegen", erklärt Renate Wagner vom Verein für Konsumenteninformation. Unabhängig davon, sollten Sie Beweise sammeln. Also: Rechnung aufheben. Die zeigt, wo, wann und von wem Sie behandelt wurden. Haarausfalloder Hautirritationen kann der Arzt bestätigen. Und dann am besten die Konsumentenberatung aufsuchen (www.konsument.at). Die hilft, Schaddenersatzforderungen - möglichst außergerichtlich - durchzusetzen.


Ruhestörung: Stress statt Entspannung
Egal, ob Sie selbst bequatscht werden oder die Friseurin ständig mit der Kollegin plaudert - zu viel Mitteilungsbedürfnis kann nerven. Dazu kommt das ungute Gefühl, dass sich die Dame nicht auf ihre Arbeit konzentriert. Was also tun? Ansprechen! Sie können ihr ruhig sagen: „Wären Sie so nett, sich wieder auf mich zu
konzentrieren? Wir wollen doch beide, dass das Ergebnis perfekt wird!" Und wenn man selbst zwangsunterhalten
wird? Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Augen schließen und Müdigkeit signalisieren oder um Zeitschriften bitten!

In falschen Händen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Sie haben eine Friseurin gefunden, mit der Sie besonders zufrieden sind? Dann sollten Sie bei der Terminvereinbarung sagen, dass Sie nur zu dieser Mitarbeiterin möchten und darum bitten, dass man Sie verständigt, falls sie verhindert sein sollte. Vorarbeiten wie Haarewaschen übernimmt meist trotzdem ein Lehrling.
Wenn Sie das nicht möchten, sollten Sie bei der Terminvereinbarung fragen, ob es möglich wäre, dass Frau
XY Ihre ganze Behandlung, inklusive Haarwäsche, übernimmt. Am besten mit der Begründung: „Wissen Sie, ihre Kopfmassage ist so herrlich entspannend!" Es kann nur sein, dass Sie für das Extraservice einen kleinen Aufschlag zahlen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2!

Sich zu beschweren muss nicht immer von Ihrem Gegenüber negativ aufgefasst werden, wenn Sie diesem mit ruhiger Stimme verständlich erklären, warum Sie ihn kritisieren.

Sie geben ein Feedback, weil Sie mit etwas nicht zufrieden sind bzw. Verbesserungswürdigkeit bei einer Sache sehen, die derjenige noch nicht realisiert hat. Sie helfen dem anderen - und nicht nur Ihnen selbst! Deshalb: Ehrlichkeit währt am längsten, solange Sie niemanden mit bösen Worten oder mit gereizter Stimme anfahren.


Personalmangel: Friseurin auf der Flucht

Erst das Telefon, dann eine Kundin, die Shampoo kaufen will. Es ist ärgerlich, wenn man beim Friseur dauernd sitzengelassen wird. Ein Zeichen von schlechter Organisation? Nein, eher eine Frage des Preises, wie Intercoiffeur Strassl-Chefin Katharina Strassl erklärt. „In besonders günstigen Salons kann es vorkommen, dass zu wenig Personal da ist. Aber sonst sollte das nicht passieren. Viele Salons haben eigene Rezeptionistinnen." Und wenn es trotzdem vorkommt? Dann sollten Sie sagen, was Sie stört - nett verpackt: „Bitte könnten Sie bei mir
bleiben? Ich bekomme Migräne, wenn mein Haar länger nass ist."


Geldmacherei: ärgerliche Extrakosten
Ein bisschen Pflege für die trockenen Spitzen? Etwas Haarspray, damit es besser hält? All die kleinen Extras
beim Friseurbesuch lassen die Rechnung schnell in die Höhe schießen. Trotzdem traut man sich oft nicht,
Nein zu sagen. Besser wär's aber! Denn ist das Produkt erst einmal im Haar, muss man es auch zahlen. Tipp: Auch wenn es unangenehm ist - sagen Sie, noch bevor Sie zum
Waschtisch geführt werden: „Ich möchte für die Frisur XY Euro ausgeben. Könnten Sie bitte darauf achten, dass wir mit allen Extras im Rahmen bleiben?"

Abgeben und aufgeben: die verschwundene Garderobe
Natürlich lässt keiner seine Handtasche mit Geld, Handy und Schlüssel an der Garderobe des Beautysalons liegen. Aber was ist mit teuren Jacken und Schuhen? Muss man die wirklich am Eingang ausziehen, auch wenn keiner dafür haftet? Leider ja. „Wenn der Hausgebrauch es verlangt,
sind die Schuhe auszuziehen", erklärt Benimm-Coach Christine Unger aus Wien. Das heißt allerdings nicht, dass
man sie nicht mitnehmen darf! Die Knigge-Expertin rät dazu, für solche Fälle ein hübsches Schuhsäckchen
einzupacken. Alternativ können Sie die Rezeption bitten, auf Ihre Sachen zu achten. Damit kommt ein Verwahrungsvertrag zustande und das Unternehmen haftet.

Wartezeit: Druck machen
Grundsätzlich ist es immer schlecht, unter Zeitdruck in den Schönheitssalon zu gehen. Doch selbst wenn Sie nichts vorhaben, sind Sie wahrscheinlich nicht gewillt, eine Dreiviertelstunde im Wartezimmer zu verbringen. Einfach gehen, ohne zu bezahlen, können Sie aber nur dann, wenn Sie dem Studio eine Nachfrist setzen. Sagen Sie am besten, dass Sie noch einen Termin haben und sich die Behandlung nur ausgeht, wenn Sie in den nächsten zehn Minuten drankommen. Auch gut: Vereinbaren Sie den ersten Termin am Morgen. Dann sind
Wartezeiten unwahrscheinlich.



Lesen Sie weiter auf Seite 3!


Flauschig, aber nicht frisch: unhygienische Zustände

Der Duft nach Räucherstäbchen, Massageöl und ... fremdem Körpergeruch? Ein benutzter Spa-Bademantel
geht wirklich nicht! Als Kundin haben Sie Anspruch auf gewisse Hygienestandards. „Bitten Sie freundlich um einen
neuen, und sagen Sie, dass dieser gebraucht wirkt", rät Benimm-Coach Unger. Das wird sicher jeder verstehen. Und falls nicht? Gar nicht erst darauf eingehen, wenn man Ihnen versichert, dass Sie sich irren. Fragen Sie, ob man Ihnen freundlicherweise trotzdem einen anderen geben kann.


Zeitdiebstahl: zu kurz gekommen

50 Minuten Massage sind 50 Minuten Massage und nicht weniger. Trotzdem sollten Sie über ein paar Fehlminuten großzügig hinwegsehen. Haben Sie aber das Gefühl, dass
die Behandlung deutlich zu kurz war, können Sie ruhig sagen: „Entschuldigung, ich glaube, die 50 Minuten sind noch nicht um. Würden Sie bitte noch etwas weitermachen?" Wenn Sie den Zeitdiebstahl erst in
der Garderobe bemerken, dann sagen Sie am besten an der Kassa: „Leider war meine Behandlung heute zehn
Minuten zu kurz. Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie die das nächste Mal aufschlagen könnten." Das ist
Ihr gutes Recht. Schließlich ist der Dienstleister verpflichtet, seinen Teil der Vereinbarung einzuhalten. Sie
bezahlen ja auch die vollen 70 Euro.

Knapp bei Kasse: reine Vertrauenssache
Wenn Sie regelmäßig zum Friseur gehen, sich aber nicht mehr den vollen Preis dafür leisten können, dann kommt zuerst ein Schamgefühl bei Ihnen auf - und dann die Frage: wie sage ich es meiner Haarstylistin? Wenn Sie schon genug Vertrauen gefasst haben, dann sollten sie ehrlich mit der Situation umgehen und mit ihr offen darüber sprechen. So kann Ihre Friseurin des Vertrauens eventuell eine Lösung vorschlagen, z.B. ein Haarschnitt, der erst nach einem längeren Zeitraum nachgeschnitten werden muss. Hier gilt auch die Regel, dass kurze Haare viel mehr Pflege und regelmäßiges Nachschneiden Bedarf als lange Haare.

Kurzfristige Absage
Sie haben sich einen Friseurtermin machen lassen und müssen deshalb früher vom Büro los, um rechtzeitig da zu sein. Doch kurz vorher erhalten Sie einen Anruf Ihres Salons, dass der Termin leider kurzfristig abgesagt werden muss. Neben Ihrer Wut, weil Sie sich auf einen entspannenden Friseurbesuch gefreut haben, steht da auch noch die Frage der verlorenen Arbeitszeit im Raum. Denn wegen den limitierten Öffnungszeiten Ihres Friseursalons müssen Sie jedes Mal Ihren Arbeitstag danach richten. Wenn Sie unbedingt bei Ihrer Haarstylistin bleiben möchten, dann sollten Sie gleich direkt am Telefon sagen, welche Umstände dahinterstecken, wenn Sie einen Termin vereinbaren. Und fragen Sie nach, ob Ihre Friseurin einen Vorschlag machen kann, wie sie beide in Zukunft das Problem handhaben können. Z.B., dass für Ihren Termin die Öffnungszeiten ausnahmsweise nach hinten verschoben werden. Denn schließlich sind Sie eine jahrelange und treue Kundin, die auch gerne Ihren Freundinnen weitererzählt, was für ein tolles Service der Salon doch hat...

 

Aktuell