Richter findet, dass Ehemann "Menschenrecht auf Sex" hat

Wenn die Ehefrau dem Sex nicht zustimmt, hat der Ehemann dann ein Recht auf Sex mit ihr? Ja, sagt ein britischer Richter und sorgt damit für Empörung.

Nein heißt Nein Richter Urteil

Keine Frau sollte gegen ihren Willen Sex haben müssen und zwar ganz egal, ob sie Single, in einer Beziehung oder verheiratet ist. Dass Sex ohne Consent, also Einverständnis, kein Kavaliersdelikt, sondern schlicht und einfach Vergewaltigung ist, sollte eigentlich klar sein. Ist es aber nicht, wie die Worte des Londoner Richters Anthony Hayden dieser Tage erneut zeigen.

Hayden hatte eine Welle der Empörung ausgelöst, nachdem er während eines Gerichtsverfahrens auf das "grundlegende Menschenrecht" des Ehemannes auf Sex mit seiner Frau verwies. Der Fall des Paares war, wie der Guardian berichtet, von einem Sozialdienst vor Gericht gebracht worden, nachdem dieser eine Entwicklungsstörung bei der Frau attestiert hatte. Die SozialarbeiterInnen erklärten, dass die Frau dadurch nicht mehr die Fähigkeit besitze zu entscheiden, ob sie Geschlechtsverkehr haben möchte oder nicht. Die Anwälte des Sozialdienstes forderten deswegen das Gericht auf, zukünftigen Sex zwischen dem Ehemann und seiner Frau per Verordnung zum Schutz der Frau zu untersagen.

Das Recht eines Mannes auf Sex mit seiner Frau

Hayden konnte dieser Forderung allerdings wenig abgewinnen, wie er während der Verhandlung argumentierte. Obwohl selbst der Ehemann bereits im Vorfeld seine Zustimmung für eine solche Regelung ausgesprochen hatte, wollte der Richter die Beweise noch einmal genau prüfen, bevor ein solch weitreichendes Urteil aussprechen würde. "Ich kann mir kein offensichtlicheres grundlegendes Menschenrecht vorstellen als das Recht eines Mannes, Sex mit seiner Frau zu haben - und das Recht des Staats, das zu überwachen", sagte Hayden.

"Legitimiert Frauenfeindlichkeit und Frauenhass"

Dass der Richter das "Recht des Mannes auf Sex" ganz selbstverständlich über das Menschenrecht der Frau auf Selbstbestimmung über ihren Körper stellte, schockiert viele. Es scheint tatsächlich als würde Hayden der männlichen Befriedigung Vorrang geben - und diese frauenfeindliche Haltung sogar als Menschenrecht legitimieren.

Als Reaktion auf die verstörende Aussage, schrieb die britische Labour-Abgeordnete Thangam Debbonaire wenig später auf Twitter: "Das legitimiert Frauenfeindlichkeit und Frauenhass. Kein Mann in Großbritannien hat das Recht auf Sex zu bestehen. Keine Zustimmung = Vergewaltigung". Viele kritisierten außerdem, dass der Richter mit seinen rückschrittlichen Ansichten ein sehr gefährliches Frauenbild vermitteln würde, das auf der falschen Annahme basieren würde, dass Männer ein Recht auf den Körper einer Frau hätten. Und das in einem Zeitalter, in dem etwa im benachbarten Skandinavien bereits Gesetze Sex ohne Zustimmung klar als Vergewaltigung regeln.

Der Richter stand bereits in der Vergangenheit wegen umstrittener Entscheidungen in der Kritik. So untersagte er den Eltern des 11-monatigen Alfie Evansihren Sohn für weitere Behandlungen nach Italien ausfliegen zu lassen, nachdem der Junge monatelang im Spital unter künstlicher Beatmung gelegen hatte. Das Urteil gegen das Entscheidungsrecht der Eltern über das Wohlergehen ihres Sohn hatte 2018 hohe Wellen geschlagen.

 

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