Rhythmisches Leben

Entschleunigen allein ist auch nicht die Lösung aller Zeitprobleme. Vielmehr erfordern „glückliche Zeiten“, dass wir sie bewusst erleben. Dann wird der Lebensrhythmus zur Musik – mal schneller, mal langsamer, und auf jeden Fall mit Pausen!

"Keine Zeit, keine Zeit" ist das Mantra unserer schnelllebigen Tage. Doch: Es stimmt nicht, meint Karlheinz A. Geißler, Zeitforscher und Autor des Ratgebers Lob der Pause: Warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind (oekom-Verlag, € 9,20). Von der Zeit sei nämlich genug da, sie kommt ja immer neu nach. „Wenn Sie also glauben, keine Zeit zu haben, meinen Sie damit eigentlich etwas anderes: Dass Sie zu viel zu tun haben."

Zeit ist nicht gleich Zeit.
Als Lösung des Dilemmas wird vielfach ein Modell angepriesen: Entschleunigung. Zeitforscher Geißler jedoch ist sicher: „Das ist kein Allheilmittel." Denn Zeit ist nicht gleich Zeit. Einerseits erfahren wir die abstrahierte Zeit, die wir von der Uhr ablesen. Andererseits (er-)leben wir Zeit - und dieses subjektive Zeitempfinden ist nicht mit Uhren messbar. 20 Minuten etwa können unterschiedlich lang sein, je nachdem, was wir währenddessen machen oder erfahren. Heißt: „Die Zeit ist vielfältig und folgt unterschiedlichen (Lebens-)Rhythmen, wie die Musik", so Geißler. Wir müssen warten können, wiederholen, neu anfangen, mal schnell sein und mal langsam. „Wer gesund leben will, muss rhythmischer leben." Wir verraten, wie.

Wer versucht, Zeit zu sparen, spart nur am Erleben.
von Karlheinz A. Geißler

1. Machen Sie mal Pause.
Eigentlich gibt unser Körper ja den Rhythmus vor. Doch um ihm zu folgen, muss man ihn spüren (können). Im Alltag bleibt dazu tatsächlich oft keine Zeit. Doch im Urlaub oder an den Wochenenden kann man die Zeit bewusst zu sich einladen und in sich hineinhorchen - bis man den inneren Takt vernimmt. „Legen Sie sich aufs Sofa und schauen Sie, was kommt", empfiehlt der Experte. „Allmählich spüren Sie sich, den Puls, Ihren Körper und das, was sich tut." Die wichtigste Zeitregel lautet daher: Nehmen Sie sich Pausen! Gerade Kopfarbeiter vergessen oft darauf. Dabei brauchen wir Unterbrechungen: Nur so mobilisiert der Körper Energiereserven. Pausen können auch längere Auszeiten vom Job sein, und das Kinderbekommen sind dito natürliche Zeiten, die uns rhythmischer leben lassen.

2. Koordinieren Sie Zeitaspekte.
Apropos Job: Dass Menschen unterschiedlich mit Zeit umgehen, fällt dort extrem auf - und kann zu Problemen führen. Zeitforscher Geißler betont jedoch: „Keine Form, mit Zeit umzugehen, ist unproduktiv! Es geht darum, die verschiedenen Produktivitäten zu organisieren." Heißt im Klartext: Im Büro müssen Sie und die Firma drei Zeitaspekte koordinieren. 1. die Anforderungen des Betriebs - wie Anwesenheitspflicht, Gleitzeit, Abgabetermine. 2. die Zeitdauer der Aufgabe. Und 3. jene Zeit, die Ihre eigene Arbeitsproduktivität braucht - und sich aus Ihrem persönlichen Rhythmus ergibt.

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Wer gesund leben will, muss rhythmischer leben.
von Karlheinz A. Geißler
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3. Verbessern Sie Ihr Zeiterleben.
Wer sich klarmacht, dass Uhrzeit und erlebte Zeit nie übereinstimmen, erkennt: Zeitprobleme sind normal. Es geht also nicht darum, „mehr Zeit" rauszuholen, sondern befriedigendere Zeiten zu erleben. Ein Beispiel: Sie führen mit Ihrer Freundin gerade ein gutes Gespräch, doch sie muss gleich zum Flieger. Den Zeitdruck nehmen Sie aber gar nicht als bedrückend wahr, weil Sie den Moment genießen. So ein Zeiterlebnis stellt zufrieden. Verbessern Sie also die „erlebte" Zeit. Tipps (nicht nur) dazu finden Sie auf www.zeit-rat.de.

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4. Sparen Sie nicht Zeit, sondern leben Sie sie.
Noch ein Gedanke für den entspannteren Umgang mit der Uhr: Zeit lässt sich nicht sparen - und auch nicht managen. „Man kann mit ihr nichts machen, außer sie leben", sagt Experte Geißler. „Wer versucht, Zeit zu sparen, spart nur am Erleben. Sie können mit 60 nichts an Ihr Leben dranhängen, um Zeit zu erleben, die Sie mit 20 eingespart haben."


5. Machen Sie den Tag zum Schweizer Käse.
Um Ihre eigene Rhythmizität auszuleben, sollten Sie versuchen, zumindest Ihre freien Tage wie Schweizer Käse zu organisieren: mit festen Strukturen und Ihren Zeitplanungen - plus vielen Löchern. Denn: „Je kleinteiliger der Tag organisiert ist, desto stressiger wird er", so Geißler.

Und nicht vergessen: Leben besteht nun mal aus Tun UND Lassen.

 

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