Rennradfahrerin holt die Männer fast ein - und muss Pause machen

Eine Radrennfahrerin holt beinahe ihre männlichen Kollegen ein, obwohl die zehn Minuten Vorsprung hatten. Dafür muss sie erstmal anhalten.

Das Rennen gewinnt, wer am schnellsten ist? Theoretisch ja. Außer, ja außer, der Schnellste ist die Schnellste.

Beim jährlichen Radrennen Omloop Het Nieuwsblad in Belgien fahren die TeilnehmerInnen mehr als 120 Kilometer. Geschlechter getrennt, weil das in den meisten Sportarten immer noch so ist. Das hat die Schweizerin Nicole Hanselmann aber erstmal nicht aufgehalten: Die 27-Jährige führte das Rennen der Radfahrerinnen an, als sie die Männern beinahe einholte. Die Radfahrer waren zehn Minuten vor den Frauen gestartet, nach 35 Kilometern hatte Hanselmann schon fast zu den Support-Fahrzeugen für die Radrennfahrer aufgeschlossen.

"Bitte warten" - Radfahrerin ist zu schnell

Und dann war erstmal Schluss: Hanselmann musste auf Anweisung der OrganisatorInnen anhalten. Die Radrennfahrerinnen wurden "neutralisiert", wie es in der Fachsprache heißt: Das Rennen der Damen wurde kurz gestoppt, damit sich der Abstand zu den Männern wieder vergrößern konnte.

Hanselmann hatte sich schon früh von den anderen Fahrerinnen abgesetzt und ihren Vorsprung auf fast zwei Minuten ausgebaut. Nach der erzwungenen Pause durfte sie zwar mit einem Vorsprung starten, konnte ihre führende Position aber nicht halten. Sie fuhr als 74. über die Ziellinie. Das Rennen hat schließlich die Dänin Chantal Blaak gewonnen.

"Es ist ein bisschen traurig, weil ich gut drauf war," sagt Hanselmann nach dem Rennen zu Cycling News. "Wenn das Feld sieht, dass du angehalten hast, gibt ihnen das einfach neue Motivation, dich einzuholen. Wir konnten die Rettungsfahrzeuge des Männerrennens sehen. Dann haben wir für fünf oder sieben Minuten angehalten und das vernichtet deine Chancen."

Waren die Herren zu langsam?

Der Stop eines Rennens ist allerdings kein außergewöhnlicher Vorfall. Werden mehrere Rennen gleichzeitig abgehalten, wie hier das Rennen der Herren und der Damen, hat jede Veranstaltung eine eigene Infrastruktur mit BetreuerInnen und Fahrzeugen. Aus Sicherheitsgründen dürfen sich diese nicht vermischen. Ein Abstand von zehn Minuten ist normalerweise ausreichend, damit die Felder sich nicht überschneiden. Beim Rennen in Belgien dürften die Herren wohl getrödelt haben.

Ärgerlich ist die Verzögerung allemal. Auf Instagram bezeichnet Hanselmann den Vorfall als "awkward" - was je nach Übersetzung alles von "peinlich", über "unangenehm" bis "tölpelhaft" heißen kann. Und fügt hinzu: "Vielleicht waren die anderen Frauen und ich einfach zu schnell oder die Männer zu langsam?"

UserInnen empören sich darüber, dass die Frauen überhaupt zum Anhalten gezwungen wurden. Ihre Meinung: Nicole Hanselmann hätte ihr Rennen einfach fahren dürfen sollen - ohne Rücksicht auf die Männer.

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