Religiöse Kinder sind unmoralischer

Eine großangelegte Studie aus den USA beweist: Kinder, die in religiösen Haushalten aufwachsen, treffen unmoralischere Entscheidungen als Kinder ohne religiöses Bekenntnis.

Strenge moralische Vorschriften und das Credo der Nächstenliebe sind das Um und Auf religiöser Schriften - doch werden sie von den Gläubigen wirklich gelebt? Nein, sagt zumindest eine aktuelle Studie der University of Chicago. Demnach treffen Kinder, die in nicht-religiösen Haushalten aufwachsen, moralischere Entscheidungen als solche, die religös erzogen werden.

Die Studie, die im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht wurde, untersucht den Zusammenhang zwischen Altruismus - also der Einstellung, dass man die Belange und das Wohlergehen anderer Menschen für wichtig erachtet - und Religion. 1100 Fünf- bis Zwölfjährige aus aller Welt (Kanada, China, Jordanien, Türkei, USA, Südafrika) nahmen an der Untersuchung teil. Das Spiel war einfach: die Kinder wurden gefragt, wie viele bunte Sticker sie mit einer anonymen Person aus ihrer eigenen Schule teilen würden.

Kinder aus religiösen Haushalten sind weniger großzügig


Ein Ergebnis: mit zunehmenden Alter waren die Kinder eher bereit zu teilen. Ein anderes Ergebnis aber war überraschender - je größer die Rolle von Religion im Leben des Kindes war, umso weniger großzügig war es. Kinder aus atheistischen Familien teilten demnach viel eher ihre Sticker mit anderen.

Eine weitere Frage, die den Kindern gestellt wurde, war, wie sie mit Fehlern von anderen umgehen würden. Kinder aus einem religiösen Umfeld sprachen sich für härtere Strafen aus als jene Kinder, bei denen Religion nicht so wichtig ist. Die Studienautoren schlussfolgern: "Unsere Ergebnisse widersprechen der allgemeinen Annahme, dass Kinder aus religiösen Haushalten altruistischer und netter zueinander sind. Es stellt sich die Frage, ob Religion gut für die moralische Entwicklung ist - somit würde die Säkularisierung der Gesellschaft gar nicht zu einer Abnahme menschlicher Güte führen. Das Gegenteil wäre der Fall."

In der Studie identifizierten sich 23,9 Prozent als Christen, 43 Prozent als Muslime, 27,6 Prozent als nicht religiös, 2,5 Prozent als Juden, 1,6 Prozent als Buddhisten, 0,4 Prozent als Hinduisten, 0,2 Prozent als Agnostiker und 0,5 Prozent als Sonstiges.

 

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