Reizdarmsyndrom: Welche Rolle spielt die Psyche?

Bauchweh, Darmzwicken, Durchfall: Bis zu 20 Prozent der Menschen in westlichen Ländern leiden am Reizdarmsyndrom. Darmexpertin und Omni-Biotic-Gründerin Anita Frauwallner weiß, was hilft.

Reizdarmsyndrom: Welche Rolle spielt die Psyche?

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist ein sehr häufiges, aber schwer zu diagnostizierendes Krankheitsbild, dessen Entstehung noch nicht restlos geklärt ist. "Personen mit Reizdarmsyndrom haben mit heftigen Bauchschmerzen sowie starken Blähungen zu kämpfen. Je nach Typ des Syndroms leiden die Personen an Verstopfung oder Durchfällen, die so heftig sein können, dass an ein normales Leben nicht zu denken ist", so Frauwallner.

Der Weg zur Diagnose ist oft lang: "Zuerst müssen schwere Erkrankungen des Darms wie Krebs oder eine Colitis ausgeschlossen werden. Während die Patienten früher sehr oft als eingebildete Kranke hingestellt wurden, weiß man heute, dass Störungen des Nervensystems im Darm und speziell der Reizweiterleitung ins Gehirn ganz wesentlich für ein Reizdarmsyndrom mitverantwortlich sind."

Welchen Einfluss hat dabei die Psyche?

Die Achse zwischen Darm und Hirn ist mittlerweile erwiesen und wissenschaftlich erforscht. Laut dem Mediziner Gregor Hasler und seinem Buch "Die Darm-Hirn-Connection" (Klett-Cotta Verlag, € 20,90) sind Darm und Hirn durch den Vagusnerv verbunden. Dieser schlängelt sich bis hinunter zur Speiseröhre und teilt sich dann in kleine Äste auf, die zum Magen und den Därmen führen.

Frauwallner: "Es gibt klare Hinweise darauf, dass Stress und eine dadurch geschädigte Darmbarriere sowie fehlende Darmbakterien die bedeutendste Rolle spielen. Einen eindeutigen Einfluss hat die Psyche jedenfalls auf den Verlauf der Erkrankung - wenn dauerhaft nervliche Belastungen vorliegen und somit ständige negative Reizimpulse vom Darm ins Gehirn gelangen, entwickelt sich ein Teufelskreis aus Schmerzen und falschen Reaktionen des Darms."

Was kann man dagegen tun?

Abgesehen von Stressreduktion kann auch eine gesunde Ernährung helfen. "Gesunde Nahrung ist essenziell - und beim Reizdarm muss es zusätzlich Schonkost sein. Aber meine wichtigste Empfehlung ist, durch gezieltes Weglassen verschiedener Lebensmittel auszutesten, was einem persönlich gut tut und was nicht. Denn vielfach entwickeln sich durch die fehlende Darmflora Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die dann die Beschwerden massiv verschlimmern."

Zusätzlich kann man Darmbakterien zuführen: "Um die Entzündungen der Darmschleimhaut zu reduzieren, empfehle ich ausschließlich natürlich im menschlichen Darm vorkommende und dort auch wieder ansiedlungsfähige probiotische Bakterienstämme, die speziell für stressige Zeiten ausgesucht wurden."

 

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