Reisebericht Apulien: Urlaub in der Postkartenidylle

In Apulien, am Absatz des Stiefels, ist Italien noch immer so, wie man es sich in romantischen Vorstellungen ausmalt : herzlich, überschwänglich, ein bisschen vergangenheitsverliebt – und großartig für alle, die sich gern durch den Urlaub essen und trinken.

Eine Katze streift um die Topfpflanzen vor dem Haus, ein alter Fiat zwängt sich durch die Gasse und zwei Herren haben sich mit Gartenstühlen zum Besitzer eines kleinen Souvenirladens gesellt. Aufgeregt gestikulierend debattieren sie auf der Straße miteinander.

Bekannter als für diese Postkartenidylle ist Alberobello eigentlich für die historischen Kegelbauten, die Trulli. Sie sind UNESCO-Weltkulturerbe und bieten innen überraschend viel Platz. Ab und zu dürfen Gäste eines nahe gelegenen Resorts etwa bei Clara unters Trullo-Dach schlüpfen. Dann weiht die schüchterne, aber gastfreundliche Italienerin sie in die hiesige Küche ein; zeigt, wie man die vorbereiteten Teigkugeln am besten flach drückt, damit man sie gut frittieren kann (s. Rezept rechts), oder erklärt, dass hier neben Burrata, dem Mozzarella mit cremigem Kern, Orecchiette mit Cime di Rapa, kleine Nudeln mit Gemüse, die gängigste Vorspeise sind. NichtitalienerInnen brauchen ein bisschen, bis sie herausfinden, dass dieses grüne, dem Brokkoli ähnliche Gemüse Stängelkohl ist - dieses Rätseln kennt die Gastgeberin schon. Was man außerdem lernt: Essen ist eines der wichtigsten Themen hier. "Beim Frühstück überlegt man, was es zu Mittag geben soll, und sobald das Mittagessen vorbei ist, geht's drum, was am Abend auf den Tisch kommt", erzählt eine andere Italienerin.

1. ANREISE. Direktflüge ab Wien gibt's mit Eurowings von Mitte Mai bis Oktober nach Brindisi (sonst über Rom) und mit Austrian Airlines zwischen Ende März und Ende Oktober nach Bari.

2. WOHNEN. Traditioneller süditalienischer Architektur sind die Villen sowie die gesamte großzügige Anlage im Fünf-Sterne-Resort Borgo Egnazia (Bild unten) nachempfunden. 3 Nächte, z. B. von 1.3. bis 4.3., mit Frühstück im Zimmer Borgo Splendida um € 286,-/Person; von 20.4. bis 23.4. um € 547,-/Person. Infos und Buchung im Reisebüro oder unter airtours.de.

3. ESSEN. Lokaltipps sind schwierig zu geben, denn es scheint, als könne man in jeder noch so kleinen Trattoria gut essen. Trotzdem besonders empfehlenswert: die Osteria del Tempo perso in Ostuni, osteriadeltempoperso.com.

4. TIPPS. Hilfreiche Tipps für die Reiseplanung gibt's auch unter enit.at, der Seite der Italienischen Zentrale für Tourismus.

Flüssiges Gold: Olivenöl

Die Gedanken von Alessandro von der Masseria Maccarone drehen sich auch um Essen. Um Olivenöl, um genau zu sein. Und vor allem die Qualität desselben. Wenn die Oliven seiner zum Teil 1.000 Jahre alten Bäume geerntet werden, werden sie innerhalb weniger Stunden verarbeitet. Sonst könnte die hohe Extra-Vergine-Qualität nicht erreicht werden. Und nichts verabscheut Alessandro mehr als schlechtes Öl. Wenn der sympathische Schnellsprecher bei einer Verkostung mal loslegt, dann hat das etwas Missionarisches. Als würde er die Welt gerne vor schlechtem Öl beschützen wollen. Denn gutes Öl sei wie Medizin! Wenn es nach eingelegten Oliven riecht, könne man es vergessen. Aber wenn es frisch, nach Kiwi und Gras riecht, dann ist es gut!

Es grünt so grün

Zu Alessandros Gut, das er in siebter Generation führt, gehören 20.000 Olivenbäume. Auf den kleinen Straßen zwischen den Hainen zu radeln hat etwas Entspannendes. Man kommt der Natur richtig nah. Ab und zu ein weißer Gutshof. Felder. Die Olivenbäume. Dann schroffe Küstenabschnitte. Und wieder Weingärten, die sich sanft den Hügel hinaufschlängeln. Oben liegt Locorotondo, zu Deutsch "runder Ort". Und wenn zwischen den schmalen Treppen und engen weißen Gässchen der Reiseführer auf eine Stelle zeigt und erklärt, hier habe er seinen ersten Kuss bekommen, dann weiß man nicht so richtig, ob man ihm glauben soll. Aber romantische Vorstellungen passen auf jeden Fall gut zu Apulien. Wenn er einen später am Weingut I Pastini (ipastini.it/de) prämierte Weine probieren lässt und noch einmal daran erinnert, dass die Trauben aus diesem Anbaugebiet den ganzen Tag über Sonne haben, glaubt man, den süditalienischen Sonnenschein zu schmecken. Wein gehört hier auch ganz selbstverständlich zu jedem Essen dazu: Auf "Nein danke, ich trinke keinen Alkohol" wird erwidert: "In Ordnung. Aber Wein schon, oder?"

Weiße Stadt

Neben Locorotondo leuchtet einem auch Ostuni schon von Weitem entgegen. Bis auf die Kirchen sind alle Häuser weiß getüncht. Wenn man durch die schmalen Gassen, die oft mit Bögen verbunden sind, und über die zum Teil schiefen Stiegen spaziert, möchte man gerne eintauchen ins beschaulich wirkende Leben der SüditalienerInnen: sich Zeit für einen Kaffee nehmen; mit der Frau, die gerade vor ihrer Haustür kehrt, plaudern; auf der großzügigen Piazza della Libertà stehen bleiben und die Menschen beobachten - bevor man weiter die Altstadt entdeckt, die auf drei Hügeln erbaut wurde; einen Sprung in die Kathedrale oder die Barockkirche Santa Maria Maddalena machen, um dann von der Panoramastraße aus, die den Ort umgibt, wieder in die Weite, bis ans Meer, zu sehen.

Barockstadt Florenz

Wer in Apulien ist, muss auch nach Florenz -konkret ins "Florenz des Südens" oder "Florenz des Barock": Gemeint ist Lecce, eine Barockstadt, deren Stadtkern ein bisschen wie ein großes Freilichtmuseum wirkt. Da die Reste eines römischen Amphitheaters aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, dort die barocke Fassade der Basilica di Santa Croce mit ihren üppigen Verzierungen. Vor allem in der Dämmerung, wenn sich langsam sanftes, orangefarbenes Licht auf sie legt, wirkt der Platz davor fast magisch. Zeit, den älteren Herren, die traditionellerweise Pappmascheefiguren - oft Heiligenfiguren - gestalten, über die Schulter zu schauen. Und dann in eine der kleinen Straßenbars einzukehren. Zum Glas Primitivo knabbert man die hier typischen Taralli, runde Brotstangerl, die ähnlich wie Grissini schmecken, und denkt: Ja, genau so hat man sich Italien vorgestellt.

Apulischer Genuss

FICAZZEDDE FRITT

Dieses Rezept hat Clara von ihrer Oma. Die frittierten Teigteilchen (ähnlich wie Mini-Langos) werden in Apulien oft mit marinierten Tomaten, Kräutern oder Ricotta als Topping gegessen.

ZUTATEN:

1 kg Mehl 500 g Wasser 1 EL Olivenöl Salz 15 g Germ

ZUBEREITUNG:

Alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten und ihn für zwei Stunden an einem warmen Ort gehen lassen. Dann kleine Teigbälle von je ca. 25 g formen und sie wieder für eine Stunde gehen lassen. Mit dem Nudelwalker oder per Hand aus jedem Ball ein flaches, rundes Teigstück ziehen und in viel Olivenöl goldbraun herausbacken. Sofort servieren und eventuell Schälchen mit Antipasti und Ricotta dazu reichen. Beim Essen belegt man die Teigfladen nach Belieben und klappt sie dann zusammen, um hineinzubeißen.

RICOTTA-CHEESECAKE

Wer im Borgo Egnazia (siehe S. 155) eine Villa bewohnt, wird von seiner eigenen Hausdame bekocht. Und mit Süßem verwöhnt.

ZUTATEN:

Für den Teig: 250 g Mehl 90 g weiche Butter 80 g Zucker Etwas Zitronenschale (von einer Bio-Zitrone) 5 g Backpulver 2 Eier

Für die Creme: 250 g Ricotta 80 g Zucker Schale von einer Bio-Zitrone

ZUBEREITUNG:

In einer Schüssel die Butter mit dem Zucker cremig rühren. Dann die Eier nacheinander dazugeben. Zum Schluss das Mehl - mit dem Backpulver und der Zitronenschale vermischt - zur Masse geben und zu einem Teig verkneten. Die Schüssel abdecken und für 4-5 Stunden in den Kühlschrank geben. Dann den Teig 4-5 mm dick in eine Tarteform drücken. Den Ricotta mit dem Zucker und der Zitronenschale mischen und die Creme auf dem Kuchenboden verteilen. Bei 160 Grad für 25 Minuten backen.

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