Regisseurinnen erhalten nur ein Fünftel aller Honorare

Der "Film Gender Report 2012-2016" untersucht Filmschaffen erstmals österreichweit und umfassend, um Transparenz und Bewusstsein zu schaffen und bestehende Maßnahmen zu evaluieren.

Um den österreichischen Film steht es nicht gut - zumindest was die Geschlechterverhältnisse der Branche angeht. Denn Frauen sind so gut wie in jedem Bereich unterrepräsentiert und werden zudem schlechter bezahlt. Darüber hinaus werden sie auf der Leinwand werden drei Mal öfter auf ihr Aussehen reduziert als Männer.

Zu diesem Ergebnis kommt der erste "Film Gender Report", der eine umfassende Untersuchung der Filmbranche - von Gender Pay Gap bis hin zu Gender auf der Leinwand - durchgeführt hat. Die Situation ist für Frauen nicht besonders rosig, dabei könnte es sogar gut anfangen: Wiens renommierte Filmakademie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst bildete im Untersuchungszeitraum jährlich nahezu ebenso viele Frauen (47%) wie Männer aus. Auf Seite der Lehrenden sind jedoch nur 10% der Professuren weiblich besetzt, nur 30% aller Lehrenden sind Frauen.

Der Gender Pay Gap im Film

Die Ungleichheit spiegelt sich auch in der Bezahlung wider: der Gehaltsunterschied umfasst gesamtdurchschnittlich etwa 5 Prozentpunkte und ist im Bereich Regie am größten. Ein Viertel aller RegisseurInnen waren Frauen, erhielten aber nur ein Fünftel aller Honorare. Dies bestätigte auch Filmregisseurin Sabine Derflinger: "In meinen Anfangsjahren wurden mir immer wieder 40 Prozent weniger Honorar als meinen männlichen Kollegen angeboten, die auch nicht mehr Erfahrung hatten". Sie sprach sich in ihrem Statement zudem für eine "50:50-Quote für Regisseurinnen" aus.

Auch der Kabarettist und Filmemacher Josef Hader sagt: "Es geht nicht darum, Filme zu fördern, nur weil sie von Frauen gemacht werden. Es geht darum, eine klare strukturelle Benachteiligung von Frauen in den Fördergremien, den Filmjurys und bei der Bezahlung abzustellen. Daher bin ich für eine Fünfzig-Prozent-Quote in den österreichischen Fördergremien, dann können wir gern wieder über die Freiheit der Kunst reden."

Einem parlamentarischen Entschließungsantrag folgend gaben das Österreichische Filminstitut und das Bundeskanzleramt im Jahr 2017 die Erstellung eines "Film Gender Reports" in Auftrag. Die Umsetzung übernahmen Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Mag.a Eva Flicker und Lena Lisa Vogelmann, BA BA, vom Institut für Soziologie der Universität Wien. Der am 7. Mai 2018 im Bundeskanzleramt präsentierte Bericht untersucht die Geschlechterverhältnisse im Filmschaffen erstmals österreichweit und umfassend, um Transparenz und Bewusstsein zu schaffen und bestehende Maßnahmen zu evaluieren. Die Ergebnisse attestieren dem österreichischen Filmsektor eklatante und in allen Bereichen bestehende ungleiche Geschlechterverhältnisse. Eine periodische Weiterführung des Reports ist geplant.

LINK zum Report

Frauen erhielten außerdem weniger Filmförderung. Im Bereich hoher Förderbeträge waren Frauen nicht vorhanden: Beträge über eine Million Euro gingen ausschließlich an Projekte mit mehrheitlichem Männeranteil im Stab. Mehr als die Hälfte der Filme mit hohem Frauenanteil erhielt Fördergelder von unter 50.000 Euro.

Weniger Gehalt und weniger berufliche Chancen für Frauen sind Realität! Leider auch beim österreichischen Film! Ich habe das erwartet und bin doch schockiert über das Ausmaß der Ungleichbehandlung, die durch den nun vorliegenden Gender Report in Zahlen belegt ist. Es ist geradezu beschämend, dass Kunst und Kultur, gefördert mit öffentlichen Geldern, kein Vorbild bezüglich Gleichberechtigung sind.
von Schauspielerin Maria Hofstätter

Aber nicht nur hinter der Kamera steigen Frauen schlechter aus. In einer Gegenüberstellung der Filminhalte mit Fokus auf die Hauptfiguren bestanden 85 Prozent der Kinospielfilme den "Bechdel-Wallace-Test" für männliche Figuren. Das bedeutet: Es gab mindestens zwei Männer, die miteinander sprachen und zwar über etwas anderes als eine Frau. Hingegen bestanden nur 53 Prozent der Filme den Test für weibliche Filmfiguren (mindestens zwei Frauen sprachen miteinander und über etwas Anderes als einen Mann). In den 100 analysierten Filmen war die körperliche Attraktivität weiblicher Filmfiguren dreimal häufiger Gesprächsthema als die Attraktivität männlicher Figuren.

Um das Ziel einer tatsächlichen Geschlechtervielfalt im österreichischen Filmschaffen zu erreichen – von der Ausbildung über die Filmproduktion und –gestaltung, über die Schließung der Lohnschere und eine gleiche Mittelverteilung an Frauen und Männer bis zur Prämierung und Sichtbarkeit der Filme in Kinos und auf Festivals – besteht laut Studie weiterhin Handlungsbedarf. So fordert der Verein FC GLORIA (Frauen Vernetzung Film) in einer ersten Reaktion "ehebaldige Beseitigung der Ungleichstellung von Frauen im österreichischen Film. Die dafür notwendigen strukturellen Maßnahmen (Quoten etc.) betreffen alle Bereiche in der Filmbranche, von der Ausbildung bis zum Verleih, und sie betreffen alle Filmschaffenden."

 

Aktuell