Regenbogenfahne zerrissen: "Wir können und wollen solche Taten in unserer Stadt nicht akzeptieren"

Bei einer Versammlung gegen Corona-Maßnahmen haben Protestierende eine Regenbogenflagge zerrissen und Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt. Heute Abend findet die Gegendemo statt.

Menschen schwenken Regenbogenfahne

"Ihr seid kein Teil unserer Gesellschaft. Wir müssen unsere Kinder gegen Kinderschänder schützen. Wir alle sind dafür verantwortlich" ruft Jenny K., Anhängerin des Bündnisses Querdenken auf der Bühne der Corona-Demonstration im Wiener Resselpark. Die Menge jubelt. Kurz zuvor hatte sie gemeinsam mit zwei anderen Protestierenden eine Regenbogenflagge zerrissen. Ein Video der Aktion am Samstag geht momentan durch die sozialen Medien.

Die Grünen und die Hosi Wien (Homosexuelle Initiative Wien) reagierten prompt und organisierten eine Gegendemonstration für heute Abend um 19 Uhr auf dem Platz der Menschenrechte.

Akt gegen Akzeptanz und Gleichberechtigung

Ann-Sophie Otte, Obfrau der Hosi Wien über den Vorfall: "Wir sind total geschockt, dass so etwas noch immer passiert. Das es öffentlich passiert und welches Narrativ hier aufgegriffen wird. Homosexualität und Pädophilie werden fälschlicherweise in einen Kontext gesetzt. Das verurteilen wir natürlich aufs Schärfste. Homosexuelle sind genauso wenig oder viel pädophil wie alle anderen Menschen".

Auch weil die Aktion soviel Medienpräsenz habe, sei ein Gegenzeichen wichtig, betont Otte im Gespräch mit der WIENERIN: "Stellen wir uns vor, ein homosexueller 14-Jähriger, der vielleicht noch mit seinem eigenen Outing strugglet, sieht dieses Video und sich selbst mit Pädophilie in den Kontext gebracht… Menschen wie er müssen sehen: Da sind Leute, die gehen für mich auf die Straße. Die gehen für unsere Rechte auf die Straße, für unsere Sichtbarkeit."

Die Regenbogenfahne ist seit Jahrzehnten das Symbol der LGBTIQ+-Bewegung. Sie symbolisiert für Menschen auf der ganzen Welt Hoffnung auf eine bunte Gesellschaft ohne Hass und Diskriminierung gegen LGBTIQ+-Menschen. "Das Zerreißen der Regenbogenfahne ist ein symbolischer Akt, der sich eindeutig gegen uns und gegen eine Gesellschaft stellt, die für Menschenrechte, Respekt, Akzeptanz und Gleichberechtigung steht. Wir können und wollen solche Taten in unserer Stadt nicht akzeptieren", erklärt Otte im offiziellen Statement der Hosi.

Rechtliche Folgen?

Bei der Kundgebung am Samstag waren etliche Rechtsextreme erschienen, die teilweise die Reichsfahne schwenkten. Auch Parolen wie "Heimatschutz statt Mundschutz" waren auf Plakaten lesen. Die Polizei twitterte angesichts der online kursierenden Videoaufnahmen, von dem Vorfall informiert zu sein und diesen an die zuständige Stelle weitergegeben zu haben.

Der Grüne Gemeinderat Peter Kraus kündigte eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verhetzung an. Die Inanspruchnahme von Meinungsfreiheit ende da, wo eine ganze Bevölkerungsgruppe verunglimpft werde. SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek erklärte heute Morgen, eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Karl Nehammer stellen zu wollen. Diese solle klären, wer die Protestaktion angemeldet und finanziert hat, wer hinter dem Verein der "Querdenker" steht und weshalb die Veranstaltung nicht unterbrochen wurde.

 

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