Rebecca Horner: " Mir war und ist mein Beruf genauso wichtig wie meine Mutterschaft"

Eine Frau wird Mutter und plötzlich als weniger professionell im Job wahrgenommen – warum ist das so? Rebecca Horner, Solotänzerin beim Wiener Staatsballett über die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf.

Rebecca Horner: "Ohne unser Netz mit Oma und ­Nanny ­würde es nicht ­funktionieren"

Rebecca Horner ist Solotänzerin beim Wiener Staatsballett. Bereits mit vier Jahren begann sie ihre Ballettausbildung und arbeitete in jungen Jahren als Schauspielerin. 2007 wurde sie an das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper verpflichtet, 2015 zur Halbsolistin ernannt und 2017 zur Solotänzerin. Horner ist Mutter zweier Töchter (drei und elf Jahre alt).

Kannst du dich mit dem Satz "I’m a professional – but I’m a #MomToo" identifizieren?

Rebecca Horner: Auf jeden Fall. Ich hatte meinen Job bereits, bevor ich Mutter wurde, und mit diesem meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ich weiß, wie viel Kraft der Job als Künstlerin von einem abverlangt, aber mir war und ist mein Beruf genauso wichtig wie meine Mutterschaft.

Warum werden Frauen, sobald sie Mütter werden, im Job anders wahrgenommen?

In meinem speziellen Beruf dauert eine Karriere nur sehr kurz – da bekommen Frauen entweder erst später Kinder oder gehen nur kurz in Karenz. Da zählt die Leistung, die wir tagtäglich erbringen. Man muss sehr konzentriert sein und darf die Familie gedanklich nicht zum Job mitnehmen. Die Konkurrenz ist sehr, sehr groß – das gilt allerdings für Mütter und Väter gleichermaßen.

Wie haben du und dein Mann die Karenz und die Care-Arbeit aufgeteilt?

Ich war ein Jahr in Karenz, und seitdem arbeiten mein Mann und ich gleich viel. Aber: Ohne unser Netz mit Oma und Nanny würde es nicht funktionieren.

Das Baby in der Trage, während man arbeitet – kannst du Mütter verstehen, die dadurch unter Druck kommen?

Ja, denn es lastet auf den Familien und auf den Müttern sowieso schon so ein großer Druck, allem gerecht zu werden. Ich plädiere generell für eine Entschleunigung in der Gesellschaft, denn viele sind nur mehr gestresst, stehen kurz vor dem Burn-out und sind unglücklich.

Was wünschst du dir als Mutter im Job?

Mehr Rücksicht für Familien im Arbeitsprozess generell, finanzielle Unterstützung für Kinderbetreuung von den Unternehmen und familienfreundlichere Arbeitszeiten. Und in meinem Job: mehr Zeit vor Premieren, um sich bestmöglich mental, physisch und künstlerisch vorzubereiten. Oft fehlt es an Pausen für die körperliche Erholung. Das wäre wichtig, um Verletzungen vorzu­beugen und unsere Gesundheit auch nach dem Ende der Karriere zu gewährleisten.

 

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