Rassistische Vorfälle: Anzahl der Meldungen so hoch wie noch nie

Rassismus Zara

"Weil wir derzeit sehr viele Meldungen erhalten, kann es zu längeren Reaktionszeiten kommen", prangt der Hinweis aktuell auf der ZARA-Webseite. ZARA, kurz für Zivilcourage & Anti-Rassismus-Arbeit, ist eine Beratungsstelle für Opfer und Zeug*innen von Rassismus, bei der rassistische Vorfälle gemeldet und dokumentiert werden können. Die Unterstützung reicht von einer Ersteinschätzung der Vorfälle bis hin zur Unterstützung bei rechtlichen Schritten. Aktuell sind die Kapazitäten des Beratungsteams allerdings beschränkt, denn: Alleine im Juni gingen rund 500 Meldungen von rassistischen Vorfällen in den Beratungsstellen ein.

So viele Meldungen wie noch nie

Damit ist die Anzahl der Meldungen so hoch wie nie zuvor. In einem Monat wurden heuer mehr Fälle gemeldet als sonst in drei Monaten. Zum Vergleich: 2019 wurden insgesamt 1950 Fälle gemeldet. Damit wird deutlich, zu was für einem kleinen Bruchteil rassistische Vorfälle gemeldet und bekannt werden. Es gibt aktuell nicht mehr Rassismus-Vorfälle als sonst, aber die Black Lives Matter-Bewegung scheint das Bewusstsein gesteigert zu haben. "Jetzt wird erstmals ein bisschen mehr von der Spitze des Eisbergs sichtbar: durch das gesteigerte öffentliche Bewusstsein und die mediale Aufmerksamkeit für das Phänomen Rassismus werden aktuell mehr Vorfälle gemeldet als sonst", so Caroline Kerschbaumer, ZARA-Geschäftsführerin. Ein großer Teil dieser Fälle ist rassistischer Hass im Internet. Auch schon im März und im April, also in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen, konnte beobachtet werden, dass rassistische Vorfälle aktuell noch mehr als sonst online passieren.

Kapazitäten von ZARA beschränkt

Damit die steigende Zahl an Meldungen weiterhin bearbeitet werden kann, möchte ZARA das Beratungsteam mittels Crowdfunding stärken. "Kapazitätenmangel ist für ZARA sowie für die meisten Akteur*innen des zivilgesellschaftlichen Bereichs nichts Neues. Die aktuellen Ereignisse haben aber zu einem enormen Anstieg der Meldungen geführt: Dadurch können wir zwar mehr Menschen, die von Rassismus betroffen sind, unterstützen, aber gleichzeitig kommt es momentan zu längeren Reaktionszeiten, weil wir völlig ausgelastet sind. Wir benötigen langfristig mehr Berater*innen. Jede Spende ermöglicht, dass Betroffene und Zeug*innen von Rassismus auch in Zukunft umfassende juristische und psychosoziale Unterstützung erhalten", sagt Dilber Dikme, Leiterin der ZARA-Beratungsstellen

Zusätzlich zu individueller Beratung müsse vor allem aber auch struktureller Rassismus bei der Wurzel gepackt werden: "Es handelt sich hier nicht nur um einzelne Fälle: Wir wachsen alle in einem rassistischen System auf, von dem weiße Menschen profitieren, weil konstruierte Gruppen aufgrund von Hautfarbe, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität oder Sprache diskriminiert werden", unterstreicht Kerschbaumer die Dringlichkeit eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus.

Aber nicht nur die Politik müsse Verantwortung übernehmen, auch in anderen Bereichen stehen schon lange dringende Veränderungen an: in Unternehmen, wo oft schon im Bewerbungsprozess Rassismen greifen, im Bildungssystem, wo nicht nur im Geschichtsunterricht oft mit rassistischen Bildern gearbeitet wird, oder im Marketing, wenn durch Logos und Markennamen rassistische Vorurteile reproduziert werden. Von ZARA heißt es deshalb: Um das System Rassismus erfolgreich zu bekämpfen, müssen wir alle gemeinsam aktiv werden!

ZARA berät, unterstützt und begleitet Betroffene und Zeug*innen von rassistischen Übergriffen seit 20 Jahren kostenlos und auf Wunsch anonym. Die Beratungsstelle für Betroffene und Zeug*innen von Rassismus wird seit vielen Jahren von der Stadt Wien gefördert, erhält aber keine finanzielle Unterstützung vom Bund.

Hier geht es zum Crowdfunding!

 

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