Rassistische Übergriffe gegen Rapper T-Ser sorgen für Empörung

Weil der Rapper und seine Freunde willkürlich im Park kontrolliert wurden, und es zu Übergriffen seitens der Polizei kam, beschäftigt der Fall nun auch die Antirassismus-Stelle ZARA.

Seit zwei Tagen schwirrt ein Video durch alle Social Media-Kanäle: es zeigt eine Amtshandlung der Polizei in einem Park in Wien-Neubau. Der Rapper T-Ser postete die Videos, und innerhalb kürzester Zeit sorgten sie für jede Menge Empörung. Der Grund: Racial Profiling.

Die Bilder zeigen, wie er und seine Begleiter in dem Park sitzen als mehrere BeamtInnen anrücken. Der Wiener ließ die Videos weitgehend unkommentiert, versah sie nur mit dem Hashtag #nichtmituns. Zu sehen ist, wie sich die jungen Männer immer wieder beschweren, warum gerade sie kontrolliert werden - sie hatten sich eigentlich zum Arbeiten im Park getroffen.

Fall von „Racial Profiling“?

Für den Rapper T-Ser, der die Videos veröffentlicht hat, ist klar: Die BeamtInnen kontrollieren sie wegen ihrer Hautfarbe und ihres Aussehens.

Gegenüber der "Wiener Zeitung" sagte die Pressestelle der LPD Wien, dass "Schwerpunktkontrollen" in dem Park regelmäßig durchgeführt würden, "weil es dort vermehrt zu gerichtlich strafbaren Handlungen kommt". Man sei auf die Jugendlichen "aufmerksam geworden", und habe ihre Ausweise kontrollieren wollen. Ein Teil der Gruppe sei kooperativ gewesen, einige Personen hätten die Amtshandlung ins Lächerliche gezogen, und ihnen Beschimpfungen zugerufen, weshalb man Verstärkung gerufen habe. Die Beamten hätten eine Wegweisung aus dem Park ausgesprochen. Da die jungen Männer diese missachteten, seien sie an den Armen gepackt und aus dem Park eskortiert worden.

Es folgte eine Anzeige wegen aggressiven Verhaltens, Missachtung der Wegweisung, Anstandsverletzung und Lärmerregung. Die Polizei weist den Vorwurf von Rassismus zurück, da es verboten sei, "Identitätskontrollen aufgrund einer Hautfarbe durchzuführen."

"Videos sind eindeutig"

Der Geschäftsführer der Antirassismus-Stelle ZARA, Dieter Schindlauer, sieht den Vorfall auf Anfrage der WIENERIN anders: "Auch wenn wir die gesamte Vorgeschichte nicht kennen: es ist relativ klar, dass hier nicht alles vom Sicherheitspolizeigesetz gedeckt ist. Er wurde an der Jacke festgehalten, obwohl es überhaupt keinen Grund dafür gab, ihn körperlich zurückzuhalten. Mir scheint als wäre da eine Amtshandlung aus dem Ruder gelaufen. Es ist nicht der wildeste Übergriff, den wir hier beraten, aber es ist klar: das ist passiert, weil die jungen Männern so aussehen wie sie aussehen. Racial Profiling existiert einfach, und es ist im Einzelfall manchmal schwer nachzuweisen. Hier gibt es zum Glück relativ eindeutige Videos.“ Schindlauer betont, dass es legal ist, polizeiliche Amtshandlungen mitzufilmen - nur die Videos veröffentlichen sollte man nur mit Genehmigung der Betroffenen.

Der Verein ZARA befasst sich bereits mit dem Fall, und es ist nicht der einzige. "Pro Woche werden 1-2 Fälle gemeldet, die mit der Polizei zu tun haben – einer davon ist dann meist ein tatsächlicher Übergriff", so Schindlauer.

Umfrage: Kein Einzelfall

Die Studie „Lebenssituation von „Schwarzen“ in urbanen Zentren Österreichs“, die 2013 vom Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie (ETC) durchgeführt wurde, zeigt auf, dass viele People of Colour von der Polizei kontrolliert werden. Rund 53 Prozent der 717 Befragten gaben an, in den letzten 12 Monaten mindestens ein Mal von der Polizei aufgefordert worden zu sein, sich auszuweisen. Davon waren 51 Prozent der Ansicht, dass die Amtshandlung nicht korrekt verlaufen sei.

 

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