Rasiermarke Billie zeigt: Man kann auch mit Schamhaaren schwimmen gehen

Die Rasierermarke Billie will Körperbehaarung entstigmatisieren - und zeigt im neuen Werbespot auch Intimbehaarung.

Billie will Schambehaarung entstigmatisieren.

Wie man einen Beachbody bekommt, ist inzwischen hinlänglich bekannt: Man habe einen Körper und gehe an einen Strand. Tada: Beachbody! Die Message funktioniert so gut, dass sie inzwischen auch in der Werbung Einzug halten darf. Die US-amerikanische Rasierermarke Billie beweist im aktuellen Clip erneut, wie gut das trotz Werbebotschaft sein kann.

Mit der neuen Kampagne "Red, White and You do You" räumt die Marke mit der klischeehaften Sommer-Rasur-Werbung auf. Am Strand von Billie wohnen nämlich keine langbeinigen, glattrasierten Frauen, deren schlanke Körper in bauschigen, weißen Stoffen vor atemberaubender Meereskulisse posieren dürfen. Die Frauen in Billies neuem Werbespot sind Schwarz und weiß, dünn und dick, rasiert und mit Körperbehaarung. Da werden behaarte Achseln in die Sonne gestreckt und unrasierte Beine auf Sonnenliegen überschlagen. Und siehe da: Selbst Schamhaar kräuselt sich aus den Bikinihoserln und Badenanzügen heraus als wenn es das Normalste der Werbe-Welt wäre.

Schamhaare sind okay!

Georgina Gooley, Mitbegründerin von Billie, sagt: "Es scheint oft so, als wären Schamhaare dermaßen inakzeptabel, dass wir noch nicht mal darüber reden können. Aber das sind sie nicht, deshalb wollen wir die klare Message senden: Es ist okay, über Schamhaare zu sprechen – genauso wie es okay ist, Schamhaare zu haben."

Mit Darstellerinnen wie Lindsay Zae oder Yaminah Mayo, die auf ihren Instagram-Accounts offen mit ihrer Körperbehaarung umgehen, verschafft sich Billie zusätzlich Glaubwürdigtkeit. Die Models wären zunächst zwar vom offenen Konzept überrascht gewesen, hätten sich aber rasch überzeugen lassen: "[...] Wir fotografierten alles aus einem weiblichen Blickwinkel. Der Female Gaze ist anders, als die sonst übliche Art und Weise. Er suggeriert nämlich gerade nicht, dass Frauen sich unwohl fühlen, wenn sie ihre Schamhaare in der Öffentlichkeit zeigen. Denn das sollen sie nicht", so Gooley.

„Jeden Sommer setzen die Medien Menschen, die sich als Frauen identifizieren, unter Druck, den perfekten 'Beach Body' haben zu müssen", sagt auch Ashley Armitage, Regisseurin und Fotografin der Billie-Kampagne in einem Presse-Statement. "Wohin wir auch schauen, sehen wir Werbung, die uns sagt, wir sehen nur gut im Badeanzug aus, wenn wir dünn, fit und haarlos sind. Durch diesen Videoclip soll Körperbehaarung normal werden und wir wollen zeigen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, sich zu rasieren.“ Von der Diversität bis zur bodypositiven Message ist also alles dabei. Nur Rasierer sucht man in der Rasiererwerbung vergeblich.

Rasierer für und gegen Körperbehaarung

Mit Körperbehaarung und der gesellschaftlichen Akzeptanz für ebenjene zu werben, wenn man eigentlich Rasierer verkaufen will, ist ein Spagat den Billie nicht zum ersten Mal versucht. Schon 2018 machte das Unternehmen das Tabu um weibliche Körperbehaarung zum Thema. "Project Body Hair" hieß die Kampagne. Im Spot dazu rasierten sich Frauen echte Körperbehaarung ab - oder auch nicht. Und auch das wäre okay, meint Billie.

Rasurprodukte in ihrer bloßen Existenz sind nun aber dazu da, Körperbehaarung zu entfernen und Werbung für Rasierprodukte - egal wie divers die Bilder auch sein mögen - ist nun Mal Werbung für die Entfernung von Körperhaaren. Der nächste logische Schritt wäre wohl, Pflegeprodukte für Achsel-, Bein- und Schambehaarung anzubieten. Und warum eigentlich auch nicht! Körperbehaarung ist nämlich tatsächlich eines der normalen Dinge der Welt.

 

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