Rachegelüste

Jeder hatte schon Rachegedanken an den Chef, den Ex oder die unfreundliche Verkäuferin. Doch wo kommen diese Rachegelüste her? Wir verraten Ihnen, wie Rache funktioniert und was die Hintergründe und Beweggründe dafür sind.

Rache ist in den letzten Jahren zu einem großen Forschungsfeld geworden. Wie kommt der Mensch zu einer solch düsteren und destruktiven Gefühlsregung? Was treibt ihn zum scheinbar triebgesteuerten Bedürfnis nach Vergeltung?

Klar, Rache ist eine Sache von Stolz, Hass, Wut und einer verletzen Seele. Selbst über Generationen hinweg werden die Gesetze des Hasses weitergetragen - ein endloses Spiel mit der Absicht, im Namen der Gerechtigkeit Ausgleich zu schaffen. Deswegen gibt es auch im 21. Jahrhundert verfeindete Ethnien, Länder, Nationalitäten die den Hass und die Verachtung dem Anderen gegenüber in sich tragen. Doch was sind die Hintergründe solcher Rachegelüste?

Der Schmerz hinter der Rache

So ist das Hauptmotiv der Rache, für Gerechtigkeit zu sorgen, ganz nach dem Motto: „Wie du mir, so ich dir". Und dahinter steckt nicht etwa der konkrete Wunsch nach einem Schaden, den der Andere erleiden soll, sondern die Wiedererlangung der eigenen Würde - die Wiedergutmachung der mit der ersten Tat verbundenen Kränkung.

Also muss immer die Handlung des Anderen Auslöser für die eigenen Rachegelüste sein. Der Geschädigte fühlt sich herabgesetzt und erniedrigt, erst recht, wenn der Gegner selbstherrlich und arrogant daher kommt. Ursprünglich entsteht also ein Schmerz, der den eigenen Selbstwert verletzt, und dieser soll möglichst bald wiederhergestellt werden. Zu unangenehm ist das Gefühl, minderwertig zu sein. Der Schmerz im Knie verärgert oft weniger als die Unverschämtheit, dass jemand einem ein Bein gestellt hat. Im Sinne eines moralischen Prinzips sorgt nun der Instinkt für Gleichheit und sucht nach einer Möglichkeit, zu strafen.

Zweck der Rache

Der Zweck der Rache liegt in der Beseitigung negativer Gefühle. Denn zu den ganz großen Rächern gehören vor allem Narzissten - Menschen mit einer überhöhten, doch instabilen Selbstwertschätzung, und auch jene, die großen Wert auf Status und Autorität legen. Der Betroffene kann nicht ertragen, mit der Schande leben zu müssen, sein Gesicht verloren zu haben - und setzt nun alles darauf, sein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen. Er glaubt tatsächlich, sein Glück ist ihm sicher, sobald seelische Gerechtigkeit durch Vergeltung erlangt wurde.

Leider haben die neu gewonnen Glücksgefühle, durch ausgleichende Tat errungen, keine langanhaltende Dauer. Das Hochgefühl fällt schon bald ab, da die beschwingenden Hormone nur kurz ausgeschüttet werden und die Konzentration der Botenstoffe schnell wieder sinkt. Und wie man sich versieht, sind altes Missbehagen wieder quälend spürbar.

Woher kommt sie?

An der Universität Zürich haben Wissenschaftler in sogenannten Vergeltungstests die Aktivität der Hirnareale zahlreicher Versuchsteilnehmer dokumentiert. Im entscheidenden Moment der aufflackernden Rache werden mit Hilfe eines speziellen Tomographen (PET) deren Köpfe gescannt. Die Ergebnisse zeigen: Im Gehirn entsteht eine Art Erwartungssystem, das der Mensch ebenfalls kennt, wenn er sich auf Sex, Drogen oder Süßes freut. Verblendet von wonniger Lust und Wohlbehagen glaubt er dann, ein bestimmtes Verhalten, das dem Gegner Schaden zufügen soll, sei dem eigenen Überleben oder der Weitergabe seiner Gene förderlich.

Rache ist eine Handlung, die den Ausgleich zuvor erlittenen Unrechts bewirken soll. Sie ist immer eine physische oder psychische Gewalttat.
 

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