Rache über Facebook: Wenn der Ex einen Fake-Account anlegt

Rechtsanwältin Katharina Braun erzählt aus Ihrer Praxis. Diesmal: Wenn der Ex-Freund auf einem falschen Facebook-Profil Nacktfotos postet.

Diesen Morgen wird Karin wohl nie vergessen: Bereits auf dem Weg zu ihrem Bürozimmer war Karin vorgekommen, dass sie von KollegInnen komisch gemustert wurde, kein freundliches Grüßen wie sonst. Kaum in ihrem Zimmer angekommen, stößt ihre befreundete Kollegin Elisabeth zu ihr: 'Sag mal was hast Du Dir denn bei den Beiträgen auf Facebook gedacht? Was soll das? Alle zerreißen sich das Maul über dich!“ Karin ist irritiert, sie ist überhaupt nicht auf Facebook. Als Elisabeth ihr die Fotos zeigt, würde Karin am liebsten im Erdboden versinken. Denn zu sehen ist Karin nackt, einmal auf einem Bett liegend, ein anderes Mal eingeschäumt unter einer Dusche. Auf dem Profil, das auf ihren Namen läuft, stehen Sätze wie „Ich bin stets auf der Suche nach potenten, geilen Männern". 

Karin vermutet sofort, dass ihr Exfreund und Kollege Paul dahinter steckt. Die Fotos hat Paul in einem gemeinsamen Urlaub aufgenommen, schon damals gegen ihren Willen. Auch sonst gefiel Karin Paul immer weniger. Seine dominante Art ging ihr zunehmend auf die Nerven und als sie sich in einen anderen Mann verliebte, beendete sie die Beziehung zu Paul. Der versuchte zuerst, Karin zurück zu gewinnen. Erfolglos. Offensichtlich hat Paul dann aus Rachen in Karins Namen einen Facebook Account angelegt und sich unter anderem mit Karins Kollegen befreundet - die natürlich davon ausgingen, dass die Anfrage von der echten Karin kam. Die ist nun bloßgestellt, in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht. Karin ist schwer geschockt. So schwer, dass sie in den Krankenstand gehen muss.

Was kann man gegen Fake-Facebook-Profile machen?

Folgendes gilt unter der Voraussetzung, es war tatsächlich Paul, der den falschen Account eingerichtet hat: Karin kann gegen Paul sowohl straf;- als auch zivilrechtlich vorgehen. Neben einer Rufschädigung (bei einer solchen handelt es sich um ein Privatanklagedelikt, diese wird daher nicht vom Staatsanwalt, sondern von der Privatperson selbst zur Anklage gebracht) hat Paul sich auch noch des Cyberstalkings gemäß § 107 c Strafgesetzbuch (hier drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe) schuldig gemacht. Bei Cyberstalking handelt es sich um ein Offizialdelikt, diese Strafbestimmung wird daher vom Staat verfolgt.

Die Staatsanwaltschaft kann bei facebook auch die Herausgabe der IP-Adresse bewirken. Zudem kann Karin Paul zivilrechtlich auf Unterlassung und Schadenersatz klagen. So könnten in etwa Therapiekosten für eine im Zusammenhang mit dem Vorfall erforderliche Therapie eingeklagt werden. In Frage kommt auch ein ideeller Schadenersatz, der – wie es in der Rechtssprache heißt - Karin für die durch die Beeinträchtigung ihrer Privatsphäre ausgelösten Unlustgefühle entschädigen soll. Die Bemessung der Entschädigung ist immer eine Frage des Einzelfalls.

Auch wird der Arbeitgeber  bzw. Betriebsrat zu informieren sein. Nachdem es sich hier um einen Übergriff eines Kollegen gegen eine Kollegin handelt, ist der Arbeitgeber verpflichtet, arbeitsrechtliche Konsequenzen setzen. In Frage kommt auch eine sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses, also Entlassung von Paul. Anderenfalls läuft der Arbeitgeber selbst Gefahr, schadenersatzpflichtig zu werden.

Der Ersatz möglicher sonstiger Folgewirkungen des Vorfalls, wie in etwa Karrierebeschneidung von Karin im Unternehmen, scheitern oft in der Praxis am Nachweis der Kausalität. So kann eben oft nicht nachgewiesen werden, dass die Rufschädigung die Ursache dafür war, dass Karin etwa bei Beförderungen außen vor blieb.

Immer wieder kommt es auch vor, dass diverse Accounts von sozialen Medien von Ex-PartnerInnen nicht neu angelegt, sondern ganz leicht geknackt werden, etwa weil sie die Passwörter kennen oder sich diese leicht von Gewohnheiten wie Lieblingssportmannschaft ableiten. So werden dann auf echten Profilen falsche Nachrichten oder Postings abgesetzt. Tipp: Nach Beendigung einer Beziehung Passwörter ändern.

Wenn Du glaubst, dass Dein Facebook Account geknackt wurde, hier die Anleitung von Facebook hierzu: https://de-de.facebook.com/help/131719720300233

Das Recht auf Wahrung der Privatsphäre ist geregelt in § 1328a. ABGB (1) Wer rechtswidrig und schuldhaft in die Privatsphäre eines Menschen eingreift oder Umstände aus der Privatsphäre eines Menschen offenbart oder verwertet, hat ihm den dadurch entstandenen Schaden zu ersetzen. Bei erheblichen Verletzungen der Privatsphäre, etwa wenn Umstände daraus in einer Weise verwertet werden, die geeignet ist, den Menschen in der Öffentlichkeit bloßzustellen, umfasst der Ersatzanspruch auch eine Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung.

Katharina Braun Anwältin WIENERIN Kolumne

Kolumne: Frag' die Braun!

Mag. Katharina Braun ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Ehe- und Familienrecht, also die Themen Ehevertrag, Scheidung, Obsorge, Unterhalt, Besuchsrecht und Lebensgemeinschaft. Für die WIENERIN berichtet sie aus ihrer Praxis und erklärt anhand konkreter Fälle rechtliche Möglichkeiten.

www.rechtsanwaeltin-braun.at

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