Queer sein ist Teil der menschlichen Geschichte

Queere Menschen gibt es in der Geschichte des Menschen so lange wie es Aufzeichnungen gibt. Wir haben einen Rückblick in die Vergangenheit.

Queer sein in der Geschichte

In Amerika gibt es in mehreren Staaten Gesetze, dass Kinder nicht mehr über queere Personen aufgeklärt werden dürfen, um diese nicht zu beeinflussen. In Ungarn ist 2021 ein umstrittenes Homosexuellen-Gesetz in Kraft getreten, Polen hat Teile des Landes zu LGBTQ+-freien Zonen erklärt. In Österreich hat es bis 2022 gedauert, dass homosexuelle Personen Blutspenden dürfen. All das passiert im 21. Jahrhundert. Dabei ist Queer sein nichts Neues und keine Modeerscheinung. Im Gegenteil. Geschichtliche Aufzeichnungen zeigen, dass das seit Jahrtausenden Teil der Menschheit ist. Das dokumentiert das Buch Zehntausend Jahre Sex von Nansen & Piccard, das im ecowin Verlag erschienen ist. Wir haben einen ausgewählten Rückblick in die Vergangenheit.

1350 v. Christus in Ägypten

Der Pharao Echnaton, so wird es durch Steinbüsten und Schriften überliefert, war vom Aussehen geschlechtlos. Während andere Herrscher sich als mächtige Krieger mit großen Muskeln inszenierten, wird der Pharao mit feinen Gesichtszügen, vollen Lippen, sanft geschwungenen Augen und schlank und feingliedrig beschrieben. Grund dafür war, dass Echnaton eine neue Religion gründete, bei der nicht mehr verschiedene weibliche und männliche Götter verehrt wurden, sondern die Sonne selbst. Dieser Sonnengott war geschlechtlos, was sich auch auf die Mode von damals auswirkte. Männer und Frauen glichen sich mehr an, beide Geschlechter schminkten sich, trugen Perfüm, Schmuck und Perücken.

591 v. Christus in der Ägäis

Die Dichterin der Antike Sappho gründete auf der griechischen Insel Ägäis ein Mädcheninternat. Ziel war es eigentlich die Frauen zur perfekten Partnerin zu erziehen, allerdings scheint die Realität etwas anders ausgesehen zu haben. In den Gedichten der Internatsleiterin kamen selten Männer vor. Und wenn dann nur als wichtigtuerische, lästige Wesen, die ihr die schönen Freundinnen streitig machen wollten. Was sie mit diesen Freundinnen erlebte, hielt sie in Gedichten fest und wurde dafür heftig kritisiert. Nicht übrigens, weil sie Sex mit Frauen hatte. Zu dieser Zeit war es in Griechenland gängig, dass Männer beispielsweise eine Ehefrau und einen Liebhaber haben. Kritisiert wurde sie dafür, dass sie ihr Begehren und Fantasien so klar formulierte. Das Word Lesbe bzw. lesbisch kommt übrigens von dem Namen der Insel: Lesbos.

430 v. Christus in Griechenland

In Sparta war es ein großes Kompliment, wenn man als Junge von einem angesehenen Krieger gekidnappt und zum Geliebten gemacht wurde. In dem Kriegerstaat wurden die jungen Männer von dem Krieger und älteren Liebhaber ebenfalls zum Krieger ausgebildet. Man ging davon aus, dass der Samen Kampfgeist, Stärke und Mut übertrug und somit an Frauen quasi verschwendet war. War die Ausbildung erstmal abgeschlossen, heirateten die Männer eine Frau und nahmen sich selbst einen jungen Mann, den sie "ausbildeten".

100 v. Christus bei den Kelten

Poseidonios, ein griechischer Philosoph, reiste zu den Kelten und war schockiert. Diese rasierten sich am ganzen Körper, die Männer wie die Frauen. Sie trugen Hosen. Und die Männer ignorierten laut dem Philosoph die Frauen und vergnügten sich nur unter sich. Aber das war nicht das, was den Griechen so schockierte. Schließlich war es auch Teil seiner Kultur. Was er aber befremdlich fand, war, dass nicht nur Sklaven, Frauen und Knaben als Lustobjekte galten, sondern auch gestandene Krieger.

4 v. Christus in China

Der chinesische Kaiser Han Aidi hatte einen Liebhaber, den Stallburschen Dong Xian, der zu Lebzeiten dank Geld, Adelstitel und Luxusanwesen von der Liebe des Kaisers profitierte und auch neben ihm begraben wurde. Da der Kaiser aber keine Kinder zeugte, bröckelte bald die Monarchie. Das war ein Problem, tat aber der gleichgeschlechtlichen Liebe und dem Sex in der chinesischen Kultur keinen Abbruch. Das änderte sich erst, als die Europäer inkl. Waffen, dem Christentum und Homophobie in China ankamen.

Mehr Infos dazu, wann der erste Umschnalldildo in der Literatur auftauchte, welches Volk den ersten Porno illustrierte oder wie Online-Dating 100 Jahre nach Christus funktionierte, findet ihr im Buch Zehntausend Jahre Sex aus dem Ecowin Verlag.

 

Aktuell