Queen of Drags: Darf Heidi Klum Drag Queens küren?

Die umstrittene TV-Show "Queen of Drags" mit Heidi Klum startet heute auf Pro Sieben. Vorbild ist das höchst erfolgreiche US-Format RuPauls Drag Race, das von der schwarzen Dragqueen RuPaul erfunden wurde auch bis heute gehostet wird.

Kandidat*innen der Show "Queen of Drags"

Heute, am 14. November um 20.15 Uhr, startet auf Pro Sieben die im Vorfeld sehr umstrittene Travestie-Show Queen of Drags. Damit soll der Kunstform der Dragqueens endlich eine große Bühne geboten werden und sie jene Wertschätzung erfahren, die ihnen so lange verwehrt blieb. So sieht es der Sender - Pro Sieben. "Wir freuen uns auf faszinierende, facettenreiche Drag-Künstler und auf jede Menge magische Momente, Haarspray, Make-Up, Gloss und Glitzer!“ (mehr dazu hier)

Petition gegen Moderatorin Heidi Klum

Doch die Jurybesetzung hat bereits vor Monaten zu Protesten und einer Petition geführt. Unter dem Motto "Kein Foto für Heidi" kritisierten die beiden deutschen Drags Ryan Stecken und Margot Schlönzke, dass man Heidi Klum statt einer echten Dragqueen ausgewählt hatte. Margot Schönzke zur WIENERIN: "Bei der Jury geht es doch um Kompetenz. Sie hat sich bis jetzt null verdient gemacht um die Historie der Drags oder warum man überhaupt Drag wird. Sie hat von Coming Out und dem ständigen Zwiespalt mit sich selbst keine Ahnung, das ist ihr völlig fremd.“

Schwerpunkt auf Drama statt Drag-Kunst

Den österreichischen Jury-Teil, Conchita Wurst, findet sie hingegen gut, aber das reiche nicht: "Tom Neuwirth als Conchita ist top besetzt, keine Frage. Bill Kaulitz kann man schon schwieriger sehen, weil er bis heute nicht mal offiziell als schwul geoutet ist. Ist jetzt aber nicht unser Kritikpunkt, denn es sind Sidekicks. Das Gesicht, das Format ist Heidi Klum. Wäre das Conchita? Top. Klasse.“ In der Petition wird noch genauer formuliert, was man befürchtet: "Es geht vielmehr um das Keifen, das persönliche Drama, die bloße Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischees. Die Teilnehmer*Innen sind dort nur noch Mittel zum Zweck. Qualität wird geopfert, um die Quote durch Bedienen des gesellschaftlichen Voyeurismus zu retten.“

Heidi Klum zu ihrer Rolle als Jurorin: "Ich liebe und bewundere die Drag-Kunst seit Jahren. Nach der engen Zusammenarbeit mit den Drags bei #GNTM, dachte ich mir, diese Kunst braucht ihre eigene Show. Ich freue mich, Bill Kaulitz und Conchita Wurst für dieses neue Format gewonnen zu haben. Wir schlüpfen in die kreative Welt der Drags, zeigen ihre unterschiedlichen Talente, erzählen ihre Geschichten und verwirklichen ihre Träume.“

Ein deutschsprachiges RuPauls Drag Race?

Vorbild ist das höchst erfolgreiche US-Format RuPauls Drag Race, das von der schwarzen Dragqueen RuPaul erfunden wurde auch bis heute gehostet wird.

Insgesamt sind 10 Dragqueens mit dabei und in jeder Folge muss eine der Künstlerinnen gehen. Die Bewertung nimmt allerdings nicht nur Heidi Klum vor, sondern jedes Jurymitglied hat 10 Punkt zu vergeben, am Ende muss jene Drag gehen, die am wenigsten Punkte hat. In jeder Folge wird es zudem auch noch eine Gastjuror*in geben – in der ersten wird es die bekannte Hamburger Dragqueen Olivia Jones sein. Gedreht wurde in einer Villa in Los Angeles – in jeder Folge geht es um eine Motto, das die Dragqueens interpretieren und performen können. In der ersten lautet das Motto "The Art of Drag“.

Mit der Grazer Dragqueen Samantha Gold gibt es auch eine österreichische Teilnehmerin. Sie wurde bereits 2015 zur Miss Tuntenball gekürt und tritt regelmäßig in Olivia Jones Show-Club auf dem Kiez in St. Pauli auf.

Für die Dezemberausgabe der WIENERIN, die am 21. November erscheint, haben wir die Wiener Drag Queen Tamara Mascara getroffen und (unter anderem) die Kontroverse um "Queen of Drags" genauer beleuchtet. Stay tuned!

 

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