Psychologie: 6 Gründe, warum Menschen lügen

Denn aus der Psychologie weiß man: Die wenigsten Lügen entstehen aus reiner Boshaftigkeit heraus.

Lügen

Aus einem "Ich hab‘ keine Lust" wird schnell mal ein "Ich hab‘ keine Zeit". Anstatt zu sagen "Sorry, ich hab' dich ignoriert" schwindeln wir eben mal lieber "Uff, habe deine Nachricht erst jetzt gesehen, sorry!" Warum haben wir das Gefühl, selbst bei ganz banalen Dingen lügen zu müssen? Robert Feldman forscht an der University of Massachusetts zu "verbalen Täuschungen" und erklärt gegenüber health.com, welche Motivationen am häufigsten hinter Lügen stecken:

1. Als soziale Taktik

Der häufigste Grund für kleine Schwindeleien ist jener, dass Lügen eine „sehr effektive Taktik im gesellschaftlichen Zusammenleben“ sind. Wenn es sich dabei nur um kleine Notlügen ohne Konsequenzen fürs Gegenüber handle, sei das auch vollkommen okay, denn: „Menschen erwarten nicht, dass man sie anlügt. Sie gehen grundsätzlich davon aus, dass das Gegenüber die Wahrheit sagt, weshalb wir ganz oft mit kleinen Lügen davonkommen.“

2. Um jemandem zu schmeicheln

Sei ehrlich: Wie gefällt dir meine neue Haarfarbe? wäre eine klassische Ausgangssituation, in der Menschen oft unehrlich antworten – eben, um den*die Gesprächspartner*in nicht zu verletzen. Dahinter steckt oft, dass wir etwas vom Gegenüber brauchen und uns deshalb gut stellen wollen mit ihnen, wir sie schlichtweg nicht verletzen möchten oder um "awkwardness" zu vermeiden, so Feldman.

3. Um jemanden zu beeinflussen

Apropos etwas vom Gegenüber brauchen: "Menschen lügen oft, um Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken und am Ende das zu bekommen, was sie wollen", erklärt der Psychologe. Am besten sei das erkennbar in einem Verkaufssetting – etwa, wenn der*die Verkäufer*in in einem Drogeriemarkt erklärt, dass er/sie in der Vergangenheit unter Akne litt und nur Produkt XY geholfen habe: "Lügt er/sie? Vermutlich. Funktioniert’s trotzdem? Jap."

4. Um bewundert zu werden

Lügen entstehen laut dem Forscher in den meisten Fällen aus einer Unsicherheit heraus. Einer der häufigsten Gründe für Unwahrheiten sei demnach auf einen Mangel an Anerkennung zurückzuführen. "Menschen wollen von anderen gemocht werden. Und wir möchten, dass Menschen von uns beeindruckt sind. Manchmal wollen Menschen ihr Gegenüber sogar bewusst einschüchtern", erklärt er. Vor allem im beruflichen Kontext seien Lügen in Form von Übertreibungen daher nicht selten.

via GIPHY

5. Um negative Konsequenzen zu vermeiden

Wir kennen das alle aus der Kindheit: Etwas geht kaputt und auf die Frage "Warst du das?" brabbelten wir nur irgendwas von "Hund von den Nachbarn". Im Laufe des Lebens werden wir allerdings immer bessere LügnerInnen – und nutzen das laut Feldmans Forschungen auch häufig, um uns oder andere vor negativen Konsequenzen zu schützen.

6. Um eine Lüge aufrecht zu erhalten

Wenn wir schon bei negativen Konsequenzen sind: Lügen haben einen klassischen Schneeballeffekt. Was mit einer kleinen, scheinbar banalen Notlüge startet, kann zu immer größeren Unwahrheiten führen. Psychologisch gibt es zwar ein paar mehr oder weniger nachvollziehbare Gründe für kleine Notlügen, aber, so Feldman: "Langfristig gesehen ist immer die Wahrheit die bessere Option."

 

Aktuell