Proteste in Hotels: Auf Ibiza streiken alle Putzkräfte

Auf der spanischen Ferieninsel wehren sich am Wochenende 8000 Hotel-Bedienstete gegen Ausbeutung und Akkordarbeit.

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Zehntausende UrlauberInnen müssen am kommenden Wochenende ihre Hotelzimmer selbst in Ordnung bringen. Kein geputztes Badezimmer und schon gar kein aus Handtüchern gebastelter Schwan werden nach dem Tag am Strand auf die TouristInnen warten. Denn rund 8000 Putzkräfte haben mitten in der Hochsaison einen Streik ausgerufen.

Die Liste der Klagen ist lang

Diskriminierung, kaum soziale Absicherung, wenig freie Tage, unbezahlte Überstunden, harte Akkordarbeit und geringe Löhne – die Liste der Klagen ist lang. Jetzt soll in Spaniens Touristen-Hochburgen 48 Stunden lang Ausnahemzustand gelten. Die Las Kellys, eine Vereinigung der Zimmermädchen, hat für das ganze Wochenende Streiks angekündigt, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Neben Streiks auf Ibiza und Formentera, soll es auf Mallorca und dem spanischen Festland parallel Protestkundgebungen geben.

Streiks für würdige Arbeitsbedingungen

HotelbetreiberInnen bekamen in den letzten Monaten bereits die Wut der Las Kellys zu spüren. Immer wieder versammelten sich die Putzkräfte vor Hoteleingängen und demonstrierten mit Transparenten mit Aufschriften wie: "Wir wollen würdige Arbeitsbedingungen!" Dazu gehöre vor allem, dass die Arbeitsbelastung verringert wird. "Normalerweise müssen wir 21 oder 22 Zimmer pro Tag säubern, aber manche Kolleginnen müssen bis zu 30 Zimmer herrichten. Das ist unmenschlich", so Milagros Carreño, Sprecherin der Vereinigung.

Gesundheitsschäden als Folge unwürdiger Arbeitsbedingungen

Zu den Zimmern kommen auch noch Gänge, Eingangshallen und Essbereiche. "Einige Zimmermädchen haben nicht einmal Zeit, eine Essenspause zu machen", klagt die Sprecherin weiter. Chronische Gesundheitsschäden seien die Folgen dieser unterirdischen Arbeitsbedingungen. Viele der Frauen würden den Arbeitstag nur mit Schmerztabletten durchhalten. Das zeigt auch eine Umfrage der Gewerkschaften: 70 Prozent aller Zimmermädchen nehmen Tabletten ein, am häufigsten wegen Rückenbeschwerden oder Depressionen. Die Las Kellys fordern daher auch das Anerkennen ebendieser Gesundheitsschäden als Berufskrankheiten.

Tourismus in Spanien boomt

Von Jahr zu Jahr meldet das Fremdenverkehrsamt neue BesucherInnen-Rekorde, vergangenes Jahr kamen etwa 83 Millionen UrlauberInnen nach Spanien. Die rund 200.000 Zimmermädchen profitieren allerdings nicht von dem Boom. Häufig vergeben viele Hotels den Reinigungsservice an externe Firmen, wodurch sich die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert haben. Eigentlich müssen Hotelangestellte laut Tarifverträgen monatlich etwa 1500 Euro brutto bekommen, in der Praxis werden die Tarife aber nicht eingehalten. Vor allem externe Reinigungsfirmen zahlen selten mehr als 1000 Euro brutto, so die Las Kellys.

Dabei seien Reinigungskräfte "die wahren Stars der Hotels", wie auf manchen Plakaten geschrieben steht. Damit wollen die Las Kellys zeigen, dass sie neben besseren Arbeitsbedingungen auch endlich mehr Anerkennung fordern – etwa auch in Form von Trinkgeld von Gästen. Die wenigsten würden laut Sprecherin allerdings eine Anerkennung dalassen.

Willkommmen im "Hotel Ausbeutung!"

Sichtbar werden die schlechten Arbeitsbedingungen der Zimmermädchen auch in dem dokumentarischen Kinofilm "Hotel Ausbeutung". "Wir halten den Tourismus, den wichtigsten Motor der nationalen Wirtschaft, in Gang", stellt darin eine Reinigungskraft klar, trotzdem würden die Zimmermädchen teilweise wie Sklavinnen behandelt werden, aber: "Wir sind keine Maschinen, sondern Menschen!"

 

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