Programmieren? Ein Kinderspiel!

Rätsel knacken, Probleme lösen, Roboter bauen: Toll, wenn sich Kinder bereits Volksschulalter spielerisch informatorisches Wissen aneignen. Aber kann Programmieren jeder lernen?

Vor der Digitalisierung und dem Einzug neuer Technologien in alle Bereich des Berufs- und Privatlebens kann man sich entweder fürchten oder sich aktiv damit auseinandersetzten. Technik zu beherrschen und zu entwickeln erfordert jedoch Kenntnisse und Fähigkeiten, die in Österreich (noch) nicht auf dem Lehrplan von VolksschülerInnen stehen.

Auch das außerschulische Angebot in dieser Richtung ist mager. Dass aber die InnovatorInnen von morgen heute schon das nötige Rüstzeug brauchen, um am Arbeitsmarkt der Zukunft bestehen zu können, versteht sich von selbst.

Fühlt sich wie spielen an

Aufs Leben vorbereiten

Aber wie kann man Kindern die Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts flockig vermitteln? Peter Gawin und seine Frau Anna vom „DaVinci Lab“, einem Start-Up zur Förderung digitaler Kompetenzen und Kreativität, haben die Antworten.

Ihre ausgeklügelten didaktischen Konzepte für Kinder zwischen 7-14 Jahren verbinden nach dem Prinzip des integrierten Lernens u.a. Bereiche wie Engineering, Coding und Robotik, Kreativität, aber auch Zusammenarbeit auf spielerische Weise.

Wissen erlebbar machen

„Wir wollen Wissen erlebbar machen“, erklärt das Gründer-Duo: „Kinder, die nur auf Knöpfe drücken und einen Roboter fahren lassen, den sie nicht selbst gebaut haben, verstehen nichts von Mechatronik. Das ist uns zu wenig. Kinder sind von Natur aus neugierig und bereit, Herausforderungen anzunehmen.

Anstatt sich passiv dem Spielkonsum hinzugeben, sollen Kinder sich lieber selbst Spiele ausdenken, Youtube-Videos produzieren und artikulieren, was sie zu sagen haben, und nicht konsumieren, was jemand anderer für sie produziert hat.“

Kinder programmieren

WIENERIN: Wie bringt man Kindern bei, zu programmieren?

Peter Gawin: Uns geht es nicht nur darum, die Kinder dazu anzuleiten, wie sie computerunterstützt komplexe Probleme lösen können, sondern ganz allgemein darum, problemlösendes Verhalten einzuüben.

Um programmieren zu können, ist logisches Denken notwendig. Man muss vorerst das Problem selbst von Grund auf verstehen. Ist das Problem sehr komplex, muss man es in Einzelteile zerlegen und dann dafür Algorithmen und Lösungswege finden. Genau das lernen die Kinder: Wie gehe ich ein komplexes Problem an? Welche Strukturen erkenne ich dahinter? Was wären die Lösungswege?

Es gibt dabei immer verschiedene Lösungen, die mit einer visuellen Programmiersprache (= kindgerechte Programmiersprachen, in denen Programme, Algorithmen oder Systemverhalten durch grafische Elemente und deren Anordnung angezeigt werden), umgesetzt werden können. Informatik war früher den älteren Kindern bzw. den Studenten vorbehalten. Heutzutage gibt es Programme wie Scratch, die gratis im Internet zur Verfügung stehen.

Roboter selbst programmieren

In anderen Worten: Die Kinder erleben Programmieren am Computer und das anschließende Zusammenbauen der programmierten Teile als fließenden Übergang zwischen der virtuellen und reellen Welt?

Ja. Das Konstruieren und Programmieren von Modellen aus Lego We.Do 2.0- oder Mindstorms-Teilen (Spielzeug aus der Serie Lego Education, das als didaktisches Hilfsmittel im Unterricht eingesetzt werden kann) eignet sich hervorragend dafür, die programmierten Ergebnisse für die Kinder sichtbar in die reelle Welt zu übertragen.

Nur am Computer zu programmieren und dort gewisse Ergebnisse zu erzeugen ist eine Sache, man verbleibt in der virtuellen Welt - einer Welt, die es nicht gibt. Die Verbindung mit der reellen Welt ist dann durch die Robotik gegeben.

Warum empfehlen Sie, schon im Volksschulalter mit Coding und Robotik zu beginnen?

Weil Kinder in der dritten und vierten Klasse Volksschule besonders offen, aufnahmefähig und begeisterungsfähig sind und keine Berührungsängste mit digitalen Medien haben. In dem von der Wirtschaftsagentur Wien geförderten Pilotprojekt MadebyKids haben wir als DaVinci Lab Workshops mit über 500 Kindern an Volksschulen, NMS oder AHS durchgeführt.

Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kinder in der dritten und vierten Volksschule eher bereit sind, sich leidenschaftlich in einen Design-Thinking-Prozess (einer praktischen, kreativen Lösung von Problemen und Fragen) in Verbindung mit digitalen Medien zu stürzen als etwas ältere Kinder.

Soll das heißen, dass Kinder ab 10 bereits zu passiven Medien-NutzerInnen geworden sein könnten?

Die Gefahr ist da. Kinder, die nicht schon im Volksschulalter begeistert werden können, nutzen später vielleicht nicht mehr ihr volles Potential und neigen eher dazu, als bequeme Medien-KonsumentInnen zu agieren als gestalterisch mitzuwirken.

Ist Coding und Robotik eine Art Sprache, die die Kinder direkt erreicht?

Ich würde sagen, dass wir die Kinder dort abholen, wo sie Prozesse als Spiel empfinden. Wenn man gewisse Lerninhalte und Zielsetzungen in ein Spiel einbaut, dann lernen sie, ohne es zu merken.

MadebyKids

Im von der Wirtschaftsagentur Wien geförderten und DaVinci Lab finanzierten Projekt MadebyKids, das im Frühjahr 2017 an Wiener Schulen gestartet worden ist, wurden rund 500 Schüler an 10 verschiedenen Schulen und 20 verschiedenen Klassen vor die Herausforderung gestellt, ein reelles Konzept für die Zukunft (etwa „Das Klassenzimmer der Zukunft“) nach der Design Thinking-Methode zu erstellen und zu präsentieren. Zahlreiche Partner wie Microsoft, LEGO oder die Digital City Wien unterstützen das Projekt. Die Pädagogische Hochschule Wien und das Institut für Informatik der Uni Wien beforschen das Projekt in einer Begleitstudie.

Die Ergebnisse werden am 21. September 2017 im Wiener Rathaus im Rahmen einer feierlichen Abschlussveranstaltung der Digital Days 2017 präsentiert.

Denken lernen - Probleme lösen

Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums für Bildung „Schule 4.0“ wurde das Projekt „Denken Lernen – Probleme lösen“ im Mai 2017 gestartet. Das Projekt wird u.a. durch die pädagogische Hochschulen Wien und NÖ geleitet und durch DaVinci Lab unterstützt. Das Ziel dieser Initiative ist es, die informatorische Grundbildung in die Klassenzimmer von 100 Schulen österreichweit zu etablieren.

VIDEO: Wir haben alle unser "Egalgewicht"

 

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