Pro und Contra Blow Job

Für Männer ist klar: Oralsex ist Klasse. Und für Frauen? Ist die Sache etwas komplizierter. Das führt nicht selten zu Beziehungs-Stress.

"Also, im Prinzip versteh' ich mich mit meinem Freund ja recht gut, auch im Bett. Aber manchmal, wenn ich eine stressige Zeit und wenig Bock auf Sex habe, wird er echt mühsam. Da meckert er dann andauernd an mir herum, macht mir wegen jeder Kleinigkeit Vorwürfe, und als Höhepunkt jedes Streits kommt dann wie das Amen im Gebet: "... und außerdem blast du mir nie einen!" - Wenn er auf diese Art Druck macht, schalte ich natürlich erst recht auf stur. Und da dauert es mitunter ganz schön lange, bis wir uns wieder vertragen und locker miteinander schlafen können."

Miriam, 29, Sachbearbeiterin

Männer wollen liebgehabt werden.

Klar, wollen wir auch. Aber: Männer haben eine bestimmte Vorstellung, an welchen Körperteilen Liebgehabt-Werden besonders wichtig ist. Und hier kommt es zu kleineren - oder größeren - Differenzen. Sexualtherapeut Dr. Dieter Schmutzer kennt diese Differenzen aus diversen Studien und unzähligen Fällen aus der Praxis: "Für nahezu alle Männer ist Oralverkehr ein ganz, ganz wesentliches Element sexueller Betätigung. Fellatio gehört für sie zu den aufregendsten und am meisten gewünschten Praktiken - und das geht überhaupt nicht zusammen mit den Bedürfnissen der Frauen, das klafft extrem auseinander." Er zitiert eine Studie, derzufolge über 70 Prozent der Männer auf Oralverkehr stehen - aber nur 52 Prozent der Frauen. In einer anderen Umfrage des ifat-Instituts von Dr. Walter Hoffmann stimmten im Schnitt nur etwa 24 Prozent der Frauen dem Superlativ "Für mich gehört Oralverkehr zu den schönsten Dingen der Sexualität" zu - aber ziemlich genau 40 Prozent der Männer.

Woher kommt diese Kluft? Sind es immer noch die alten Tabus aus der Zeit von Maria Theresia, als Oralverkehr unter den Begriff "Sodomie" fiel und strafrechtlich geahndet wurde? "Vermutlich", meint Dr. Schmutzer, "sind sogar bei modernen Frauen noch Reste dieser Denkart vorhanden. Oralverkehr galt immer als frivoles Treiben, als abartige Praktik, die den sündigen Weibern vorbehalten war, während eine anständige Frau nur das gemacht hat, was eben der Fortpflanzung dient."

"Mir gibt Oralsex überhaupt nichts. Mir graust, mich reckt's, ich finde es erniedrigend. Ich mache es meinem Freund höchstens, wenn er mal besonders toll oder lieb war, aber ich empfinde dabei überhaupt nichts - ich könnte mir währenddessen einen Micky-Maus-Film anschauen."

Anja, 24, Studentin

Neben dem immer noch wirksamen Tabu ist es, so Schmutzer, "natürlich auch eine Geschmacksfrage. Wenn eine Frau besonders geruchs- oder geschmacksempfindlich ist, kann es ekelerregend sein." - Ein Problem allerdings, das sich mittels termingerechter(!) Körperpflege relativ leicht aus der Welt schaffen ließe. Nicht so easy mit Wasser und Duschgel zu entfernen sind jedoch gewisse zwischenmenschliche Aspekte, die vielen Frauen die Lust auf seinen Kleinen vergällen.

"Wenn da eine Frau nicht sehr selbstbewusst ist und wieder selbst das Ruder übernimmt, ist das schon eine ziemlich aggressive Form von Penetration - und das noch dazu im Gesicht."
von Dieter Schmutzer, Sexualtherapeut

Blow Job als Machtdemonstration?

Allem voran "die Dominanzgeschichte, die Geste: ,Runter mit dem Kopf, Kleines' ", so der Sexualtherapeut. "Wenn da eine Frau nicht sehr selbstbewusst ist und wieder selbst das Ruder übernimmt, ist das schon eine ziemlich aggressive Form von Penetration - und das noch dazu im Gesicht."

"Im Prinzip habe ich nichts gegen Oralsex, mir graust auch nicht oder so. Aber ich finde es irritierend, wenn es auf einmal heißt: ,Komm, blas mir einen'. Das ist wie Geschirrabwaschen. Für mich gehört da im Kopf eine besondere Verliebtheit dazu, als Service in den Alltag einbauen kann ich es nicht. Da habe ich das Gefühl: Jetzt koche ich dir das Essen, wasche dir die Wäsche, und dort soll ich jetzt auch noch meinen Job machen, dass mir der Mund weh tut? - Nein, sicher nicht."

Stefanie, 31, Hausfrau

Neben dem verhassten "Tauch ab, Baby!" gibt es noch andere Formen von männlichem Machtgehabe. So zum Beispiel, wenn er ihren Mund als eine Art Sportplatz betrachtet, in dem er sich so richtig austoben kann. Passiert einer Frau das in jungen Jahren, vergeht ihr vielleicht für immer die Lust auf mündliche Zuwendungen. Schmutzer: "Wenn der Mann eher heftig und unsensibel ist, kann so ein ausgewachsenes Glied im Mund tatsächlich zu Erstickungsanfällen führen." Eine der Grundregeln bei Oralsex sei daher: "Er soll keinesfalls ihren Kopf festhalten und in ihren Mund reinstoßen wie bei einem echten Koitus."

Andere - gar nicht so seltene - Machtspielchen laufen unter dem Motto: "Verwöhn mich ordentlich, sonst kannst du sehen, wo du bleibst." Oder: "Was du willst, dass ich dir tu', das füg' mir mal als Erste zu ..." Eine animierende Haltung? Höchstens für Masochistinnen.

"Ich find's fad, weil ich nix davon hab'. Bei meinem Freund ist das so: Wenn ich einmal mit einem Blowjob anfange, will er nicht mehr, dass ich aufhöre. Wenn ich aufhöre, ist er sauer und macht bei mir auch nichts mehr. Und wenn ich es bis zum Schluss mache - ja, dann kommt er schnell und will danach nur noch schlafen oder fernsehen."

Verena, 26, Webdesignerin

Die typische Antwort auf solches Gehabe: Verweigerung. Mouth wide shut. Denn im Prinzip haben die meisten Frauen ja nicht unbedingt etwas dagegen, ihren Partner im Bett zu verwöhnen - aber nur, solange das Ganze auf Gegenseitigkeit basiert. Und nicht zu einem Egotrip verkommt, bei dem sie am Ende frustriert an die Decke starrt, während er selig im Nirwana schwebt.

"Blasen ist eine gute Methode, um dir einen Mann vom Leib zu halten, wenn du nicht aufmachen willst. Ich hatte einmal so eine Beziehung, wo ich es ihm öfter mit dem Mund gemacht habe, damit er zufrieden ist und mich ansonsten in Ruhe lässt. Bei meinem jetzigen Freund aber stört es mich, wenn er so hineinkippt, dass er dann nur noch im Mund bleiben und nicht mehr in die Muschi hinein will. Da habe ich das Gefühl, es geht ihm nur um sein eigenes und nicht um unser gemeinsames Glück. Wenn das so eine einseitige Sache wird, steige ich sofort aus. Einmal habe ich sogar kurz vor seinem Orgasmus abgebrochen, da war er ganz fertig. Er stöhnte: ,Das kannst du nicht machen, ich fall' ins Bodenlose!' Ich glaube schon, dass er sich da ziemlich im Stich gelassen gefühlt hat - aber was soll's, das habe ich mich schließlich auch. Und ich will ganz einfach auch was davon haben."

Sigrid, 28, Malerin

Sind die Machtverhältnisse in der Beziehung ausgeglichen, gibt es kein ständiges Gerangel ums Geben und Nehmen, sind Frauen auch eher bereit, einmal nur die Gebende zu sein. Für viele hat es sogar einen eigenen Reiz, den aktiven Part zu übernehmen und ihn so zu verwöhnen, dass ihm Hören und Sehen vergeht.

"Bei mir ist es so: In ca. 80 Prozent der Fälle mache ich Oralsex an ihm als Teil des Vorspiels. Und ab und zu gebe ich unserem Sexleben einen Kick. Da nütze ich den Überraschungseffekt - und blase ihm einen beim Autofahren oder wenn wir irgendwo im Grünen unterwegs sind. Ich finde es faszinierend, wie lieb er danach zu mir ist - Männer sind da total berechenbar. Ja, wenn du das gut kannst, hast du schon enorme Macht über einen Mann."

Andrea, 36, Kauffrau

Der primäre Lustgewinn, so Dieter Schmutzer, sei beim Oralverkehr zwar dem Mann zugedacht. Aber sofern nicht verinnerlichte Tabus oder heimliche Aggressionen jegliches Empfinden unterdrücken, sollten auch Frauen ganz direkt etwas davon haben: "Die Lippen und die Mundschleimhaut sind an sich schon erogene Zonen, reizbar und hochsensibel. Also rein theoretisch gibt es das nicht, dass man da überhaupt nichts Angenehmes spürt. Außerdem kann es eine äußerst spannende Geschichte sein, die wachsende Erregung des Partners zu fühlen." Ganz seiner Meinung ist da die 33-jährige Marie:

"Das Feine am Blasen ist, dass man ihn nie so gut spürt, wie wenn man ihn im Mund hat. So sensibel, so intensiv, wie er pulsiert und reagiert. Und wie weich und zart dieses Köpfchen ja auch ist, das ist doch wohl die feinste Haut, die ein Mann so am Körper hat. Durch dieses genaue Spüren kommt man auch drauf, dass ein Mann was ganz anderes braucht als wir. Ich glaube, wenn man eine gute Liebhaberin sein will, muss man sich einfach wirklich darauf einlassen: Was ihm gut tut, und nicht, was man selber gern hätte."

Wer hat Angst vorm kleinen Mann? Niemand, niemand - nach diesen Tipps ...

Freiwilligkeit. Lassen Sie sich zu nichts drängeln oder zwingen. Sagen Sie Ihrem Partner im Fall des Falles, dass Druck die sicherste Methode ist, um einer Frau jegliche Lust auf Oralsex zu nehmen. Und dass er Ihnen die Zeit geben soll, von sich aus auf ihn zuzukommen.
Kopf befreien. Wenn Sie Oralverkehr als niederen Dienst empfinden, sollten Sie der Sache eine neue Bedeutung geben - so der Mann es Ihnen wert ist. Hilfreich sind Gedanken wie: Er gibt sich hin, er vertraut Ihnen sein empfindlichstes Teil an, und Sie sind diejenige, die Lust spendet - und dadurch auch eine gewisse Macht hat. Oder: "Als Baby habe ich auch an einem menschlichen Körperteil genuckelt, da müsste es doch jetzt auch noch Spaß machen ..."
Klare Abmachungen. Überlegen Sie vorher, wie weit und wie lange Sie sich darauf einlassen wollen. Sagen Sie ihm etwa, dass Sie es nur als Teil des Vorspiels sehen, oder dass Sie dafür ebenfalls von ihm mit dem Mund verwöhnt werden wollen, oder dass er Ihren Kopf nicht festhalten soll etc. Wenn Sie nämlich bis zum bitteren Ende weitermachen, obwohl Ihnen der Sinn nach was ganz anderem steht, züchten Sie nur Aversionen.
Pflegezustand. Waschen und rasieren - das tut nicht nur einem männlichen Antlitz gut, sondern schadet auch untenrum keinesfalls. Sollte der Geruch oder allzu üppiges Gekräusel Sie an oralen Zuwendungen hindern, braucht es den Mut für klare Worte. Im Übrigen können Sie eine kleine Badezimmer-Session auch als gemeinsames Vorspiel gestalten.
Startposition. Machen Sie es sich bequem, damit Sie nicht mittendrin einen Krampf bekommen; z. B.: Er sitzt auf dem Sofa, Sie knien davor. Oder Sie legen sich gemeinsam hin: Er auf dem Rücken, Sie entweder neben ihm mit dem Kopf auf seinem Bauch liegend oder zwischen seinen Beinen, mit dem Kopf auf seiner Hüfte. Eine Hand, die den Penis am Schaft hält, gibt Ihnen ein Gefühl der Kontrolle. Zeit lassen. Wenn Sie mit dem männlichen Fortpflanzungsorgan absolut nicht auf "Du und Du" sind, sollten Sie es langsam angehen. Schließen Sie mit dem Penis Freundschaft, indem Sie ihn erst mal ausgiebig betrachten, streicheln, vielleicht sogar ein wenig blödeln und mit ihm reden. Vielleicht bekommen Sie dann ja auch Lust auf einen Begrüßungs-Kuss.
Genießen. Probieren Sie einmal, mit dem Penis wie mit einem Labello über Ihre Lippen zu fahren. Spüren Sie, wie warm, glatt und pulsierend sein Ding sich im Mund anfühlt. Versuchen Sie immer, vom Kopf ins Gefühl zu kommen - und irgendwann geht's ganz von allein.
Sie möchten gerne eine gute Liebhaberin sein? Sind Sie - wenn Sie diese Tipps schon kennen.

Freiwilligkeit. Auch Männer wollen nicht, dass ihre Partnerin es nur aus Pflichtgefühl oder mit einem angewiderten Gesicht macht. Lobt sie seinen Penis hingegen und nimmt ihn genießerisch in den Mund, wird er Butter unter ihren Lippen.
Vorspiel. Auch Männer genießen um so mehr, je höher ihr Erregungsgrad ist. Sorgen Sie dafür, dass er schon ganz hart ist, bevor Sie ihn verwöhnen. Andererseits: Manche Männer sind am Penis besonders sensibel, wenn er noch etwas weicher ist. Ausprobieren!
Keine Zähne, bitte. Die Lippen über die Zähne ziehen und dann damit ein wenig Druck ausüben ist okay. Mehr nicht.
Gute Dramaturgie. Beginnen Sie, indem Sie seinen Penis küssen und an ihm lecken. Halten Sie den Schaft mit einer Hand fest, stimulieren Sie die Spitze mit der Zunge, stoßen Sie mit der Zungenspitze oben in die Öffnung hinein. Als Nächstes lassen Sie die Zunge um den Wulst herumgleiten, wo der Schaft in die Spitze übergeht, und lassen Sie sanft am Vorhautbändchen vibrieren. Wenn Sie bereit sind, ihn in den Mund zu nehmen, bedecken Sie die Zähne mit den Lippen und nehmen die ganze Penisspitze in den Mund, halten den Schaft mit der Hand fest und bewegen entweder den Mund oder die Hand rauf und runter. Halten Sie einen gleichmäßigen Rhythmus und festen Druck aufrecht.
Viel Speichel. Je feuchter, um so angenehmer und lustvoller wird es für ihn.
Feedback. Zeigen Sie ihm, dass Sie Spaß daran haben - machen Sie "Mmmh" oder Komplimente über die Härte und Größe seines Penis - Männer stehen auf Lob ...
Erogene Zonen. Streicheln, massieren und lecken Sie nebenbei auch die Gegend um seinen Damm, seinen Anus, seine Hoden. Verwenden Sie immer beide Hände - eine, um ihn anderswo am Körper zu stimulieren, und die zweite, um den Penis zu führen.
Abwechslung. Männer sind begeistert, wenn sie in puncto Blowjob mit ausgefallenen Zeiten, Orten oder Stellungen überrascht werden. Sie können auch mit dem Thema Macht spielen. Beispiel: Nur einer ist völlig nackt, der andere angezogen. Sie spielen die Chefin, oder aber die Lustsklavin.
Blickkontakt. Die meisten Männer macht es sehr scharf, wenn Sie ihn währenddessen anschauen und Schlafzimmeraugen machen. Und: Sie bleiben dadurch auch mental in Kontakt.
Parcours erotique. Reizen Sie ihn gnadenlos, bis kurz vor dem Orgasmus - und konzentrieren Sie sich dann wieder auf andere erogene Zonen. Nach ein wenig Abkühlung kann es wieder weitergehen - wie weit, müssen Sie dann allerdings bald entscheiden. PS: Wenn Sie seinen Samen nicht mögen, können Sie den Akt ja mit der Hand zu Ende bringen.
 

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