Pro & Kontra: Ein Muslim muss mir die Hand geben

Wieso gibt der mir nicht die Hand? In der Flüchtlingskrise haben wir noch viel zu besprechen, meint WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas.

LESEN SIE HIER DAS KONTRA VON WIENERIN-REDAKTEUR LJUBIŠA BUZIĆ: So funktioniert Integration NICHT!

Fußball verbindet ja angeblich. Irgendwie die ganze Welt. Vielleicht auch die der Frauen. Im Fall des holländischen Profikickers und Muslims Nacer Barazite eher weniger. Er gab einer Reporterin aus religiösen Gründen nicht die Hand, die Emotionen gingen hoch. Erst vor ein paar Wochen ein ähnlicher Fall, damals war es die deutsche CDU-Politikerin Julia Klöckner, die von einem Imam ausgerichtet bekam: „Wenn du kommst, freu ich mich. Hand gegeben wird aber nicht." Sie kam daraufhin gar nicht, die Emotionen gingen hoch. Alice Schwarzer appellierte erst kürzlich in Wien, die Frauenrechte nicht auf einmal zu vergessen, nur weil man mit Flüchtlingen solidarisch sein wolle. Übergriffe und Gewalt gegen Frauen in Flüchtlingsunterkünften – davon hört man immer wieder einmal. Aber eher hinter vorgehaltener Hand, auch Helfer tun sich schwer damit.

Kein billiger rechter Punkt


Zu fragil scheint die einst so starke Solidarität. Und: Auf der anderen Seite, dort, bei den nationalen Beschützern und Grenzzaun-Befürwortern, werden schon die Messer gewetzt. Es winkt der politische Jackpot: Sie wussten es doch eh immer – diese Menschen sind nicht nur gierige Wirtschaftsflüchtlinge, ­sondern auch noch die ärgsten Patriarchen. Schlagen Kinder, sperren ihre Frauen ein und verachten unsere Werte. Jedoch: Diesen billigen Punkt sollte man den Rechten wirklich nicht lassen. Sondern ansprechen, was uns – also der aufgeklärten Welt mit eman­zipierten Frauen – wichtig ist.

Dann ist es eben schwer...


Gibt es eine kulturelle Toleranzgrenze? Vermutlich. Man wird einem Mann nicht vorschreiben, wie er sein Familienleben lebt – wenn er sich an Gesetze hält. Gibt es darüber hinaus Regeln des Respekts, die bei uns gelten? Auf jeden Fall. Einer Frau die Hand zu geben, gehört dazu. Wenn das muslimischen Männern schwerfällt, bitte schön. Dann ist es eben schwer für sie. Es wird auch schwer sein, die Sprache zu lernen, eine Arbeit zu finden und zu akzeptieren, dass sie vielleicht eines Tages eine Chefin haben. Das ist der Deal. Das sollten wir so sagen, ­gerne auch in ihren Sprachen. Sonst könnte das mit dem gemeinsamen Leben nämlich sehr schwer werden.

 

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