Pretty expensive in Pink: Warum Frauen beim Frisör und im Drogeriemarkt mehr zahlen

Ob im Frisiersalon oder im Drogeriemarkt: Frauen müssen für Beauty-Dienstleistungen und -Produkte oft mehr bezahlen als Männer. Warum ist das so? Und wie kann das sein? Die WIENERIN auf der Suche nach Gerechtigkeit im Warenkorb.

Dieser Artikel erschien 2018 in der Märzausgabe der WIENERIN. Eine aktuelle Studie gibt nun zusätzlich Aufschluss über Gender Pricingin Österreich.

Gender Pricing macht Frauen das Leben teurer

Wer durch die Regalreihen im Supermarkt geht und diverse Preisangebote in Kosmetikstudios und Frisiersalons vergleicht, hat sicher schon bemerkt, dass die pinken Rasierer, Kosmetika und sogar Kinderduschgels teurer sind als die blauen. Dass das mehr als nur ein individuelles Gefühl ist, bestätigt auch eine groß angelegte, bundesweite Studie zum Thema Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland, in Auftrag gegeben von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS).

Pink zahlt oft mehr

Auf über 200 Seiten und branchenübergreifend vom Spielwarenhandel bis zum Beauty-Regal hat sie untersucht, wie stark und verbreitet Preisdifferenzen nach Geschlecht sind. Das Ergebnis: Pink zahlt nicht immer, aber oft mehr. Das nennt sich dann Gender Pricing, betrifft häufig Frauen und macht auch vor Kinderprodukten nicht halt. Hier ein paar Beispiele: Ein Prinzessinnenschaumbad für Mädchen kostet laut Studie 1,20 Euro mehr als die gleiche Menge (500 ml) eines Saubär Schaumbades für Buben. Der viel zitierte Einwegrasierer für Frauen kostet gleich viel, es sind aber weniger Rasierer in der Packung. Frauenparfums sind teurer als Männerdüfte derselben Marke, obwohl man den Preisunterschied nicht unbedingt mit teureren Inhaltsstoffen rechtfertigen kann. Der Handel will von Ungleichheit in der Preisgestaltung trotzdem nichts wissen und erklärt diese Unterschiede mit Angebot, Nachfrage und Gendermarketing (also wenn Produkte und Werbung auf geschlechtertypisches Konsum- und Kaufverhalten von VerbraucherInnen abgestimmt werden). Außerdem hätten Frauen angeblich eine höhere "Preisbereitschaft" bei Luxusgütern im Bereich Kleidung, Parfum und Uhren.

Alles, was Recht ist

Durch Onlineshops, unterschiedlichste Anbieter und Produktgrößen und schwer bis gar nicht durchschaubare Rabattaktionen wird es für die KosumentInnen immer schwieriger zu erkennen, was recht ist und was nicht. Die Studie der Antidiskriminierungsstelle kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass "Geschlecht als pauschaler Näherungswert für Vorlieben der KundInnen oder den zu erwartenden Aufwand einer Dienstleistung als Kategorie der Preisgestaltung nicht zulässig ist" und "das Ziel des Ausschöpfens von Preisbereitschaftender KundInnen anhand des Geschlechts" keine Rechtfertigung für Preisunterschiede sein dürfe. Nur Preisdifferenzen, die sich aus sachlichen Gründen wie höheren Material- und Herstellungskosten oder bei Dienstleistungen nach Aufwand oder Qualifikation begründen lassen, sind gerechtfertigt. Waxing-Studios verlangen von Männern also berechtigterweise mehr, weil der Aufwand wegen der meist stärkeren Körperbehaarung größer ist. In vielen Fällen trifft es aber dann doch die Frauen. Österreich ist da keine Ausnahme.

Eine Preiskalkulation sollte nach Aufwand, nicht nach Geschlecht gemacht werden.

von Ines Grabner-Drews, Gleichbehandlungsanwältin

Haarige Zeiten

Die Preise von Frisierdienstleistungen in Österreich beschäftigen seit ein paar Jahren sogar die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Hier darf eigentlich schon seit 2008 nicht mehr nach Geschlecht unterschieden werden. So lange gibt es dazu schon ein EU-Gesetz und die klare Richtlinie: "Gemäß Gleichbehandlungsgesetz darf niemand unter anderem aufgrund seines oder ihres Geschlechts beim Zugang zur Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen (wie zum Beispiel Frisierdienstleistungen) diskriminiert werden." 2010 hat sich dann die Gleichbehandlungsanwaltschaft mit der Bundesinnung der Friseure auf eine Regelung dazu geeinigt und alle FriseurInnen darüber informiert, dass Preise nach Aufwand verrechnet werden sollten. Gemeinsam wurde auch eine Unisex-Musterpreisliste erstellt, an die sich große Friseurketten schon jetzt halten. Wieso stehen in vielen Salons dann immer noch unterschiedliche Damen- und Herrenpreise im Schaufenster?

Leider hat diese Ungleichbehandlung hierzulande seit Jahren System. Der Grund dafür ist zutiefst österreichisch: Das war schon immer so. Laut Gleichbehandlungsanwältin Ines Grabner-Drews ist der günstige Friseurpreis für Männer historisch bedingt: "Der Herrenhaarschnitt war früher deswegen so billig, weil er an den staatlich gebundenen Brotpreis gekoppelt war. Das hat also eine lange Tradition." Und tatsächlich: Auch die Bundesinnung der Friseure bestätigt, dass es diese Regelung in den 1950er-Jahren tatsächlich gegeben hat. Plausible Gründe dafür gibt es schon lange keine mehr. Daraus ist die Tradition entstanden, dass das Preisangebot sehr stark auseinandergeht. Sicherlich auch durch die geschlechterstereotype Vorstellung 'Mann hat nicht viele Ansprüche, Frau schon'. Daran haben wir uns alle, vor allem die Männer, gewöhnt. Aber eine Kalkulation sollte nach Aufwand und nicht nach Geschlecht gemacht werden", so Grabner-Drews.

Es geht um Fairness, auch von den Kunden.

von Katharina Strassl, katharina-strassl.com

Fragt man bei FriseurInnen nach, heißt es, dass Männerschnitte längst genauso aufwendig geworden seien wie Damenfrisuren. "Früher sind die Herren so mitgelaufen, die haben oft nicht einmal Termine benötigt, da der Herr ja nur zehn Minuten zwischendurch braucht. Das ist schon lang nicht mehr so. Gerade die jungen Männer sind sehr anspruchsvoll. Wenn da ein Verlauf nicht exakt geschnitten ist, bekommen die die Krise", bestätigt Katharina Strassl, Friseurin in Wien (katharina-strassl.com). Auch der Grazer Starfriseur Dieter Ferschinger (dieter-ferschinger.com) schlägt in diese Kerbe: "Männer sollten nicht weniger zahlen als Frauen. Der Zeitaufwand ist derselbe und der Schwierigkeitsgrad ist teilweise höher. Ein schön und exakt gearbeiteter Herrenschnitt ist teilweise viel aufwendiger, als bei den Damen ein paar Stufen oder Spitzen zu schneiden." Trotzdem ist es laut Marcus Eisinger, Innungsmeister der Wiener Friseure, so, dass nicht alle FriseurInnen die gleiche Dienstleistung gleich hoch verrechnen. Wo liegt also der Hund begraben?

Ganz einfach: Wo kein/e KlägerIn, da kein/e RichterIn. Das betrifft zu teure Duschgels genauso wie Dienstleistungen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft kann zwar Empfehlungen aussprechen, wird aber nur aktiv, wenn sich jemand aufregt. Schadenersatzansprüche aufgrund von Diskriminierung interessieren wenig, wenn sie niemand geltend macht. Es braucht also mündige Kundinnen, damit sich etwas ändert. Und die Solidarität der Männer. Katharina Strassl: "Im Endeffekt ist es so, dass die Preiserhöhungen bisher immer nur die Frauen getroffen haben. Nur weil die FriseurInnen nicht den Mumm haben, zu sagen: ‚So, liebe Herren: Eine halbe Stunde kostet 40 Euro.‘ Jeder Handwerker kostet mehr. Allein das Material wird im Jahr um drei Prozent teurer, es gibt Erhöhungen bei Lohn, Miete, Wasser, Strom, wer schluckt das alles? Wenn die Herrenpreise den Aufwand nicht decken, werden die Frauen das in Zukunft übernehmen müssen. Es geht um Fairness, auch von den Kunden." Wenn wir also das nächste Mal im Frisiersalon sitzen, achten wir auf die Preisliste. Und eine Extrarunde zum Preisvergleich ins Regal mit den Herrenduschgels im Drogeriemarkt kann auch nicht schaden.

 

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