Präventionsvideo macht Frauen für sexuelle Gewalt verantwortlich

Die ungarische Polizei will Mädchen mittels eines Kurzfilms davor schützen, Opfer von sexueller Gewalt zu werden. Allerdings mit der fragwürdigen Botschaft "Du kannst etwas dafür".

In dem Video mit dem Titel "Selfie Klip" sieht man drei junge Frauen in einer Partynacht: Anziehen, schminken, vorglühen. Im Laufe des Abends flirten die drei, lachen, tanzen und trinken. Und genau dieses Verhalten, so die Botschaft der ungarischen Polizei, führe zu sexueller Gewalt. Die Zeile am Ende des Films macht das deutlich: "Du kannst etwas dafür, du kannst etwas dagegen tun."

Frauenrechtsorganisationen kritisieren die Polizei als Produzenten des Kurzfilms heftig: Der Clip impliziere, dass Frauen die Schuld an Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen tragen würden, Männer würden als potentielle Triebtäter dargestellt. "Dieses Video ist ungeheuerlich", sagt Réka Sáfrány vom Interessenverband Ungarischer Frauen auf spiegel.de. "Die Verantwortung für das Gewaltverbrechen wird vollständig dem Opfer zugeschoben." Das Video suggeriere außerdem, dass Mädchen, die sich wie die drei im Video verhalten, unweigerlich Opfer von Vergewaltigungen werden.

Aufforderungen, den Film, der als Prävention auch an Schulen gezeigt werden soll, zurückzuziehen, wurden weder von der Polizei der südungarischen RegionBaranya, die das Video in Auftrag gegeben hat, noch von der nationalen Polizeiführung kommentiert.

 

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