Pornos, Nacktfotos & Co.: Hilft oder schadet das Smartphone bei der Aufklärung?

Nacktfotos per Snapchat, Pornos am Skikurs - welche Rolle spielt das Smartphone, wenn es um Sex und Aufklärung geht?

Mädchen mit Smartphone

Rund die Hälfte der Burschen und fast 40 Prozent der Mädchen informieren sich heute im Netz über Sex und Verhütung. Für Burschen sind Pornos dabei die wichtigste Informationsquelle. Jeder vierte Jugendliche soll schon einmal Nacktfotos erhalten, jeder siebte eigene Aufnahmen verschickt haben (Quelle: Dt. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Das verunsichert Eltern und stellt neue Anforderungen an die Sexualerziehung. Wie aber erleben das die Jugendlichen selbst? Die WIENERIN hat mit drei Mädchen und zwei Burschen gesprochen - persönlich, übers Telefon und via WhatsApp. Den Kontakt stellten die Eltern oder Vertrauenspersonen der Jugendlichen her.

"Ich fand das eklig."

Lena *, 12 Jahre, besucht ein Gymnasium in Eisenstadt

Heuer am Skikurs, ich war noch elf, habe ich zum ersten Mal einen Porno gesehen. Ich interessiere mich nicht für Sex und google sonst auch keine Sachen dazu. Es war eher so "Okay, schauen wir es uns an", aus Langweile, zum Spaß einfach. Wir haben mit dem Handy gegoogelt und sind dann auf so eine Seite gestoßen. Was zu sehen war, weiß ich nicht mehr, ich glaube, ein Mann und seine Frau. Ich habe das eklig gefunden. Schon alleine beim Startbild haben wir alle versucht, wegzuschauen, aber dann doch hingeschaut. Meine Mama habe ich nach dem Skikurs dann gefragt, warum Menschen sich das anschauen, warum das immer ein Thema ist.

"Dann kam halt ein Schwanzbild."

Nicole *, 14 Jahre, besucht eine NMS in Tulln

Vor Kurzem hat mich ein Junge auf Snapchat geaddet. Ich kannte ihn nicht. Wir haben hin-und hergeschrieben, bis er gesagt hat, dass er Nacktbilder von mir möchte. Ich habe geantwortet: Nein! Dann kam halt ein Schwanzbild. Er hat mir immer wieder was geschickt, inzwischen habe ich ihn geblockt. Ich habe solche Bilder bestimmt schon um die 15 Mal bekommen. Es hat mich nie wirklich schockiert. Ich dachte nur: Typisch Junge! Selbst habe ich nur einmal ein Foto an einen Jungen verschickt. Es war nix Schlimmes, nur ein Spaßbild mit einer Freundin, auf dem man meinen Ausschnitt gesehen hat. Er hat das Foto dann auch an einen anderen Jungen geschickt - das war mir peinlich. Ich habe danach nie wieder solche Bilder verschickt und schaue nun immer, ob auf meinen Fotos eh nicht zu viel zu sehen ist.

"Viele YouTuber reden ganz offen darüber."

Franziska *, 15 Jahre, besucht ein Gymnasium in Tulln

Wenn ich was nicht weiß, dann google ich es: Bis wann kann man abtreiben? Oder die ganzen Gerüchte darüber, wie man schwanger werden kann. Ich wüsste nicht, wie ich die Infos sonst bekomme. Mit meinen Eltern habe ich nie über so etwas geredet, mit Lehrern geht das schon gar nicht. Viele YouTuber reden ganz offen darüber, etwa Stevie Boebi oder im Channel Auf Klo. Ich schaue auch ab und zu Pornos. Dort sieht man immer nur Hardcorescheiß, obwohl Sex schon was Romantisches ist. Deshalb ist das Web aber nicht böse. Ich würde gerne mit Leuten darüber reden, die sich auskennen, und nicht mit älteren Lehrern, die sowieso total gegen das Internet sind.

"Nun merke ich, wie schlecht Frauen dargestellt werden."

Martin *, 16 Jahre, besucht ein Gymnasium in Wien

Am Skikurs, in der dritten oder vierten Klasse, ging es bei uns mit Pornos los: Alle Burschen haben nur mehr davon gesprochen - über die verschiedenen Stellungen und darüber, was sie schon alles gesehen haben; wahrscheinlich, um damit anzugeben. Ich wollte nicht ausgeschlossen werden und habe dann zu Hause "Porno" gegoogelt, um mitreden zu können. Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, was ich mir da anschaue, und fand es einfach nur lustig. In meinem Freundeskreis sind heute auch viele Mädchen und Feminismus ist ein großes Thema. Seitdem merke ich, wie schlecht Frauen in vielen Pornos dargestellt werden - fast nicht wie Menschen.

* Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

 

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