Polnische Vogue setzt mit Dezember-Cover starkes Zeichen gegen das Abtreibungsverbot

Seit Wochen demonstrieren Zehntausende gegen die strikten Abtreibungsgesetze in Polen. Das Modemagazin Vogue stellt sich mit seinem Pro Choice-Cover nun deutlich auf die Seite der Protestierenden.

Poland Vogue December

Wer ein Kind mit schweren Fehlbildungen erwartet, darf die Schwangerschaft nicht mehr abbrechen: Dieser Beschluss des polnischen Verfassungsgerichtshofes ließ in Warschau und etlichen anderen Städten hunderttausende Demonstrant*innen auf die Straße gehen. Die Entscheidung ist weitreichend, da hiermit eine der letzten Ausnahmen vom ohnehin schon äußerst restriktiven Abtreibungsverbot im streng katholischen Polen wegfällt. Mit seinem Cover für die Dezemberausgabe zeigt das Kultmagazin Vogue nun Solidarität mit den Frauen in Polen und setzt ein starkes Zeichen gegen das strikte Abtreibungsgesetz.

"Reproduktionsrechte sind Menschenrechte"

Auf dem Titel ist Model und Aktivistin Anja Rubik abgebildet. Sie ist in purpurroten Stoff gehüllt, auf ihrer Wange ist ein roter Blitz zu sehen – das Symbol der Pro-Choice Bewegung in Polen. In weißer Schrift ist "Die Stärke der Frauen" zu lesen. "Alles, was Frauen in Polen betrifft, betrifft auch uns", heißt es in einem Statement von Vogue. "Das war bei der ersten Ausgabe so und wird auch immer so bleiben".

Auch Rubik, die das Cover selbst inszeniert hat, spricht sich auf Instagram gegen die restriktiven Verordnungen aus. Das Recht einer Frau, selbst zu entscheiden, sei der Gradmesser für eine progressive, funktionierende Gesellschaft. "Reproduktionsrechte sind Menschenrechte, sie garantieren die Freiheit, über unser Leben, unseren Körper, unsere Gesundheit und unser Schicksal zu entscheiden", schreibt Rubik.

Urteil vorerst aufgeschoben

Nach Ansicht der Richter*innen verstoße die bisherige Regelung gegen das Recht auf Leben, wie es in der Verfassung garantiert ist. Die Folge: ein faktisches Abtreibungsverbot in dem 38-Millionen-Einwohner*innen-Land. Schwangerschaftsabbrüche bleiben nur mehr nach bewiesenen Vergewaltigungen möglich – oder wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter in Gefahr sind.

Damit das Urteil rechtskräftig ist, müsste die Regierung die Regelung in einer offiziellen Verlautbarung veröffentlichen. Das hat sie aber zumindest bislang nicht getan. Expert*innen gehen davon aus, dass die rechtskonservative Regierung nach den heftigen Protesten Zeit gewinnen möchte, um einen Kompromiss zu finden.

 

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