Politikerinnen in Polit-Talk gefragt, ob sie FDP-Chef "scharf" finden

"Ah, sie finden ihn also scharf, ja?". Die neue Polit-Fragestunde auf Sat1 sorgte für Fremdschämen. Hinter und vor der Kamera.

Seit Jahren bemühen sich Fernsehanstalten darum, Polit-Talks für die breite Masse attraktiver zu machen. Statt steifen Wahlkampf-Gerede soll durch dynamische Konzepte den ZuseherInnen die Politik näher gebracht werden.

Fremdschämen statt Unterhaltung

So wohl auch das Ziel des deutschen Privatsenders Sat1 am Mittwochabend, der mit seinem politischen "Speed-Dating"-Format "Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen" die langweilige Welt der versteiften Polit-Diskussionen etwas entstauben wollte.

Leider ist gut-gemeint in vielen Fällen nicht gut genug. Oder im Fall von Sat1 - eine qualitätsjournalistische Katastrophe.

Statt seriösen Wahlkampf-Themen beschränkte sich Moderator Claus Strunz lieber auf das "Wesentliche" - und brachte damit vor allem den einzigen männlichen Politiker der Oppositions-Runde, Christian Lindner (FDP), mehrfach in Verlegenheit.

Der "Posterboy" der Linken, wie Strunz den FDP Spitzenkandidaten bezeichnete, musste sich gleich mehrfach in der Sendung gegen Untergriffe des Moderators wehren, der mit seinen unangebrachten "Fragen" mehrfach für Fremdschämen sorgte.

Den Tiefpunkt der Sendung erreichte Strunz allerdings als er die drei weiblichen Kandidatinnen Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Katja Kipping (Linke) und Alice Weidel (AfD) nach ihrer Meinung zu Lindners "attraktivem" Äußeren befragte - und den Politiker damit nicht nur in Verlegenheit brachte, sondern ihn damit öffentlich objektifizierte.

"Können wir auch noch über Politik reden?"

Angesprochen auf ihre Meinung zu Lindners Aussehen, reagierte die Linke Spitzenkandidatin Katja Kipping irritiert und stellte klar, was sich zu diesem Zeitpunkt wohl viele ZuseherInnen hinter den Bildschirmen dachten.

"Ich verarbeite noch, dass zum ersten Mal bei einem Mann vor allem über das Äußere gesprochen wird. Früher haben wir uns immer beschwert, wenn das bei Frauen der Fall war", so Kipping. Die Linke stellte allerdings klar, dass diese Art der Fragestellung weder bei Frauen noch Männern angebracht sei. "Ich überlege, ob das nun die Gleichstellung ist, die ich wollte." Denn diese wolle sie eigentlich über Inhalte erreichen.

Als Moderator Strunz weiterhin nicht locker ließ und nochmal mit: "Ah, sie finden ihn also scharf, ja?", nachhakte, konterte Kipping schließlich deutlich und betonte: "Können wir auch noch über Politik reden?".

Das kritische Medienportal "Übermedien" teilte das Video auf Facebook und stellte darunter süffisant fest "am Sonntag fragt Claus Strunz dann Angela Merkel, ob sie Martin Schulz 'scharf' findet." Ein Satz, der die Absurdität des Gezeigten auf den Punkt bringt: Aus dem Versuch die Sendung "nahbar" und "locker" zu gestalten, ist eine peinliche Polit-Farce geworden.

Am Ende wurde die deutsche Politik ins Lächerliche gezogen, Inhalte kaum besprochen und den PolitikerInnen, männlichen und weiblichen, ihre Würde genommen. Wirklich mehr über die Kernthemen der Opposition dürften die ZuseherInnen während der Sendung wohl nicht erfahren haben - und das kann ja auch nicht das Ziel einer Polit-Sendung sein, oder?

In unserer Rubrik "Fail der Woche" werden regelmäßig besonders sexistische und frauenfeindliche Sager ,ausgezeichnet'.

 

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