"Poison Girl" von Dior: Der süße Duft der Rebellion

"Poison Girl" ist süß, sogar sehr süß, es hat eine Überdosis Vanille und Tonkabohne, dazu Bitterorange und Mairose.

2012 wurden in der Parfümerie neue Weichen gesetzt, denn Lancôme lancierte "La vie est belle". Dieser Duft, den ich damals etwas spitzüngig als "zuckersüß" bezeichnete und die Kritiker der Duftplattform Now smell thisals "Angel mit Botox und Föhnfrisur", setzte mit seiner Praline Johannisbeernote neue Maßstäbe in der Kategorie High End Gourmand Duft und wurde zum Megaerfolg.

Und weil sich "süß" bei Lancôme als derart lukrativ erwiesen hatte, zogen natürlich auch die anderen Marken los, um am Erfolg mitzunaschen.

YSL lancierte "Black Opium" (2014), Victor und Rolf "Bon Bon" (2014) und nun beschert uns Dior "Poison Girl" (2016). Zielgruppe sind einmal mehr wilde, rebellische Girls zwischen 17 und 23 Jahren, die laut Marktforschung allesamt zuckersüchtig sind und deshalb so auf süße Parfüms abfahren.

Als mir die Dior PR Abteilung das Konzept (viel Rosa, viel Vanille, viele bunte Bilder von einem Bad Girl im Nachtclub) im Dezember präsentierte, erwartete ich ehrlich gesagt das Schlimmste.

Vor allem als ich etwas später die Online-Kritiken selbsternannter Duftconnaiseure las, die Dior Parfümeur Francois Demachy für diesen "Zuckersirup mit Pez und Bubble Gum Noten" ordentlich abwatschten.

Dann bekam ich den Flakon zum Testen zugeschickt und ich war in der Tat überrascht - aber positiv.

"Poison Girl" ist süß, sogar sehr süß, es hat eine Überdosis Vanille und Tonkabohne, dazu Bitterorange und Mairose, aber zu meiner Verblüffung riecht es dennoch nicht billig, sondern in der Tat verlockend. Man sprüht es auf und will immer wieder daran schnuppern. Es ist nichts Neues aus dem Dior Imperium, ganz im Gegenteil, gewisse Akkorde erinnern an "Hypnotic Posion" andere ein bisschen an "J´Adore L´Or".

Aber "Poison Girl" ist modern und zeitgemäß und genau das, was die Zielgruppe haben will. Außerdem hat es Stärke und Intensität wie schon einst seine Großmutter, das erste "Poison" aus 1985.

Fazit: Das ist kein Duft für Puristinnen oder Duftsnobs, sondern für Mädels, die sich ins Nachtleben stürzen und auf Partys abhängen, wo getanzt, gesoffen und vielleicht sogar geraucht wird. Und wenn so ein Mädchen dann um 6 Uhr früh mit verschmierter Wimperntusche nach Hause wankt, wird immer noch ein Hauch "Poison Girl" an ihr haften und vermutlich auch an der Haut ihres One Night Stands. Chapeau Monsieur Demanchy. Sie haben dieses schwierige Briefing perfekt gemeistert.

**** Sterne

Poison Girl, 30 ml EdT € 62,99 z. B. bei Marionnaud.

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