Plus-Size Bloggerin im Bikini ist zu sexy für YouTube

Wenn weibliche Nippel schlimmer als Gewaltvideos sind, reden wir vom Regelwerk der sozialen Netzwerke. Noch schlimmer wird es, wenn YouTube definiert, ab welcher Kleidergröße ein Frauenkörper nicht mehr jugendfrei ist.

Plus-Size Frauen haben es online nicht leicht. Hasskommentare, Bodyshamer und Mansplainer gehören zur Tagesordnung. Und nicht nur, dass die Inhalte von den Usern stets kritischer beäugt werden, auch die Plattform selbst lebt einen Doppelstandard. YouTube hat ganz eigene Vorstellungen davon, ab welcher Kleidergröße ein Frauenkörper im Bikini nicht mehr jugendfrei ist.

YouTuberin Crystal Coons veröffentlicht ein Video, in dem sie vier verschiedene Bademoden trägt. Sie ist am Strand von Malibu, posiert in einem reinweißen und einem weiß-gemusterten Bikini, einem schwarzen Zweiteiler mit hochgeschlossenem Oberteil und einem schwarzen Einteiler. Normale Bademode, nicht besonders aufreizend oder offenherzig. Trotzdem wird ihr Video von YouTube wegen sexueller Inhalte für Menschen unter 18 gesperrt.

Plus-Size Bloggerin im Bikini ist zu sexy für YouTube
Plus-Size Bloggerin im Bikini ist zu sexy für YouTube

Coons räkelt sich nicht verführerisch im Strand, sie zeigt keine bösen Nippel oder macht irgendetwas, das auch nur ansatzweise nicht für die Augen Minderjähriger geeignet wäre – außer man verbietet Menschen unter 18 ab jetzt den Zugang zu öffentlichen Bädern, weil sie da ja solch schrecklich laszive Dinge wie Frauenbeine, Frauenschultern oder (man stelle sich das nur mal vor!) Frauendekolletés sehen könnten! An dicken Frauen! Oh!

YouTube Suche "Bikini Haul"

Wenn diese Bilder zuviel Haut zeigen, haben wir wirklich ein Problem. Sucht man auf YouTube nach „Bikini Haul“, findet man fast 2 Millionen Ergebnisse und allein im Vorschaubild mehr Busen und Hintern als in Coons gesamten Video. (Nichts gegen Busen und Hintern!) Worum geht es also? Um die Kleidergröße? Zuviel Frauenkörper?

Frauen, die dem Schönheitsideal entsprechen, haben es auch in den sozialen Medien leichter, dem fragwürdigen Zensurwahn zu entgehen. Es ist wunderbar, dass Frauen diese Grenzen herausfordern – von #FreeTheNipple zu #Brelfies. Es sollte aber nicht Aufgabe der sozialen Medien sein, zu bestimmen, welche Frauenkörper diese Grenzen herausfordern dürfen. Die Regeln, egal wie lasch oder restriktiv sie sind, müssen für Körper aller Formen und Größen gelten.

Schlussendlich hat Crystal Coons Aufschrei Wirkung gezeigt – YouTube hat die Beschränkung ihres Videos aufgehoben.


 

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