Plant Italien "Menstruationsurlaub" für Frauen?

Bis zu drei Tage bezahlten Urlaub könnten betroffene Frauen bei Regelbeschwerden erhalten. Doch die Idee hat auch ihre Schattenseiten: Arbeitgeber könnten Frauen bei der Einstellung benachteiligen, fürchten Kritiker.

Jede Frau, die unter starken Menstruationsschmerzen leidet, kennt das Gefühl, beim Einsetzen der Periode am liebsten zuhause im Bett bleiben zu wollen. Die meisten Frauen tun dies allerdings nicht, sondern schleppen sich trotzdem in die Arbeit, wo sie unter oft unter Kopfschmerzen, Müdigkeit und Unterleibsbeschwerden leiden.

Die italienische Regierung ließ nun mit einem Vorschlag aufhorchen, der genau diesen Frauen helfen soll: Wie die italienische Tageszeitung Il Messaggero berichtet, plant Italien eine Art "Menstruationsurlaub" für Frauen einzuführen, wenn diese unter starken Schmerzen leiden. Dieser soll bezahlt sein, bis zu drei Tage dauern und kann mit ärztlichem Attest beantragt werden.

Laut dem Bericht der Tageszeitung würden 60 bis 90 Prozent der Frauen über Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Bauschmerzen während der Regelblutung leiden, knapp ein Drittel könne das Bett wegen der Beschwerden gar nicht erst nicht verlassen.

Menstruationsurlaub in Asien bereits normal

Sollte das Gesetz tatsächlich in Kraft treten, wäre Italien das erste Land in Europa mit einem derartigen Gesetz. Bisher gibt es den "Menstruationsurlaub" nur in Ländern wie China, Japan oder Südkorea.

Dort ist das Gesetz teilweise bereits seit den 1940er Jahren in Kraft - seit einer Zeit also, als der Zugang zu Tampons, Binden & Co. für Frauen noch deutlich schwieriger war als heute.

Das Problem mit der Gleichberechtigung

Das Gesetz ist allerdings nicht unumstritten: Kritiker befürchten, dass es wegen dem Gesetz zu einem Nachteil für Frauen kommen könnte, da diese von Arbeitgebern wegen ihrem Fehlen durch den "Urlaub" bei Personalentscheidungen benachteiligt werden könnten. Italien hält derzeit bei einer der niedrigsten Frauenbeschäftigungsquoten in Europa, die sich, so wird befürchtet, durch derartige Gesetze verschlechtern könnte.

Unklar ist, inwiefern die gesetzliche Anerkennung der Perioden-Schmerzen durch den "Menstruationsurlaub" zur Entstigmatisierung weiblicher Schmerzen beitragen könnte. Bei falscher Kommunikation wird Frauen nämlich nicht geholfen, sondern das Problem verschlechtert: Viele befürchten einerseits als labil und weniger arbeitsfähig als Männer abgestempelt zu werden oder fühlen sich andererseits grundsätzlich unwohl dabei, Menstruationsbeschwerden mit ihren Vorgesetzten abzusprechen.

 

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