"Pinky Gloves": Liebe Männer, wir brauchen keinen Plastik-Handschuh, um einen Tampon zu wechseln!

Zwei Männer präsentieren bei der Start-up-Show "Die Höhle der Löwen" pinke Einweg-Handschuhe, die das "diskrete Entsorgen" von Menstruationsartikeln erleichtern sollen - und machen die Periode somit wiedermal zum Tabu. Von den Löwen gibt's ein Investment, online hagelt es Kritik.

Die Höhle der Löwen, Pinky Gloves

"Hygienisch, diskret und perfekt für unterwegs": So bewerben die beiden Gründer von Pinky Gloves ihr Produkt, das sie gestern Abend in der Start-up-Show Die Höhle der Löwen präsentierten. Es handelt sich um pinkfarbene Einweg-Handschuhe zur Entnahme und Entsorgung von Tampons und Binden.

Die Idee

Benutzte Menstruationsartikel werden im umgestülpten Handschuh verpackt, mit einem Klebestreifen verschlossen und anschließend blick- und geruchsdicht in einem Mülleimer entsorgt. Auf diese Weise wolle man Frauen den Alltag erleichtern, für mehr Hygiene sorgen und unangenehme Situationen vermeiden.

Der unangenehme Blick in den Mülleimer

Auf die Frage, wie zwei Männer auf die Idee kämen, ein Menstruationsprodukt zu entwickeln, erklärten die beiden Ex-Soldaten, dass sie eine Zeit lang mit Frauen zusammengewohnt hätten: "Wenn man mit vielen Frauen in einer WG wohnt und nur ein Badezimmer zur Verfügung hat, ist es logisch, dass man ab und zu einen Blick in den Mülleimer wagen muss", erklärt der eine.

Dabei hätten sie regelmäßig benutzte Tampons entdeckt, die in Klopapier eingewickelt wurden, wodurch der feuchte Inhalt aber sichtbar und riechbar wurde, wie die Pinky Gloves-Gründer erläutern: "Nach einiger Zeit riecht das unangenehm und man sieht es einfach, weil das Papier nässt durch. Das ist einfach unangenehm".

Pinky Gloves sorgen online für Shitstorm

Bei den Investor*innen stößt der Pitch größtenteils auf Zuspruch (wenngleich die Frau im Team vermisst wird) - von Einzelhandel-Größe Ralf Dümmel gibt's sogar ein Investment - online sehen die Reaktionen allerdings ganz anders aus. Bereits während der Ausstrahlung der Folge häufen sich auf Social Media die wütenden Kommentare der Zuschauer*innen.

Laut der Online-Community handle es sich um ein unnachhaltiges Produkt, das darüber hinaus zur Tabuisierung der Periode beiträgt. User*innen werfen den beiden Jungunternehmern fehlendes Verständnis für weibliche Gewohnheiten vor.

Die Periodenunterwäsche Hersteller*innen von ooia weisen in einem Instagram Video auf die Widersprüchlichkeit des Produkts hin. Auch sie waren vor zwei Jahren mit ihren Produkten bei Die Höhle der Löwen, ihr Pitch wurde damals abgelehnt.

Während sie befürworten, dass das Thema der Menstruation zur prime time Aufmerksamkeit bekomme, sehen auch sie den Produktzweck kritisch. Sie weisen zusätzlich darauf hin, dass bei Pinky Gloves nur Frauen als menstruierende Personen verstanden werden.

Das Produkt steht in der Tradition desPeriod Shamings: Hierbei werden menstruierende Menschen für den biologischen Vorgang der Periode geshamed, also beschämt. Die Periode wird tabuisiert und als etwas Privates und Unreines dargestellt, worüber bestenfalls geschwiegen wird. Der Ekel zu Blut, dem Ausfluss und dem Geruch wird dabei besonders hervorgehoben. Das ist zum Beispiel der Grund, weshalb in Werbungen zu Hygieneartikeln häufig eine blaue Testflüssigkeit gezeigt wird - damit bloß keine*r auf die Idee kommt, es könne sich um tatsächliches Periodenblut handeln.

Die Auswirkungen davon sind neben gesellschaftlicher Tabus vor allem Prozesse, die zu mangelnder gesundheitlicher Versorgung von menstruierenden Personen führen.

Pinky Gloves-Gründer entschuldigen sich auf Instagram

Mittlerweile haben die beiden Junggründer auf die heftige Kritik reagiert und ein Statement auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlicht. Darin entschuldigen sie sich dafür, sich nicht ausreichend mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben und geben an, ihr Produkt nun zu überdenken. Sie bitten User*innen darüber hinaus, auf Hate Speech zu verzichten und die Familien/das Umfeld der beiden aus dem Spiel zu lassen und sich auf sachliche Kritik zu beschränken.

 

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