Pflege mit Ölen

Blätter, Blüten, Samen und Nüsse geraten unter Druck. Denn jeder will nur ihr Bestes: die wertvollsten Öle nämlich, die sie in ihrem Inneren verbergen. Schließlich vollbringen sie wahre Pflegewunder - von den Haarwurzeln bis zu den Zehenspitzen.

Wenn Salvador Alamar de Juan zur Flasche greift, halten alle anderen im Raum den Atem an. Nicht, weil sie den Wutanfall eines Trunkenboldes fürchten, sondern weil sie Angst vor dem nüchternen Urteil des Spaniers haben. Denn Salvador Alamar de Juan gilt als bester Olivenöltester seines Heimatlandes, wenn nicht gar der Welt. Mit drei kleinen Wörtern („metallisch, stechend, erdig") kann er ein Öl vernichten. Oder aber („bitter, grasig, pfeffrig") in den Olymp erheben - beziehungsweise in die Tiegel und Tuben der Kosmetikindustrie.

Die Zeiten, in denen minderwertiges Öl, das für den Salat nicht taugte, in Kosmetika landete, sind nämlich längst vorbei. Beautykonzerne verlangen allerbestes Olivenöl: „extra vergine" und in Bioqualität. Nur das kommt in ihre Produkte - bei Beiersdorf etwa auch in die preiswerteste Serie, Florena. Der Grund: „Studien haben ergeben, dass in Olivenöl extra vergine aus Bioanbau besonders viel Hydroxytyrosol enthalten ist, eines der stärksten Antioxidantien überhaupt. In raffiniertem Olivenöl ist davon hingegen fast nichts mehr vorhanden", erklärt Karina Lomb, Brand-Managerin bei Florena. HautsachHe PolyphPHenole. Olivenölexperte Salvador Alamar schwört besonders auf die Olivensorte Picual. Die enthält sehr viele entzündungshemmende und zellschützende Polyphenole und schmeckt daher nicht nur dem Gaumen, sondern tut auch der Haut besonders gut. Die gewünschte Öl-Qualität findet sich beispielsweise in der altehrwürdigen Olivenmühle Nuñez de Prado in Baena. Sie liefert nicht nur Bio-Olivenöl an den steirischen Ölproduzenten Fandler und die Biolebensmittelmarke Rapunzel, sondern auch an Kosmetikfirmen wie Dr. Hauschka und eben Beiersdorf.

Pflegewunder Pflanzenöl
Olivenöl ist aber längst nicht das einzige „fette" Pflegewunder. Auch Mandel- und Aprikosenkernöl sowie Macadamianuss-, Jojoba- und Arganöl enthalten wichtige sekundäre Pflanzenwirkstoffe und essenzielle Fettsäuren, die trockene Haut mit dem versorgen, was ihr fehlt. Gerade im Winter sollten Sie den Slogan „Low Fat" Ihrem Teint zuliebe daher ganz schnell vergessen und stattdessen auf Ölbäder, Körperöle, lipidhaltige Pflegecremes und fetthaltigen Lippenschutz setzen. Die besten Öle für Gesicht und Körper finden Sie auf den folgenden Seiten.

Natur geht vor
Pflanzliche Öle sollten Sie Mineralölen und Silikonen übrigens unbedingt vorziehen. Denn nur wertvolle Pflanzenöle verhelfen trockener, rauer und schuppiger Haut wieder zu einem natürlichen Gleichgewicht. Andreas Wilfinger, Gründer der Biomarke Ringana, verrät warum: „Die Haut besitzt Enzyme, um pflanzliche Fette zu spalten. Die daraus freigesetzten Fettsäuren wie z. B. die Linolsäure verwendet sie, um ihre Schutz- und Barrierefunktion aufrechtzuerhalten beziehungsweise wieder herzustellen. Enzyme, um Mineralöle oder Silikone zu spalten, fehlen ihr hingegen - ganz abgesehen davon, dass diese chemischen und mineralischen Öle auch keine für die Haut notwendigen Stoffe enthalten."

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Fürs Gesicht
Unter einer Maske schenken ein paar Tropfen Nachtkerzen- oder Wildrosenöl der Haut zusätzlich Geschmeidigkeit. Wenn bei Kälte Ihre Gesichtscreme nicht mehr reicht, können Sie diese mit ein paar Tropfen hochwertigen Pflegeöls schnell wintertauglich machen.

Für den Körper
Öl ist die Soforthilfe für trockene Stellen an Knien, Schienbeinen und Ellbogen. Durch seinen Vitaminkomplex (A, E und F) bietet z. B. Aprikosenkernöl der Haut einen samtig-feinen, schützenden Pflegeeffekt. Als Bodyöl verleiht Trockenöl wie z. B. Carita Fluide de Beauté 14 gebräunter Haut einen zarten, seidigen Schimmer. Mischen Sie Ihr eigenes Ölbad: etwas Öl mit einem Becher Obers und Honig verrühren und ins Wasser geben. Das Öl verbindet sich mit dem Wasser zu einer feinen Emulsion. Lassen Sie Körperöl beim Baden direkt in das einlaufende Wasser einfließen. Der feine Film auf dem Wasser setzt sich pflegend auf der Haut ab. Bei kalkhaltigem Wasser etwas Körperöl als Hautschutz vor dem Bad auf den Körper auftragen. Tragen Sie Körperöl nach Dusche oder Bad auf die noch leicht feuchte Haut auf – immer in Richtung des Lymphflusses von den Füßen aufwärts.

Für Hände, Füsse & Nägel
Bei strapazierten Händen und brüchigen Nägeln: Erwärmen Sie etwas Olivenöl, fügen Sie einen Spritzer Zitronensaft hinzu und baden Sie Ihre Hände fünf Minuten darin. Kür: Baumwollhandschuhe anziehen und das Öl über Nacht einwirken lassen. Eine Mischung aus Öl und feinem Meersalz oder braunem Rohrzucker eignet sich gut als Peeling für den ganzen Körper und macht selbst die Füße wieder streichelweich.

Für die Haare
Vermischen Sie Ihre Haarmaske mit einem hochwertigen Pflanzenöl. So wird der Pflegeeffekt noch verstärkt

Echt fett
Auch fettige Haut profitiert übrigens von einer Ölkur. Das mag unlogisch klingen. Doch viele Öle wie z. B. Jojoba-, Nachtkerzen-, Traubenkern und Distelöl sind bei Problemhaut sehr zu empfehlen, denn sie ziehen rückstandsfrei ein, hemmen Entzündungen und stillen Juckreiz. Dr. Hauschka etwa bietet ein Gesichtsöl, das fette und unreine Haut regulieren soll. Die Idee dahinter: Wird öliger Haut von außen das richtige Öl zugeführt, wird die übermäßige Talgproduktion gestoppt.

Ganz schön trocken
Generell unterscheidet man in der Kosmetik zwischen trockenen und nicht trockenen Ölen. Nicht trockene Öle wie Avocado- oder Macadamianussöl sind reich an gesättigten Fettsäuren und hinterlassen einen Film auf der Haut - perfekt also für Massagen, Packungen und schützende Pflege. Trockene, also nicht fettende Öle (etwa von Carita oder Dior) enthalten hingegen mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Sie werden mühelos von der Haut aufgenommen, ziehen also schnell ein. Ein paar Tropfen Trockenöl wirken - unter der Tagescreme oder einer Gesichtsmaske angewandt - wie ein aufbauendes Serum. Und sie eignen sich auch perfekt für die Haar- und Körperpflege.

Ölziehen
Bei uns noch wenig bekannt sind Zahnöle (z. B. von Ringana), wie sie etwa in der ayurvedischen Medizin verwendet werden. Statt mit Paste werden die Zähne mit Öl geputzt und gespült. Ziel: Über die Mundschleimhaut sollen Gifte aufgenommen und mit dem Öl ausgespuckt werden. Auch wenn die westliche Medizin diesen Prozess bezweifelt, so erkennt sie doch an, dass dabei die Tätigkeit der Lymphknoten und der Speicheldrüsen angeregt wird. Und Speichel enthält Eiweißkörper, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind. Gute Erfahrung mit dem Ölziehen hat übrigens auch Salvador Alamar de Juan gemacht. Er muss beim Verkosten schon von Berufs wegen regelmäßig Öl ziehen und sieht dies als Grund dafür, dass er in den letzten Jahren keinen Tag krank war.

 

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