Petition Upskirting-Verbot: Man sollte Frauen nicht unter den Rock filmen dürfen

In Österreich und Deutschland ist es nicht strafbar, Frauen oder Mädchen heimlich zwischen die Beine zu fotografieren. Eine Petition will das nun zumindest im Nachbarland ändern.

Upskirting: Wenn Frauen unter den Rock fotografiert wird

Sie machen es auf Rolltreppen, Konzerten und Großveranstaltungen oder einfach so auf der Straße: Menschen, meistens Männer, fotografieren Frauen ungefragt und unbemerkt unter den Rock. Das Phänomen des übergriffigen "Upskirtings" ist eine weitere Gefährdung von Frauen im öffentlichen Raum.

Der Begriff "Upskirting" existiert auch als Nischengenre in der Pornoindustrie. Während das Ablichten dort oft inszeniert ist und die DarstellerInnen für ihre Arbeit bezahlt werden, ist das unerwünschte Fotografieren zwischen die Beine in der Realität schlicht sexuelle Belästigung und ein massiver Eingriff in die Privatssphäre. Nur: Strafbar oder überhaupt anzeigbar ist sie nicht.

Petition: Verbietet Upskirting

In Deutschland will eine Onlinepetition das nun ändern, die Initiatorinnen Ida Marie Sassenberg und Hanna Seidel konnten auf der Petitionsplattform Change.org bereits mehr als 53.000 Unterschriften sammeln. Ihr Ziel: Upskirting soll landesweit strafbar sein. Laut aktueller Rechtslage wird es für die Täter in Deutschland erst problematisch, wenn sie das Bildmaterial veröffentlichen. Dann kommt das im Urheberrecht festgeschriebene "Recht am eigenen Bild" oder Fotografieverbote für private und geschlossene Räume zum greifen. Geschieht das Upskirting im öffentlichen Raum oder ist das entstandene Bildmaterial "nur" für den "Privatgebrauch", kann rechtlich nicht dagegen vorgegangen werden.

Sassenberg und Seidel warnen, dass die voyeuristischen Fotos oft auf Pornoseiten veröffentlicht werden. Die betroffenen Frauen sind auf den Bildern häufig eindeutig identifizierbar. Ein rechtliches Vorgehen setzt aber voraus, dass Übergriff oder spätere Veröffentlichung überhaupt bemerkt werden. Zivilrechtlich kann gegen den Ersteller erst vorgegangen werden, wenn er sich weigert, das Bildmaterial zu löschen. In keinem Fall aber können Polizei oder Staatsanwälte tätig werden - wie bei zivilrechtlichen Fällen so üblich. Für die KlägerInnen ist das komplizierter und potentiell auch teurer.

Österreich: Nur Minderjährige vor Upskirting geschützt

In Österreich ist die Situation ähnlich, mit einer Ausnahme: Ist das Opfer minderjährig, können die Aufnahmen als „pornografische Darstellung Minderjähriger“ gewertet und mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden.

Vorbild für die Initiatorinnen ist Großbritannien, wo Upskirting strafbar ist. Die Britin Gina Martin hatte 2017 eine ähnliche Petition gestartet, nachdem ihr bei einem Konzert unter den Rock fotografiert worden war und der Täter keine Konsequenzen erfahren hatte. 2018 wurde das Gesetz beschlossen, Upskirting wird nun mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft.

In Wien wird fleissig unter Röcke fotografiert

Dass diese Form der sexuellen Belästigung auch in Österreich passiert, beweisen zwei aktuelle Fälle aus Wien. Die PR-Mangerin Iwona Laub berichtet auf Twitter von einem Mann, der auf der Wiener Regenbogenparade jungen Frauen unauffällig unter den Rock fotografiert haben soll. Sie habe den Vorfall einem Polizisten gemeldet. Der Mann soll noch vor Ort befragt worden sein.

Am Karlsplatz im vierten Bezirk hängt indes seit mehreren Tagen ein gezeichnetes Plakat, das vor einem Mann warnt, der der Zeichnerin zwischen die Beine fotografiert haben soll:

Hasspostings für Initiatorinnen von „Verbietet #Upskirting“

Für ihr Engagement bekommen die Initiatiorinnen der deutschen Petition gerade unzählige Hasspostings. Die Inhalte überraschen nicht: Das angesprochene Problem sei ein Randthema, man solle sich bitte um Wichtigeres kümmern und sowieso seien die betroffenen Frauen eh selbst schuld, wenn sie so kurze Röcke tragen würden. So jagt ein übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen das nächste.

„Von Frauen wird immer noch erwartet, dass sie sich anpassen, sich zurücknehmen, bescheiden und niedlich sind", sagt Sassenberg in einem Interview mit dem Spiegel. Besonders deklarierte Feministinnen würde deshalb besonders häufig Opfer von Hass im Netz. Sie empfiehlt Betroffenen, beleidigende Botschaften zur Anzeige zu bringen. Im Gegensatz zu Upskirting sind Hasspostings, zumindest in der Theorie, strafbar.

 

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