The Penis Diaries: Neues Leben, neues Glück?

Vor einem halben Jahr trennte sich Sophie nach einer elfjährigen Beziehung vom Mann, den sie für "den Einen" hielt. Sechs Monate später blickt sie zurück auf diese Trennung aus Liebe.

Nach elf Jahren Beziehung und einer Trennung aus Liebe ist Sophie wieder Single. Und zwar mit Leib, Seele und Humor. An dieser Stelle schreibt sie regelmäßig über den Glauben an die große Liebe und die Frage: Na, wo ist er denn jetzt, der Eine?

Einfach "Tschüß" und das war's? Leider nein!

Fakt ist, dass man den wahren Charakter eines Menschen, erst nach der Trennung erkennt. Ich persönlich bin zum Beispiel niemand, der Bock hat auf Drama, ganz egal welcher Art. Es hat wieso auch immer nicht funktioniert, man hat die Geschichte aus meist guten Gründen beendet, man geht getrennte Wege, der Ein oder die Andere plagt sich noch einige Zeit mit Liebeskummer etc. und damit hat sich die Sache.
Es könnte so einfach sein. EIGENTLICH.
Nach mehreren Jahren Beziehung bist du allerdings miteinander verwoben, du hast gemeinsame Kinder oder lebst einfach nur in einer gemeinsamen Wohnung. Du kannst, selbst wenn du es dir noch so sehr wünscht, nicht einfach „Tschüß“ sagen und auf Nimmerwiedersehen vom ein auf den anderen Tag verschwinden. Es müssen Dinge geregelt, Besuchszeiten für die Kinder gefunden und die gemeinsame Wohnung gekündigt oder vielleicht sogar verkauft werden. Im schlimmsten Fall muss sogar ein Anwalt um seine Dienste bemüht werden um Streitigkeiten ganz offiziell vor Gericht beizulegen. Traurig aber wahr. Und das nach Jahren, in dem man diesem Menschen vertraute und ihm die intimsten Dinge anvertraute. Thats life.

Viele Menschen bleiben aus Gründen der Bequemlichkeit bei ihrem Partner, andere weil sie sich ein Leben ohne ihn, trotz aller Gründe die für eine Trennung sprechen, nicht vorstellen können. Wieder andere und dazu zählte ich, sind Kämpfer, die so lange kämpfen und hoffen, bis sie selbst daran fast kaputt gehen.
Vielleicht habt ihr meinen allerersten Beitrag für die WIENERIN „Eine Trennung aus Liebe“ gelesen und ich habe sehr lange darüber nachgedacht, ob ich irgendwann nochmal ein „Update“ verfasse. Denn der Text entstand ein paar Stunden nachdem ich das für mich Unvermeidliche ausgesprochen hatte, war demnach unglaublich emotional und von vermeintlichen Gefühlen verblendet.
Denn, was passierte eigentlich „danach“?
Rückblickend gesehen, habe ich mir lange Zeit ziemlich viel schön geredet. Ich dachte allen Ernstes, dass diese Trennung ihm die Augen öffnen würde. Ihm helfen würde in seiner Sucht, die sein Leben bestimmte. Und ich habe gehofft. Gehofft, dass wir dann wieder eine Zukunft hätten. Heute frage ich mich, wieso ich ÜBERHAUPT gehofft hatte.
Nach allem was passiert war, nach Monaten in denen ich Seen mit meinen Tränen, die ich um uns geweint hatte, hätte füllen können.
Wieso wollte ich an einer Beziehung festhalten, die ich schon vor Jahren immer wieder beenden wollte? Wieso wollte ich an einem Mann festhalten, der mich aus dem eigenen Bestätigungsdrang heraus belog und betrog? Einem Mann der immer ein anderer sein wollte, aber nie selbst jemand war? Einen Mann, bei dem ich nie Frau sein konnte, sondern dem ich zeitweise von A-Z sein ganzes Leben organisierte? Und vor allem, einen Mann, der mich nie wirklich glücklich gemacht hat?
Wieso habe ich ihn trotz allem immer in Schutz genommen? Vor allem vor mir selbst? Vor meinen Gedanken. Selbst obwohl er nicht nur einmal meine Tränen verhöhnte und mir unterstellte, ich würde ihn damit erpressen wollen. Obwohl ich zum Ende unserer Beziehung hin, extrem aufpassen musste was ich sagte und mich nicht nur einmal, von dem Mann zu dem er geworden war, körperlich bedroht fühlte.
Mein Problem ist und wird es immer sein, dass ich nicht aufgeben kann. Ich will mich nicht geschlagen geben. Man könnte sagen, es ist schon fast eine Art trotziger Zwang, der mich egal wie die Umstände auch sein mögen, nicht dazu befähigt, einen Schlussstrich zu ziehen. Schon alleine wegen dieser Charaktereigenschaft kann man sich vorstellen, was passiert sein muss, dass ich keinen anderen Ausweg mehr wusste, als mir endlich zu erlauben aufzugeben. Und aufgegeben habe nicht schon mit der Trennung. Wirklich aufgegeben habe ich erst sehr viel später.
Und eins vorab: Ich habe ihm immer nur das Beste gewünscht. Selbst jetzt, nachdem sich sein wahrer Charakter bestätigt hat und ich ihn nicht mehr mit seiner damaligen Sucht herausreden kann, wünsche ich ihm nichts Schlechtes. Es ist mir mittlerweile nur egal. Aber der Weg dahin war ein steiniger. Dabei machte er nach der Trennung nur in meinem, immer noch von „Liebe“ und Verantwortung für ihn getrübten Blick, den Anschein sich Mühe zu geben. Es gab Telefonate, SMS, das übliche Programm und die üblichen Versprechungen sich zu ändern und ALLES zu tun um mich wieder zurück zu gewinnen. Ein einziger schöner Nachmittag, einer der an unsere guten Zeiten erinnerte, reichte aus, um meine Hoffnung wieder aufflammen zu lassen. Die Hoffnung auf die Bestätigung, dass ich das Richtige getan hätte. FÜR IHN. Aber selbst dieser Nachmittag eskalierte nach ein paar Stunden. Weil er eben NICHTS verstanden hatte und weil es ihm den Anschein nach auch bereits egal war. Der Kontakt wurde daraufhin spärlicher und ebbte irgendwann bis auf das Nötigste ab.
Ich war am Boden zerstört und heulte nicht nur eine Nacht meine Freundinnen voll. Freundinnen, von denen ich nicht sicher war, ob ich sie überhaupt noch hatte. Denn während unserer Beziehung hatte ich eine Art selbstauferlegte Isolation praktiziert und mich mehr oder weniger von allen distanziert. Für mich war nur er wichtig. Und WENN ich on tour war, dann nur mit ihm.
Gott sei Dank habe ich neue wertvolle Menschen kennengelernt und auch die „alten“ Freunde waren sofort wieder zur Stelle, wenn ich sie brauchte. Seitdem weiß ich wieder, dass Freunde unersetzlich sind und dass man den Kontakt pflegen muss, denn ohne sie, wäre ich aufgeschmissen. WIR ALLE wären ohne unsere selbstgewählte Familie aufgeschmissen. Danke, dass es euch gibt!

Unter Wolke 7 fang ich gar nicht an!

Wie ich später erfahren habe, hatte er bereits kurz nach unserem Ende eine „Neue“. Eine einfachere. Eine, in die er, den eigenen Aussagen nach, zwar nicht verliebt ist, aber die ihm O-Ton „gut“ tut und „weil er nicht allein sein könne.“ Wahrscheinlich hätte mich das trotzdem irgendwie schockieren sollen, dass er so schnell über uns hinwegkam. Aber es war mir egal. Denn wieso sollte ich auf etwas eifersüchtig sein, das offensichtlich nur eine „Wolke 4 Beziehung“ ist? Eine Beziehung, in der man sich mit etwas abfindet, was nicht optimal ist, nur damit man nicht alleine ist? Etwas was ich zutiefst verabscheue. Nicht nur, weil ich unter Wolke 7 gar nicht erst anfange, mir das ganze Drumherum mit einem Mann zu geben, sondern weil es auch höchst unfair dem Anderen gegenüber ist. Ausserdem hatte ich mich zwischenzeitlich selbst verliebt. Und das verrückterweise auf den allerersten Blick. Er und ich sind nicht zusammen, sondern lediglich befreundet, aber er war der Grund wieso ich meinen Ex endgültig vergessen konnte und mir bewusst wurde, dass es diese Schmetterlinge in mir noch gab und ich nicht mal am Anfang, auch nur annähernd, so für meinen Ex gefühlt hatte. Dafür bin ich diesem Mann unendlich dankbar.
Mein Ex meinte das letzte Mal als wir uns sahen, dass ich ihm "unglaublich wichtig“ sei und er den Kontakt mit mir nicht verlieren möchte. Trotzdem hat sich nichts geändert. Er redet das eine und macht das Andere. Er ist alles, aber ganz sicher kein Ehrenmann. Ich werde nicht darauf eingehen, was schlussendlich passiert ist, um ihm sogar den Wunsch mit mir befreundet zu bleiben schlussendlich verwehren zu müssen. Ich sage nur, dass es mich ernüchtert, dass ich mich in einem Menschen so lange, so sehr täuschen konnte. Aber ich kann mit reinem Gewissen sagen, dass ich alles versucht habe. Und dass das Scheitern am Ende nicht an mir lag. Ich habe elf Jahre gegeben und einen Scherbenhaufen voller mehr oder weniger schöner Erinnerungen und Erfahrungen erhalten. Und ich? Ich bin mittlerweile wieder glücklich. Glücklich darüber, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Glücklich, dass ich mein eigenes Leben habe und mich seit der Rückstellung der gemeinsamen Wohnung vor ein paar Wochen nichts, aber auch gar nichts mehr mit ihm verbindet. Ich habe mein ganzes „ach so sicheres“ Leben über den Haufen geworfen, ohne zu wissen was danach wohl kommen würde. Ich kann euch nicht sagen, dass es jetzt perfekt ist, aber ich bin wieder ich selbst und ich liebe mich jeden Tag mehr dafür. Ich weiß mittlerweile, dass ich das Richtige getan habe und ich bereue nichts. Weil ich mehr wert bin. Ich bin es wert glücklich zu sein.
Für alle, die sich momentan in der Situation befinden, in der ich mich vor über sechs Monaten befand und nicht wissen was zu tun ist: Kämpft. Gebt nicht auf, solange es sich gut anfühlt. Macht alles und versucht alles, was ihr denkt was noch versucht werden muss. Ihr werdet nach der Trennung nicht bereuen, was ihr alles getan habt um eure Beziehung zu retten. Ihr werdet definitiv nur bereuen was ihr nicht versucht habt.
Und dann, wenn wirklich nichts mehr geht: Lasst los und schaut nicht zurück. Freut euch über die Erfahrungen und die gemeinsame schöne Zeit, die ihr erleben durftet und freut euch auf die mindestens genauso wundervolle Zeit, die noch vor euch liegt. Mit der- oder demjenigen, die erst jetzt in euer Leben treten kann, WEIL IHR LOSGELASSEN HABT.

Und bis dahin, seid euch selbst genug und gebt euch mit nichts unter der berühmten „Wolke 7“ zufrieden.

Sophie Gotzmann alias „Mörderpuppe“ ist überzeugte Bandwurmsatzliebhaberin, mit einer Abneigung gegen korrekt gesetzte Kommata und lebt seit 2011 in ihrem über alles geliebten Exil in Wien. Seit Mitte diesen Jahres schreibt sie auf ihrem Blog „Mörderpuppe ungeschminkt - jetzt erst recht“ über alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse einer wahnsinnig gut aussehenden und überhaupt nicht selbstverliebten Frau mit mindestens zwölf Persönlichkeiten, die ihr komplettes Leben, samt gut bezahltem Job und langjähriger Beziehung, über den Haufen geworfen hat, um das Glück zu finden. Trotz einer Vorliebe für Fäkalsprache und Riesenpenisse ist sie auf der Jagd nach dem Friedensnobelpreis. Ihre Mission, wie könnte es anders sein: der Weltfrieden.

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