The Penis Diaries: Lieb dich selbst, sonst liebt dich der Falsche!

Von den Freuden und Leiden des Single-Seins, falschen Männern und der einzig wahren Liebe.

Nach elf Jahren Beziehung und einer Trennung aus Liebe ist Sophie wieder Single. Und zwar mit Leib, Seele und Humor.

Na wo ist er denn, der "Eine"?

Man sagt ja, dass es für jeden von uns „den Einen“ oder „die Eine“ gibt und wie ihr ja mittlerweile wisst, bin ich überromantisches Ding davon auch absolut mega überzeugt von. EIGENTLICH. Denn tatsächlich bin ich mittlerweile fast schon sicher, dass mein persönlicher Irrer entweder irgendwo als Geisel festgehalten wird, noch nicht geboren ist oder zwischenzeitlich vor einen Bus gelaufen sein muss. Anders kann ich es mir einfach nicht erklären, welche Rechtfertigung der am Ende
für den Umstand vorbringt, mich so lange allein auf die Welt loszulassen. Ich mein, das ist ja auch nicht so ungefährlich für die Menschen da draussen, schließlich tu ich ja nicht mal so, als wäre ich auch nur annähernd zurechnungsfähig. Wofür auch.

Denn diese spezielle Attitude in Verbindung mit meiner doch eher ungewöhnlichen Vorliebe für etwas andere Kosewörter wie etwa „Hurensohn, Pisser und Co.“ ist für viele Normalos dann doch etwas verstörend. Darüber hinaus bin ich auch nicht unbedingt abgeneigt, mal ordentlich die Partypuppe rauszulassen. Mit mir kannst du Partys
feiern, ich glaube es mir manchmal selbst kaum.
Wenn ihr den Film „Hangover" kennt, wovon ich ausgehe, stellt euch meinen Exzesscharakter als eine Mischung aus diesem dicken, vorlauten Irren und dem wahnsinnigen Chinesen mit dem Schrumpfpenis vor. Wenn du dann noch Birnenschnaps zufügst und einmal umrührst, ergibt das ein Mordstrara und eine Gerüchteküche, die das nächste Jahr durchgehend geöffnet hat.

Schön langsam wird's echt Zeit, dass ich zur Abwechslung zu den zwei bisherigen Beziehungen in meinem Leben einen Kerl an meiner Seite habe, der mit mir umgehen kann und nicht herumheult, weil ich zu stark bin, zu selbstständig oder was auch immer, sondern es wenigstens zwischendrin mal schafft, dass ich meine Klappe halte. Und das, meine Lieben, konnte bisher praktisch fast niemand. Mein Mundwerk hat
nämlich neben einer eigenen Postleitzahl noch eine eigene Sprache und da musst du schon wirklich sehr hart im Nehmen sein, dass du das auf Dauer erträgst. Wenn du es aber schaffst, mich sprachlos zu machen und mir zwischendurch ein paar Kekse hinwirfst, bin ich absolut friedlich, unglaublich süß und total handzahm. Meistens zumindest.
Und dass ich doch einen etwas größeren Vogel habe und aufgrund meiner eher sehr unüblichen Art ganz spezielle Anforderungen an meinen Zukünftigen stellen muss, die ziemlich weit vom Standard entfernt sind, sollte durch meine verbalen, sowie vor allem auch, sagen wir, poetischen Ausführungen ja mittlerweile auch irgendwie an die Massen
durchgesickert sein. Zumindest dachte ich das. Gibt ja auch Gründe für meine Propaganda.

Sind meine Anforderunge zu groß, bist du zu klein!

Leider glaubt aber immer noch jeder Zweite, dass ich scherzen würde bei dem, was ich mir da vorstelle und manche sind an Beharrlichkeit auch echt nicht zu überbieten. Teilweise tun mir die Herren der Schöpfung ja fast schon leid, weil ich, meiner Menschenkenntnis geschuldet, einfach mit eigentlich niemandem schreiben will. Mal von einem Treffen ganz abgesehen. WEIL Facebook eben Facebook ist und ich halt ganz oldschool eigentlich lieber für die reale Welt plädiere.
Leider bin ich auch so intuitiv, dass ich bereits nach dem ersten Satz in Verbindung mit einem einzigen Blick auf sein Profilbild alles über denjenigen weiß, was ich wissen muss. Und wenn der es dann noch nicht mal ohne Rechtschreibfehler schafft, den Dialog mit mir zu eröffnen oder vielleicht sogar gleich das mittlerweile obligatorische Kevin-Erkennungsmerkmal „Halo i bims“ verwendet, krieg ich einfach ganz schlimmen Verbalherpes.

Und dann wünsche ich mir, wieder so ein kleines naives Hascherl zu sein. Eine 0815-Musterfrau. Weil das einfach unglaublich entspannend sein muss. Glaubt alles, weiß grundsätzlich von nichts und lässt sich von jedem einfach alles versprechen. Und eine größere Auswahl hast du auch, wenn du nicht ganz so irre bist wie ich.
Aber dann verwerfe ich diesen Gedanken auch schon wieder. Gut, ich hätte mir dann wahrscheinlich die ein oder andere Affäre mit der ein oder anderen basic bitch angefangen, aber lieber so und immer noch kein Sex nach mittlerweile acht Monaten, als Stammgast beim Frauenarzt und/oder eine von vielen. War noch nie meins, wird es auch nie sein. Und trotz mittlerweile beginnendem Winterblues und meiner unglaublichen Sehnsucht nach Kuschel-Pizza-Sex-Repeat-Exzessen: Ich verlange „Exklusivrechte“.

Lasst mich mit "Du findest schon noch einen" bloß in Ruh'!

Abgesehen davon, gehts mir die letzte Zeit einfach richtig gut. Die Gedanken an meinen Ex sind komplett verflogen und schön langsam ist von der selbsterwählten Isolation, die ich mir freiwillig in elf Jahren so auferlegt habe, auch nicht mehr viel übrig. Ich habe wieder Spaß. Ich habe wieder Menschen an meiner Seite, die ich liebe und ich bin auch gern mal allein. (Weil ich ja eh so selbst verliebt bin, dass es da
praktisch fast keine bessere Gesellschaft gibt.)

Trotzdem ist das Single Leben echt extrem anstrengend und ich bin einfach wirklich ein unglaublich schlechter Vertreter dieser Spezies. Zudem fühlen sich viele Leute, seit ich Single bin, dazu verpflichtet, mir Trost in Form von "Der Richtige wird schon noch kommen" oder "Du bist so eine wunderschöne, kluge, sexy Frau, du kannst dir doch ohnehin jeden aussuchen" oder "Dein Ex ist ein Vollidiot, der hätte dich eh nicht verdient" zu spenden. Oder „Der XYZ ist doch so süß und der bemüht sich doch so um dich..“ Bla bla blaaaaaaaa. Spart euch das doch zukünftig bitte alle. Weil, riesengroße Überraschung: Ich weiß das alles. Mir ist schon bewusst, dass ich nicht übrig bleiben werde und auch schon längst wieder irgendeinen Kerl an meiner Seite hätte, würd ich's drauf anlegen und das ein oder andere oder am besten BEIDE Augen UND eigentlich auch die Ohren zudrücken. Aber ich will halt einfach nicht. Herr Mustermann ist unerwünscht. Und deswegen genieße ich momentan auch einfach den Moment, lasse dem Schicksal seinen Lauf und staune seither jeden Tag darüber, wieviele unvorhergesehene, wundervolle Wendungen das Leben nimmt, sobald du aufhörst, es kontrollieren zu wollen.

Verlieb dich zuerst in dich selbst!

Man kann nichts erzwingen und man sollte es auch nicht. Es ist alles genau so richtig, wie es gerade ist. Und genau das würde ich auch wahnsinnig gern den vielen anderen Frauen und Männern, die mich die letzte Zeit Rat suchend anschreiben, gerne mit auf den Weg geben. Habt ein bisschen Vertrauen. Vor allem in euch selbst. Ihr seid alle etwas ganz Besonderes, lauft niemanden hinterher, der eure Avancen nicht
zu schätzen weiß. Weint niemandem hinterher, der zu eurer Vergangenheit gehört, weil es immer Gründe gibt, wieso alles so, ist wie es ist.

Genießt euer Leben und verliebt euch zu allererst in euch selbst. Denn wie soll euch ein anderer die Liebe entgegenbringen können, die ihr verdient, wenn ihr euch diese noch nichtmal selbst zu geben gestattet.
„Die aufregendste, herausforderndste und auch bedeutendste Beziehung, ist die, die du zu dir selbst hast“. Sagte schon Carrie Bradshaw damals in Sex and the City.

Denn auch wenn vielen Typen im ersten Moment auf die Naive-Hascherl-Nummer aufspringen, so wollen die meisten längerfristig dann doch eine, mit der sie sich geistig ein bisschen duellieren können. Neben Verbal-Ping-Pong gibt's für mich nämlich noch ein ganz anderes wunderbares Spiel. Und das beginnt mit den Augen. Für mich gibt es neben ersterem nichts Spannenderes als einem Mann mit meinen Augen unmissverständlich zu verstehen zu geben, was Sache ist. Das Beste daran ist, dass du so auch sofort erkennst, ob der Typ was für dich ist oder nicht. Ohne Worte benutzen zu müssen. Und das wird als kleines naives Hascherl dann doch ein bisschen schwieriger. Deswegen bevorzuge ich schlussendlich dann doch eher Qualität vor Quantität und freue mich schon jetzt auf mein nächstes Augenduell.

In der Zwischenzeit überlasse ich voller Gnade den geistig minderbemittelten Jaqueline-Mercedes-Chantals dieser Welt die Unterhaltung in den Spielpausen.

To be continued.

Sophie Gotzmann alias „Mörderpuppe“ ist überzeugte Bandwurmsatzliebhaberin, mit einer Abneigung gegen korrekt gesetzte Kommata und lebt seit 2011 in ihrem über alles geliebten Exil in Wien. Seit Mitte diesen Jahres schreibt sie auf ihrem Blog „Mörderpuppe ungeschminkt - jetzt erst recht“ über alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse einer wahnsinnig gut aussehenden und überhaupt nicht selbstverliebten Frau mit mindestens zwölf Persönlichkeiten, die ihr komplettes Leben, samt gut bezahltem Job und langjähriger Beziehung, über den Haufen geworfen hat, um das Glück zu finden. Trotz einer Vorliebe für Fäkalsprache und Riesenpenisse ist sie auf der Jagd nach dem Friedensnobelpreis. Ihre Mission, wie könnte es anders sein: der Weltfrieden.

 

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